Idiopathische Gesichtsschmerzsyndrome

Schmerzen richtig erkennen und behandeln

Manchmal ist es schwer, Gesichtsschmerzen richtig zuzuordnen. Besonders idiopathische Gesichtsschmerzsyndrome sind selten und werden häufig nicht so diagnostiziert. Doch auch Zahnärzte sollten charakteristische Schmerzen erkennen und sie entsprechend behandeln können.


Schmerzen behandeln

Die Wissenschaftler des UKE stellten die auf häufigsten vorkommenden Gesichtsschmerzsydrome zusammen und betracheten sie genauer. © Andrey Popov – stock.adobe.com


Hat ein Patient Gesichtsschmerzen, kommt er häufig als erstes in eine Zahnarztpraxis. Schmerzen im dento-alveolären Bereich erkennen Behandler meist schnell und behandeln sie entsprechend. Ebenso können sie Schmerzen, die anderen medizinischen Fachbereich zuzuordnen sind, wie bei einer Sinusitis, erkennen, eingrenzen und an passende Fachärzte überweisen. Doch so leicht ist das nicht bei allen Schmerzsensationen.

Sechs Hauptgruppen der Gesichtsschmerzen

Haben Patienten Schmerzen ohne intra- oder extraoral somatische Ursache, fällt die Diagnose schwerer. Eine Übersichtsarbeit des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) thematisiert häufige Fehlinterpretationen idiopathischer Gesichtsschmerzen.

Seit 2020 gibt es erstmals eine internationale Klassifikation für Gesichtsschmerzen. Sie soll in einem definierten anatomischen Gebiet, in dem es Überschneidungen vieler Fachbereiche gibt, klare Diagnosekriterien formulieren und so Fehldiagnosen und folglich Fehlbehandlungen vermeiden. Dabei teilt die Klassifikation Gesichtsschmerzen in sechs Hauptgruppen ein.

Diese Schmerzen richtig erkennen und behandeln

Die Wissenschaftler des UKE stellten anhand dieser Hauptgruppen die auf häufigsten vorkommenden Gesichtsschmerzsydrome zusammen und betrachteten sie näher:

  1. Attackenartige faziale Kopfschmerzsyndrome: häufig Migräne und Clusterkopfschmerzen. Treten eher selten auf und sind nur fazial lokalisiert. Es kommt u.a. zu Schmerzen im Wangen- und Kieferbereich unterhalb der Orbitomeatalline oder attackenartigen Zahnschmerzen. Die Therapie der primären Kopfschmerzsyndrome mit fazialer Schmerzsymptomatik sollte analog zu anderen Kopfschmerzsyndromen erfolgen.
  2. Persistierender idiopathischer Gesichtsschmerz: kein bestimmter Nervenast oder neurologisches Defizit zuordenbar, daher sollte eine Ausschlussdiagnose erfolgen. Die Schmerzen sind über den ganzen Tag mäßig und andauernd mit kurzen schmerzfreien Intervallen nachts und nach dem Erwachen. Betroffen ist meist eine Gesichtshälfte, besonders der Wangen- und Oberkieferbereich, seltener auf ein oder zwei Zähne beschränkt. Die Autoren raten dazu, nur absolut notwendige operative zahnärztliche Behandlungen durchzuführen und die Schmerzen pharmakologisch durch einen Schmerztherapeuten behandeln zu lassen.
  3. Neuropathische Gesichtsschmerzen: ähnlich den persistierenden idiopathischen Gesichtsschmerzen. Hier ist jedoch eine posttraumatische oder virale Nervläsion vorhanden. Hier können demnach im Vergleich zum idiopathischen Gesichtsschmerz sensorische Symptome wie Hyp- oder Dysästhesien vorkommen.
  4. Trigeminusneuralgie: gehört den neuropathischen Gesichtsschmerzsyndromen an. Zeichnet sich durch blitzartigen, heftigen Schmerz aus, der wenige Sekunden anhält. Klassisch sei zudem ein einseitiges Auftreten im Versorgungsgebiet des zweiten Trigeminusastes. Der internationalen Klassifikation zufolge werden die Schmerzen in eine klassische, idiopatische oder sekundäre Trigeminuneuralgie eingeteilt. Die genaue Diagnose könne nur anhand einer Magnetresonanztomografie gestellt werden. Die Therapie erfolge primär medikamentös.

Quelle: Ziegeler C, Beikler T, Gosau M, May A., „Idiopathic Facial Pain Syndromes“. Dtsch Arztebl Int. 2021 Feb 12;118(6):81-87. doi: 10.3238/arztebl.m2021.0006. PMID: 33827748.