Gespräch mit Jan Moecke

Reibungsloses Zusammenspiel



Sprechen Sie mit DEDICAM vor allem Zahntechniker oder auch Zahnärzte an?
Moecke: Beide! Uns geht es darum, vernünftige Prothetik zu machen, ob im Auftrag des Zahnarztes oder des Zahntechnikers, ist dabei völlig unerheblich. Wichtig ist, dass die Arbeit im Team von Beginn an funktioniert. Denn wird der Zahntechniker in die Implantatplanung involviert, kann er die Prothetik bereits im Vorfeld konzipieren.

Und dabei unterstützt DEDICAM?
Moecke: Richtig, bei DEDICAM spielt die interdisziplinäre Zusammenarbeit eine bedeutende Rolle. Die Arbeitsprozesse gestalten sich deutlich einfacher, wenn alle Beteiligten von Beginn an involviert sind.

Was läuft anders?
Moecke: Wir haben vier unterschiedliche Leistungsstufen eingeführt. Das Basis-Angebot enthält beispielsweise nur das Bohrschablonendesign sowie den STL-Datenexport, während das Premium-Plus-Angebot deutlich mehr umfasst. Das Planungsteam von DEDICAM matcht die Daten, positioniert die Implantate zur Freigabe durch den Operateur, erstellt das Bohrschablonendesign und übernimmt den Druck sowie das Verkleben der Bohrhülsen.
Das große Plus bei unserem Implantat-Planungsservice sowie allen anderen DEDICAM Services ist: Jeder Kunde entscheidet selbst, welche Arbeitsschritte er in Eigenregie ausführt. Bohrschablonen kann er beispielsweise auf Wunsch auch auf dem eigenen 3D-Drucker fertigen.

Kommt das häufig vor?
Moecke: Es nimmt immer mehr zu, dass die Labore in den 3D-Druck investieren. Das Segment boomt, wie auch die diesjährige IDS gezeigt hat, und das Interesse ist sehr groß für diesen Bereich. Bohrschablonen und gedruckte Modelle lassen sich in größerer Stückzahl aber sinnvollerweise nur mit den dafür konzipierten Geräten produzieren. Zudem müssen die Materialien die Freigabe als Medizinprodukt der Klasse 2A erfüllen.

Jeder Kunde entscheidet selbst, welche Arbeitsschritte er in Eigenregie ausführt. Bohrschablonen kann er beispielsweise auf Wunsch auch auf dem eigenen 3D-Drucker fertigen. © CAMLOG

DEDICAM versteht sich als Dienstleister für die prothetische Versorgung. Welche Rolle spielen da die Zahnärzte?
Moecke: Den Auftrag kann sowohl der Zahnarzt als auch der Zahntechniker erteilen. Wie eingangs erwähnt, ist dabei eine intensive Kommunikation essenziell, um das beste Ergebnis zu erzielen. Deshalb sollte der Zahntechniker immer involviert sein.

Warum ist es so wichtig, den Zahntechniker so früh wie möglich einzubinden?
Moecke: Es erleichtert beispielweise die Kommunikation, und das Behandlerteam hat dasselbe Verständnis für den vorliegenden Patientenfall. DEDICAM bietet die funktionelle Basis, das sogenannte Halbzeug, das von Zahntechnikern veredelt und zum fertigen Zahnersatz hergestellt wird. Da ist es nur sinnvoll von vornherein das Labor einzubinden und den zahntechnischen Input zu nutzen.

Läuft die Implantatplanung cloud-basiert?
Moecke: Unsere Kunden können die Daten in die Cloud laden und uns für die Weiterverarbeitung zur Verfügung stellen. Natürlich sind auch andere Übertragungswege, etwa der klassische Modellversand oder auf einer DVD, möglich. Wir arbeiten dabei sehr eng mit dem jeweiligen Behandlerteam zusammen. Die finale Freigabe der Planung erfolgt dann durch den Behandler bzw. Implantologen.

Wie sieht es mit dem Zeitaufwand bei einer geplanten Implantation aus?
Moecke: Die Behandler schätzen vor allem die Zeitersparnis sowie das vorhersagbare Ergebnis. Ist die Implantation komplett geplant und der Zahntechniker von Beginn an dabei, lassen sich über den digitalen Workflow die Stuhlzeit sowie die Zahl der Sitzungen deutlich reduzieren. Denn bevor der Chirurg einsteigt, sind die Bohrschablone, der Gingivaformer und das Provisorium geplant und gefertigt. Die Teile stehen bereit, wenn der Patient zur Implantation kommt.

