Praxisgründer als Chefs


Praxisgründung Praxisgründer

Wer als junger Zahnarzt eine Praxis übernimmt, ist auf einmal Chef und hat Führungsverantwortung für das Praxisteam. © Philipp Böll


Zahnärzte werden leider weder während des Studiums noch in der Assistentenzeit auf eine spätere Führungsverantwortung vorbereitet“, erklärt Stephan Grüner. Als Geschäftsführer der eazf – Europäische Akademie für zahnärztliche Fort- und Weiterbildung der Bayerischen Landeszahnärztekammer (BLZK) in München bietet er regelmäßig Seminare auch zu personalbezogenen Themen an.

Wichtig sei es im ersten Schritt, gute Mitarbeiter zu finden. In den letzten Jahren habe sich der Arbeitsmarkt verändert – heute müssen sich die Praxen um qualifizierte Mitarbeiter ‧bewerben. „Positionieren Sie Ihre Praxis als attraktiven Arbeitgeber“, rät Grüner den Praxisgründern deshalb. „Das beginnt bei der Form der Ausschreibung und endet beim täglichen Miteinander in der Praxis. Aber auch die Möglichkeit zur Weiterentwicklung und das Gehalt spielen natürlich eine Rolle“.

Mitarbeiter finden und halten

Wer seine Mitarbeiter auch dauerhaft in der Praxis halten will, muss auch als Praxisgründer auf Anzeichen für Unzufriedenheit achten. „Dafür ist ein regelmäßiger Kontakt zum Team wichtig“, verrät Grüner. Der Chef müsse den Mitarbeitern das Gefühl geben, dass ihre Meinung zählt. „Neben Lob und Verbesserungswünschen sollten auch Entwicklungsmöglichkeiten zur Sprache kommen: Bei der eazf sehen wir, dass viele Mitarbeiter in Zahnarztpraxen ihre Fort- und Weiterbildungen selbst zahlen – kein Wunder, wenn diese dann bald die Praxis verlassen.“

Speziell bei Praxisübernahmen komme es häufig vor, dass Mitarbeiter des Vorgängers in der Praxis bleiben. „Diese Mitarbeiter sollten von Anfang an in Entscheidungen eingebunden werden“, erklärt Grüner. „Bei Praxisübernahmen hilft es auch, wenn die zukünftigen Inhaber schon im Vorfeld ein halbes oder ganzes Jahr als Angestellte mitarbeiten und dem Team gegenüber klar als zukünftige Chefs eingeführt werden.“ Da sei offene Kommunikation geboten.

Respekt und Wertschätzung

Wer als Chef respektiert und geschätzt werden möchte, sollte auch respektvoll und wertschätzend mit den Mitarbeitern umgehen. „Das klingt einfach, ist aber oft nicht leicht umsetzbar. Führung hat viel mit Ehrlichkeit, Verlässlichkeit, Fairness und authentischem Auftreten zu tun. Führung heißt, klare Entscheidungen zu treffen – aber auch Fehler eingestehen zu können“, zählt Grüner auf. „In den Niederlassungsseminaren der BLZK und der eazf wird oft deutlich, welche Defizite die zukünftigen Chefs in Sachen Führung noch mitbringen. Insofern freut es mich, dass diesem Thema auch im neuen Kongress ‚FutureDent‘ ein Forum gegeben wird.“