Leitmesse als Hoffnungsschimmer

IDS 2021: Kommt sie oder kommt sie nicht?

Das Coronavirus beschäftigt die dentale Welt nach wie vor. Die Herbst-Fachmessen wurden trotz genau ausgearbeiteter Hygienekonzepte auf das kommende Jahr verschoben. Mit Spannung beobachten alle Augen nun die Internationale Dental-Schau (IDS) 2021. Bleibt sie ein Hoffnungsschimmer für die Branche oder sorgt die Corona-Krise auch hier für eine Absage?


IDS 2021

Findet die IDS 2021 im März statt oder nicht? Die endgültige Entscheidung dazu will der VDDI Anfang Oktober fällen. © Chris Becher


Schon seit März hat sich die Situation für alle dramatisch verändert: Durch das neuartige Coronavirus kam es in vielen Zahnarztpraxen zu finanziellen Engpässen, Kurzarbeit und einer hohen Belastung durch zusätzliche Hygieneauflagen. Außerdem mussten sämtliche Veranstaltungen wie Tagungen und Kongresse ausfallen, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen. Auf vielen Seiten fanden Firmen und Veranstalter in der Folge eine digitale Lösung in Form von Webinaren, mit denen auch notwendige Fortbildungen abgedeckt wurden. Die Hoffnung ruhte darauf, dass ein rückläufiges Infektionsgeschehen im Herbst wieder Messeveranstaltungen unter Einhaltung eines strengen Hygienekonzepts ermögliche.

Komplettausfall bei Fachdentals und Infotagen dental

Doch jetzt ist klar, dass das nicht der Fall ist. Nachdem bereits der Deutsche Zahnärztetag in Frankfurt abgesagt wurde, folgten Ende Juni in schneller Folge die Absagen der id Infotage dental für München (11. Und 12. September) und Frankfurt (13. und 14. November). Auch die Fachdental Leipzig (25. und 26. September) schloss sich an und verschob die Veranstaltung auf das kommende Jahr. Zuerst sah es noch danach aus, dass zumindest die Fachdental Südwest in Stuttgart (16. und 17. Oktober) stattfindet. Doch auch hier gaben die Verantwortlichen Anfang August bekannt, dass die Messe auf 2021 verschoben werde.

Zurückhaltung vieler Aussteller problematisch

Die LDF, Veranstalter der id Infotage, machte deutlich, dass es zwar ein behördlich genehmigtes Hygienekonzept für die Messen gebe, die Einschränkungen dabei aber viel zu groß seien. Besonders in der Dentalbranche seien die Hygienevorschriften sehr schwer realisierbar. Es könne weder für Besucher noch für Aussteller zu einer freien Kommunikation, einem entspannten Austausch oder zum sorglosen Miteinander kommen. „Unsere Messen lassen sich in der gewohnten Weise ruhigen Gewissens nicht durchführen“, stellt Lutz Müller, Präsident des Bundesverbands Dentalhandel, fest.

Unsere Messen lassen sich in der gewohnten Weise ruhigen Gewissens nicht durchführen. Lutz Müller, BVD-Präsident

Ein anderes Problem ist die Zurückhaltung der Aussteller. Situationsbedingte Unsicherheit – auch aufgrund der wieder steigenden Infektionszahlen – sorgte dafür, dass viele Aussteller ihre Teilnahme an den Messen abgesagt haben. Dadurch wurde weder für die Fachdental in Leipzig noch für die in Stuttgart die nötige Zahl an Ausstellern erreicht, die sonst die Fachmessen unter anderem attraktiv gemacht haben.

Doch der Bedarf nach einem persönlichen Austausch oder auch der Präsentation von Produkten und Dienstleistungen ist trotzdem vorhanden. Diesen wollen die Veranstalter versuchen zu decken. „Deshalb befinden wir uns aktuell in der Prüfung eines Konzepts für eine digitale Form“, erklärt Andreas Wiesinger, Mitglied der Geschäftsleitung der Messe Stuttgart.

Gesundheit von Mitarbeitern und Teilnehmern „an erster Stelle“

Und wie sieht es mit IDS 2021 aus? Die Weltleitmesse für die dentale Welt soll nach aktuellem Stand wie geplant vom 9. bis 13. März 2021 in Köln stattfinden. Hierfür hat die koelnmesse ein umfangreiches Hygienekonzept samt Maßnahmenkatalog erstellt, um das Miteinander auf der Messe bestmöglich zu regeln und gleichzeitig die Sicherheit auf höchstem Niveau zu gewährleisten. „Die Gesundheit aller Messeteilnehmer und auch unserer eigenen Mitarbeiter steht an erster Stelle. In diesem Sinne werden wir jede Veranstaltung bis ins letzte Detail prüfen und alle individuell erforderlichen Entscheidungen treffen“, so Oliver Frese, Geschäftsführer der koelnmesse.