Womit sich die Arbeitsleistung des Prothetikers und des Zahntechnikers in den Planungsbereich verlagert?
Moecke: Richtig, aber was noch viel wichtiger ist: Wir sorgen im Sinne des Backward Planning für eine vorhersagbare Prothetik. Der Behandler kennt die optimale Implantatposition sowie die Implantatdimension und weiß, was ihn bei der OP erwartet.

Noch einmal ganz konkret: Der Zahnarzt plant eine Implantatinsertion im Frontzahnbereich für einen Patienten. Was übernimmt DEDICAM?
Moecke: Der Zahnarzt macht die Implantatplanung entweder selbst mit einer Implantatplanungssoftware wie beispielsweise SMOP oder beauftragt seinen Zahntechniker bzw. DEDICAM mit der Umsetzung.

Bitte nennen Sie ein Beispiel.
Moecke: Nehmen wir die Versorgung einer Einzelzahnlücke im Frontzahnbereich: Die Praxis generiert die DICOM-Daten und nimmt den Abdruck oder scannt den Ober- und Unterkiefer. Der Auftrag geht ans Labor, das das Gipsmodell digitalisiert und die DICOM-Daten ggf. auch die STL-Daten hochlädt, um die Bohrschablone zu beauftragen. Wenn das Labor die Schablone und die Prothetik in Eigenregie anfertigen möchte, erhält es die STL-Daten zur Weiterverarbeitung im eigenen CAD/CAM-System. Wir arbeiten hauptsächlich mit der Planungssoftware SMOP von swissmeda.

Die Individualprothetik, etwa einteilige bzw. zweiteilige Abutments, Kronen, Brücken oder Stege, ist sehr gefragt. Der Implantat-Planungsservice wächst ebenfalls. © CAMLOG

DEDICAM liefert aber auch weitere Prothetikteile …
Moecke: Ja, unter anderem den individuellen Gingivaformer und das Provisorium. Die Kosten übernimmt der Auftraggeber, das ist meistens das Labor, und berechnet diese in der Gesamtrechnung dem Patienten weiter. Der Vorteil liegt in der Zeitersparnis und der besseren Vorhersagbarkeit des Ergebnisses.

Was überwiegt – die Implantatplanung oder die Prothetik-Dienstleistung?
Moecke: Die Individualprothetik, etwa einteilige bzw. zweiteilige Abutments, Kronen, Brücken oder Stege, ist sehr gefragt. Der Implantat-Planungsservice wächst ebenfalls. Da unsere Dienstleistungen alle auch parallel und unabhängig voneinander laufen, lässt sich das nicht pauschal beantworten. Aber wir merken, dass in allen Servicebereichen die Nachfrage sehr hoch ist und sich weiter positiv entwickelt.

Was unterscheidet CAMLOG mit DEDICAM im Hinblick auf den umfassenden Service von „normalen“ Implantatanbietern?
Moecke: CAMLOG ist mit DEDICAM Partner der Labore, sozusagen die „verlängerte Werkbank“. Wir bieten ein modulares Setup. Die Kunden entscheiden selbst, auf welche Dienstleistungen sie zugreifen möchten, um ihren Arbeitsprozess zu optimieren, und in welchem Umfang. – Wir arbeiten weitestgehend systemunabhängig, sodass eine sehr hohe Flexibilität geboten wird und unsere Kunden uneingeschränkt Zugang zu modernen digitalen Arbeitsprozessen sowie neuen Behandlungskonzepten erhalten.

Das erlauben die anderen Anbieter nicht?
Moecke: Unser Ziel ist es vor allem, ein vertrauter Servicepartner unserer Kunden zu sein und ihnen für die Herausforderungen in Praxis und Labor zukunftsweisende, individuelle Lösungen anzubieten, Lösungen, die sie benötigen, um ihre Praxis oder ihr Labor effizienter führen zu können. Mit dem DEDICAM eService – einer neuen Auftragsplattform, die im Sommer kommt – möchten wir beispielweise langfristig die interdisziplinäre Zusammenarbeit noch weiter stärken.

