Landeszahnärztekammer Thüringen distanziert sich von Kollegin

Aushang in Erfurter Zahnarztpraxis sorgt für Aufregung

Die Landeszahnärztekammer Thüringen „distanziert sich entschieden“ von Aushang einer Erfurter Zahnarztpraxis, in dem vor Gefahren, die mit die Behandlung von Flüchtlingen einhergehen, gewarnt wird.


Behandlung

In einem Aushang einer Erfurter Zahnarztpraxis wird vor der Ansteckungsgefahren durch Flüchtlinge unter den Patienten gewarnt. canstockphoto


Der Aushang, der über die sozialen Netzwerke rasch die Runde gemacht hat sei, laut eines Artikels der Thüringer Allgemeinen Zeitung, gestern Morgen aufgefallen. Darin schreibt die Zahnärztin, dass sie verpflichtet sei, während ihres Notdienstes Asylbewerber zu behandeln. Sie ermahnt die Hausbewohner, keine Wertsachen im Treppenhaus stehen zu lassen.

Zudem bezieht sie sich in dem Aushang auf ein Informationsschreiben des Robert Koch-Instituts und des Thüringer Landesamts für Verbraucherschutz, die darüber aufklären, welche ansteckenden Krankheiten bei Asylsuchenden diagnostiziert wurden. Mit gefetteten Buchstaben warnt sie vor Läusen, Krätze, Lungen-Tuberkulose, Lassafieber, Krim-Kongo-Fieber, Meningitis, Masern, Typhus und EHEC, die über Flüchtlinge übertragen werden könnten.

Kammer überlegt, Strafanzeige zu stellen

Die Landeszahnärztekammer Thüringen reagierte zeitnah und distanzierte sich entschieden von der Kollegin. Der Präsident der Landeszahnärztekammer, Dr. Christian Junge, erklärte: „Wir Thüringer Zahnärzte distanzieren uns ausdrücklich von dem Aushang dieser einzelnen Praxis. Der Inhalt war geeignet, Asylsuchende pauschal zu kriminalisieren, zu diffamieren sowie Patienten und Anwohner gegen Asylsuchende aufzuhetzen.“ Die Landeszahnärztekammer hätte die Kollegin sofort zur Entfernung aufgefordert, der Aushang sei mittlerweile abgenommen worden. In der Stellungnahme der LZÄK Thüringen heißt es weiter: „Die Kammer behält sich vor, Strafanzeige gegen die Erfurter Zahnärztin zu erstatten.“

Für ihr Statement erhält die Kammer überwiegend positive Kommentare auf Facebook: „Vielen Dank! Ich hoffe, dass es auch echte Konsequenzen für die Täterin hat“ oder „Gutes Statement! Aber: Sie behalten sich eine Anzeige vor?!? Da gibt es meines Erachtens keinen Vorbehalt.“ Es gibt aber auch Stimmen, die sich solidarisch mit der Zahnärztin zeigen.

Das Thüringer Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie schaltete sich ein und kritisierte: „Der hergestellte Zusammenhang von Flüchtlingen und Krankheiten ist zudem völlig haltlos und irreführend.“ In den Thüringer Erstaufnahmestellen für Flüchtlinge seien bislang keine Fälle von denen auf dem Aushang genannten Erkrankungen Lassafieber, Krim-Kongo-Fieber, bakterielle Meningitis und EHEC aufgetreten. Bisher gab es nur einen Fall von Typhus. Masern treten bei Asylsuchenden nicht häufiger auf als in der Thüringer Bevölkerung. Auch die hochansteckende Form der Tuberkulose sei nur in wenigen Fällen aufgetreten und die betroffenen Flüchtlinge seien umgehend behandelt worden.

Zahnärztin sieht sich „Hetzkampagne“ ausgeliefert

Zwischenzeitlich hat auch die Zahnärztin hat auf ihrer Homepage Stellung bezogen. Dort heißt es: „Ich distanziere mich energisch gegenüber jeglicher rassistischer Darstellungen im Internet über mich und mein Praxisteam!“ Sie habe bereits mit ihrem Rechtsanwalt rechtliche Schritte gegen die „Hetzkampagne“ eingeleitet.

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