Einkommen Zahnarzt

So viel verdient ein Zahnarzt im Schnitt

Wie viel verdient ein Zahnarzt? Wie hoch ist sein monatlich verfügbares Einkommen? Aktuelle Daten zeigen: Im Schnitt erzielte ein Zahnarzt pro Jahr einen Einkommens-Überschuss von 138.601 Euro. Bei ostdeutschen Zahnärzten war der Wert deutlich niedriger. Das geht aus dem Jahrbuch 2014 der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (KZBV) hervor.


Einkommen Zahnärzte

Der Verdienst von Zahnärzten ist gut, doch die langfristige Liquidität schwindet. Foto: proDente


Die gute Nachricht vorab: Im Jahr 2012, den aktuellsten vorliegenden Zahlen der KZBV,  ist das Einkommen der Zahnärzte in Deutschland gestiegen. Der Einnahmen-Überschuss lag mit 138.601 Euro um 6,3 Prozent über dem Vorjahreswert von 130.411 Euro. Erneut zeigt sich eine große Spannweite bei der Einkommensverteilung: Fast jeder zweite Zahnarzt (57 Prozent) liegt mit seinem Einkommen vor Steuern unter dem Durchschnittswert von 138.601 Euro, die übrigen 43 Prozent haben einen höheren Einnahmen-Überschuss. Aber: 11,7 Prozent der Zahnärzte in Deutschland erreichten nicht einmal einen Einnahmen-Überschuss von 50.000 Euro.

Zwischen alten und neuen Bundesländern bestehen weiterhin deutliche Unterschiede. Westdeutsche Zahnärzte erreichten einen Durchschnittswert von 144.638 Euro, in den neuen Bundesländern lag dieser Wert mit 109.641 Euro deutlich niedriger. Dabei blieben in Ostdeutschland 57 Prozent der Zahnärzte mit ihrem Einkommen vor Steuern unter diesem Durchschnittswert. Insgesamt hat sich der Niveau-Unterschied zwischen dem Einkommen in alten und neuen Bundesländern jedoch 2012 geringfügig gegenüber dem Vorjahr verringert.

Facharztvergleich: Einkommen der Zahnärzte im Sinkflug

Zwar verdienen Zahnärzte im Bevölkerungsschnitt sehr gut, verglichen mit anderen Facharztgruppen rangiert ihr Einkommen aber im Schlussfeld. Im Laufe der vergangenen 30 Jahre  sank das Einkommen der Zahnärzte relativ zu den anderen Facharztgruppen kontinuierlich. Real hat sich der Einnahmen-Überschuss im Jahr 2012 gegenüber 1976 in den alten Bundesländern nahezu halbiert. 1997 lagen die Zahnärzte mit ihrem Einkommen noch im Mittelfeld.

Im Jahr 2011 verschlechterte sich die Lage nochmals deutlich, so dass sie nun zu den Facharztgruppen mit dem niedrigsten Einkommen gehören. Lediglich Kinderärzte und Allgemeinärzte verdienen weniger. An der Spitze der medizinischen Einkommensskala stehen Radiologen/Nuklearmediziner, Augenärzte und Chirurgen. Im Mittelfeld stehen Orthopäden, Hautärzte, Internisten und Neurologen.

5.700 Euro pro Monat verfügbares Einkommen

Wie hoch ist nun das verfügbare Einkommen des Zahnarztes im Monat? Ein Rechenbeispiel: Ein verheirateter Zahnarzt mit zwei Kindern, der genau das mittlere Einkommen erzielte (Medianwert 123.350 Euro), hatte im Jahr 2012 nach Abzug aller zu zahlenden Steuern und Sozialversicherungsbeiträge eine verfügbares Einkommen von 74.420 Euro. Vergleicht man das mit einem Arbeitnehmer mit 13 Monatsgehältern, hat der Zahnarzt ein monatliches verfügbares Einkommen von rund 5.720 Euro (in den alten Bundesländern sogar 6.020 Euro).

Aus dem verfügbaren Einkommen muss der Zahnarzt seinen Lebensunterhalt finanzieren und Rücklagen bilden, um daraus Re-Investitionen und Anschaffungen zum Beispiel für neue Technologien tätigen zu können – was insbesondere bei den Zahnärzten mit unterdurchschnittlichen Praxisergebnissen bereits zu Liquiditätsproblemen führt, so die KZBV.

„Angesichts des langfristigen Schrumpfungsprozesses der zahnärztlichen Einkommen ist es vielen Zahnärzten finanziell nicht mehr möglich, ihren Patienten diese innovativen Behandlungsmethoden anzubieten“, heißt es in dem Jahrbuch. Auch notwendige Aufwendungen zur Qualifizierungen des Praxispersonals durch permanente Fortbildung würden hierdurch gefährdet.

Arbeitszeit für Praxisverwaltung kaum höher als vor 20 Jahren

Die Arbeitszeit für den ersten Praxisinhaber ist hoch, allerdings im Laufe der Zeit leicht gesunken. Pro Woche arbeitet er 47,1 Stunden. Vor rund zwanzig Jahren war die Gesamtarbeitszeit dagegen mit 49,4 Stunden pro Woche noch höher. Dabei hat der viel diskutierte Verwaltungsaufwand in der Praxis – rein statistisch – kaum zugenommen. Für das Jahr 1992 weist die KZBV einen wöchentlichen Zeitaufwand von 7,9 Stunden pro Woche für Praxisverwaltung auf, im Jahr 2012 waren es 8,0 Stunden.

Mehr angestellte Zahnärzte als im Vorjahr

Ein weiterer Trend zeichnet sich offenbar in Zahnarztpraxen ab: Es gibt immer mehr angestellte Zahnärzte und ZFAs. Ende 2012 wurden in deutschen Zahnarztpraxen rund 243.000 Arbeitnehmer entgeltlich beschäftigt, ein Jahr zuvor waren es noch rund 242.000.

Der demografische Wandel und das gestiegene Gesundheitsbewusstsein in der Bevölkerung dürften dazu beitragen, dass die Arbeitsplätze in Zahnarztpraxen, Dentallaboren und im Einzelhandel für Mundgesundheitsprodukte weiter steigen. Das Institut der Deutschen Zahnärzte (IDZ) hat berechnet: Innerhalb der nächsten 20 Jahre wächst der zahnmedizinische Versorgungsbereich um etwa 20 Prozent. Im Jahr 2030 könnten schon knapp eine halbe Millionen Beschäftigte in diesem Sektor arbeiten – der Großteil davon im zahnärztlichen und zahntechnischen Bereich.

Keine Praxisgebühr, mehr Zahnarztbesuche

Dass es  – zumindest kurzfristig – zu einem Anstieg der Zahnarztbesuche im Jahr 2013 kam, liegt an der Abschaffung der Praxisgebühr. Dadurch kamen mehr Patienten zum Kontrollbesuch. Belegt wird diese Entwicklung nicht zuletzt durch die im Jahr 2013 gegenüber dem Vorjahr um 4,2 Millionen auf nunmehr 89,9 Millionen gestiegene Zahl der Abrechnungsfälle im Bereich der konservierend-chirurgischen Behandlung.

Das KZBV-Jahrbuch 2014 kann unter www.kzbv.de bestellt werden.


Weitere Links zum Thema:

Zahnarztpraxis: Hohe Kosten für Praxisgründung

KZBV Jahrbuch 2013 / Einkommen der Zahnärzte schrumpft langfristig