Nach der IDS steht schon der nächste Termin vor der Tür, der 6. CAMLOG Zahntechnik-Kongress am 25. Mai in Frankfurt. Was steht im Fokus?
Moecke: Das Motto ist „Faszination Implantatprothetik“. Und das trifft es auf den Punkt. Denn die Zahntechnik war noch nie so vielschichtig wie heute. Die digitalen Technologien bieten zahlreiche Möglichkeiten, sich zu differenzieren, sie verändern dadurch auch die Arbeitsweise mit Materialien, die mit der analogen Technik nicht umsetzbar sind, sowie die Kommunikation. Was es bei DEDICAM Neues gibt, werden meine Kollegen Martin Steiner und Ulf Neveling vorstellen. Zudem erläutern sie die interdisziplinäre Zusammenarbeit für implantatprothetische Rekonstruktionen. Aber auch alle anderen Referenten werden in spannenden Vorträgen zeigen wie sich hochmoderne Technologien mit sensibler und anspruchsvoller Handarbeit vereinen lassen. Es werden erprobte Behandlungs- und Kommunikationskonzepte vorgestellt, die zeigen, welche Chancen eine Veränderung bietet, wenn man sich darauf einlässt. Das Besondere bei allen Vorträgen ist, dass immer der Patient im Mittelpunkt steht.

Apropos Materialien. Liegt Zirkon nach wie vor im Trend?
Moecke: Ja, denn es entwickelt sich stetig weiter, man denke an das transluzente Zirkonoxid und die Multilayer-Materialien – auch im monolithischen Bereich. Aber auch der Anteil der Glaskeramik steigt.

Verblendungen dagegen dürften bald Schnee von gestern sein?
Moecke: Das kann man so nicht sagen. Gerade bei hochästhetischen Versorgungen sind individuelle Verblendungen noch der Goldstandard und benötigen die akribische Sorgfalt sowie das Ästhetik- und Formgefühl eines Zahntechnikers.

Direkt verschraubte oder abutmentgetragene Stegversorgungen und dazu passende Überwürfe mit Preci-Horix und Preci-Vertix waren ein IDS-Highlight. © CAMLOG

Wird denn NEM bald „out“ sein?
Moecke: Nein, davon kann man nicht ausgehen. NEM behauptet sich nach wie vor am Markt. Monolithische Materialien werden heutzutage genutzt, um ästhetisch, aber doch kostengünstig versorgen zu können. Dennoch ist der NEM-Anteil sehr hoch und wird größtenteils mit CAD/CAM-Technologie hergestellt.

Zurück zum neuen DEDICAM eService. Was genau verbirgt sich dahinter?
Moecke: Unsere Dienstleistungen und Produkte können bereits heute über den Dental Manager beauftragt werden. Der DEDICAM eService wird in die gesamte CAMLOG Online-Welt integriert, sodass darüber Aufträge an DEDICAM übermittelt werden. Nach dem Auftragsupload erhalten die Kunden sofort eine Preis- und Lieferinformation. Dank der direkten Anbindung an den CAMLOG eShop können in einem Auftrag auch die entsprechenden Komponenten, die der Kunde für den jeweiligen Patientenfall benötigt, mitbestellt werden. Zudem werden die hochgeladenen Daten vom System geprüft. Passt etwas nicht, wird der Kunde direkt informiert. Denn nur die Produkte, die gefertigt werden können, lassen sich anlegen.

Welche Neuheiten gibt es derzeit zusätzlich bei DEDICAM?

ZT Jan Moecke ist seit November 2018 DEDICAM Vertriebsleiter bei CAMLOG. Bis dahin war er unter anderem Vertriebsmanager ConnectDental Labor und CAD/CAM bei der Camlog-Muttergesellschaft Henry Schein. © CAMLOG

Moecke: Auf der IDS haben wir direkt verschraubte oder abutmentgetragene Stegversorgungen und dazu passende Überwürfe mit Preci-Horix und

Preci-Vertix vorgestellt. Dieser herausnehmbare implantatgetragene Zahnersatz erlebt derzeit eine Renaissance, da wir die Design- und Produktionstechniken daraufhin optimiert haben. Die besondere Kunst in dieser Königsdisziplin ist die Herstellung der Aufnahmen für die Matrizen in der Mesostruktur, sodass die Einsätze vorschriftsmäßig positioniert werden können und gleichzeitig ihre Funktion erhalten bleibt. Dieses besondere Verfahren ist geschützt. Neben den herausnehmbaren Versorgungen können Patienten über das Versorgungskonzept COMFOUR auch von festsitzender Implantatprothetik profitieren – Rekonstruktionen, die aber perfekt geplant, designt und gefertigt sein möchten. Und dabei hilft DEDICAM.