IDS 2021 – Absagen diverser großer Player

Aber auch für die IDS gibt es bereits Absagen diverser Aussteller. So hat sich beispielsweise Dentsply Sirona gegen eine Teilnahme entschieden. Laut Walter Petersohn, Chief Commercial Officer von Dentsply Sirona, sei das gewohnte Messe-Erlebnis für die Kunden aufgrund der Corona-Auflagen nicht einzuhalten. Außerdem gehe das Unternehmen davon aus, dass durch die Reiseauflagen weniger nationale und vor allem internationale Kunden vertreten sein werden. Die Sicherheit der Kunden und Mitarbeiter habe oberste Priorität.

Eine ähnliche Problematik sieht auch medentis medical, die ebenfalls ihre Teilnahme zurückgezogen haben. Die Firma geht davon aus, dass sich die Reise- und Versammlungsbeschränkungen aufgrund von Sars-CoV-2 über den März 2021 hinaus erstrecken werden. Auch die Gesundheitsgefahren der IDS mit Ausstellern aus aller Welt seien nicht zu unterschätzen, weshalb medentis medical aus Solidarität Verantwortung übernehmen wolle und die Teilnahme absage. Sollte sich die Infektionslage jedoch unerwartet bis zum kommenden Jahr bessern, stünde einer erneuten Anmeldung nichts im Wege.

Kampagne #proIDS2021 setzt sich für Messe ein

Gänzlich anders sehen die Lage die Wasserexperten von BLUE SAFETY. Sie betonen, dass die Absage der IDS 2021 eine inhaltliche Bankrotterklärung der Medizinbranche sei und es einen dringenden Bedarf an fachlichem Austausch gebe. „Die Absage der Messe käme einem Vertrauensentzug der Zahnärzte in puncto des Umgangs mit infektiösen Personen gleich“, beschreibt Dieter Seemann, Leiter Verkauf und Mitglied der Geschäftsführung von BLUE SAFETY. Die Wasserexperten starteten die weltweite Kampagne #proIDS2021, um die Stimmen zu zeigen, die auch für eine Durchführung der IDS 2021 stehen.

Entscheidung Anfang Oktober erwartet

Auch der Verband der Deutschen Dental-Industrie (VDDI) plädiert dafür, die IDS wie geplant zu verwirklichen. Zwar treffe die Corona-Krise die IDS genauso wie alle anderen Veranstaltungen, aber das Sicherheits- und Hygienekonzept der koelnmesse berücksichtige alle einschlägigen Vorschriften für Messeveranstaltungen und die Sicherheit der Aussteller und Besucher. Gemeinsam mit der koelnmesse hat der VDDI die GFDI mbH, Veranstalter der IDS, beauftragt, Szenarien und Kriterien auszuarbeiten.

Anhand dieser wollen die Verantwortlichen Anfang Oktober objektiv bewerten, ob eine erfolgreiche Teilnahme an der IDS 2021 möglich sei. Es handele sich dabei um den spätestmöglichen Zeitpunkt einer endgültigen Entscheidung. Wie diese in der sich schnell ändernden Situation ausfällt, bleibt abzuwarten.

So könnte die IDS 2021 aussehen

Die koelnmesse arbeitet derzeit bereits an digitalen Möglichkeiten und hybriden Elementen für die IDS 2021. Die digitale IDS-Plattform soll über Produkte sowie Systemlösungen informieren, das Streaming von Webinaren, Pressekonferenzen, Events sowie Eins-zu-Eins-Kommunikation mit Kunden ermöglichen. Die Unternehmen der Deutschen Dental-Industrie haben in der Krise ebenfalls ihre digitalen und hybriden Kommunikationstools mit den Endkunden stark ausgebaut. „Die Weltleitmesse IDS schlägt ein weiteres neues Kapitel in ihrer fast einhundertjährigen Geschichte auf. Die technologischen Innovationen gerade der letzten Jahre eröffnen uns neue Horizonte der Kommunikation mit unseren Kunden sowie der gesamten Dentalbranche, die ohnehin in der Produktion und Anwendung sehr digitalaffin ist“, sagt VDDI-Vorsitzender Mark Stephen Pace.