Piercings

Zungenpiercing: Diese Risiken muss jeder kennen

Wer ein Piercing trägt, reibt es beim Sprechen oder Essen ständig an den Zähnen und löst den wichtigen Zahnschmelz langsam aber sicher ab. So machen Piercings die Bahn frei für Karies. Zahnärzte raten von Piercings im Mundraum dringend ab, wer dennoch nicht darauf verzichten möchte, sollte Zähne und Zahnfleisch regelmäßig von Zahnarzt untersuchen lassen.


Zungenpiercings verursachen irreparable Schäden am Zahn. Foto: Tommy T / Wikimedia Commons


Schmuck im Mund kann schnell zum Problem werden. Denn die Zähne leiden unter Piercings, wenn sich der Zahnschmelz löst. Ein weiteres Problem von Piercings ist, dass nicht mehr alle Stellen im Mund sorgfältig gereinigt werden können und sogenannte Schmutznischen entstehen. „Piercings stören beim Zähneputzen und Essensreste verfangen sich daran. Diese Schmutzecken können sich entzünden und sogar zu Infektionen führen“, sagt Dr. Andreas Wagner, Präsident der Landeszahnärztekammer Thüringen.

Twinkles statt Piercings – aber nur vom Zahnarzt angebracht

Wenn schon Zahnschmuck, dann Steinchen – empfehlen die Thüringer Zahnärzte. Sogenannte „Twinkles“ oder „Brillies“ werden vom Zahnarzt auf den Zahnschmelz geklebt. Sie schaden den Zähnen weniger als Piercings in Zunge oder Lippe, weil sie nicht gebohrt, sondern nur geklebt werden.

In einer Broschüre warnen die Zahnärzte davor, sich diesen Zahnschmuck im Internet zu bestellen und mit Sekundenkleber selbst aufzukleben. Das sollte man dem Zahnarzt überlassen, denn nur er weiß, wie man die Steine so anbringt, dass sie den Zähnen nicht schaden und später auch ohne Rückstände wieder entfernt werden können.

Infektionsgefahr durch Piercings im Mund

Wer sich im Mundbereich Piercings setzen lässt, geht ein Gesundheitsrisiko ein. Die Infektionsgefahr im Mund ist groß. Wurde das Piercing nicht unter sterilen Bedingungen gesetzt, können sich Stellen entzünden und um schlimmsten Fall zu hässlichen Narben führen. „Durch das Einstechen in Zunge oder Lippen können Nervenbahnen irreparabel beschädigt werden. Besonders beim Zungenpiercing kommt es häufig zu längeren Blutungen und starken Schwellungen“, heißt es  seitens der Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung (KZBV).

Weniger problematisch seien die in der ersten Zeit zu erwartenden Sprach- und Kaustörungen, die, wenn alles gut läuft, abklingen.

Zungenpiercings verursachen irreparable Schäden am Zahn

Doch auch ohne sichtbare Entzündung schaden Piercings in Zunge oder Lippe nach und nach Zahnfleisch und Zähnen. Besonders kritisch sind Zungenpiercings, weil das Metall beim Sprechen, Kauen oder beim „Spielen“ mit dem Piercing im Mund, permanent an die Zähne schlägt. So entstehen feine, irreparable Risse im Zahnschmelz. Kälte- und Hitzeempfindlichkeit, Reizung des Zahnnervs oder Karies können die Folge sein, warnen die Zahnärzte.

Das Lippenpiercing ist keine Alternative zum Zungenpiercing: Durch den ständigen Druck auf das Zahnfleisch kann  sich das Zahnfleisch an dieser Stelle zurückziehen. Bei längerer Belastung könne es zu freiliegenden Zahnhälsen und Verletzungen der Zahnwurzel sowie der darunter gelegenen Knochenstruktur kommen.

Allergieriskio bei Piercings aus Kunststoff

Am weitesten verbreitet sind Piercings aus Titan, einem Edelmetall, das keine Allergien auslöst. Immer beliebter werden aber Piercings aus buntem Kunststoff, in verschiedenen Farben und Formen. „Sie sollen, weil weicher, für Zähne und Zahnfleisch weniger schädlich sein. Allerdings ist noch nicht geklärt, wie hoch das Allergierisiko bei diesen Materialien ist“, warnt die KZBV.

Die Broschüre „Ich find‘ dich zum Anbeißen!“ der Thüringer Zahnärzte wird zum Tag der Zahngesundheit am 25. September verteilt. Es gibt das Heft auch in allen Thüringer Zahnarztpraxen zum Mitnehmen.