„Root to Crown“


Root to Crown

Apikale Aufhellung an Zahn 15 / alle Bilder © Centrella


Normierte Abläufe sind für mich positiv konnotiert. Ich sehe darin Potenzial, Zeit einzusparen und die Behandlung professionell zu gestalten. Um dies zu erreichen, ist es aus meiner Sicht nötig, sich mit neuen Technologien intensiv auseinanderzusetzen, sie zu evaluieren und schließlich auch in den Praxisalltag zu integrieren. Natürlich bedeutet das oft eine Investition, doch diese amortisiert sich schnell durch einen in gleicher Zeit höher generierten Umsatz und einer Qualitätssteigerung.

Es gibt jedoch auch Konzepte, die mit einem geringen finanziellen Aufwand deutliche Verbesserungen ermöglichen, weil sie wissenschaftlichen Empfehlungen folgen sowie durchdacht und auf Effizienz der Behandlung ausgerichtet sind. Das „R2C“-System (Root to Crown) ist so ein Konzept. Studien haben gezeigt, dass die besten klinischen Resultate beides einschließen – eine optimale Wurzelkanalbehandlung und eine adäquate restaurative Behandlung. „R2C“ greift dies auf und stellt uns Zahnärzten eine Lösung zur Verfügung, die die einzelnen Behandlungsschritte von der Wurzel bis zur Krone berücksichtigt, die entsprechenden Komponenten enthält und vor allem die Effizienz der Behandlung steigert.

Der konkrete Fall

Eine 53-jährige Patientin mit gutem Allgemeinzustand stellte sich in meiner Praxis mit pochenden Schmerzen am Zahn 15 vor. Klinisch zeigte sich eine insuffiziente Kunststofffüllung, der Zahn war CO2-negativ und klopfdolent. Radiologisch (Abb. 1) stellte sich eine periapikale Lysezone dar.
Ich habe den Zahn mit Kofferdam isoliert (Abb. 2) und okklusal trepaniert. Unter dem Mikroskop ließen sich die Kanaleingänge deutlich lokalisieren, mit dem WaveOne Gold Glider in einem ersten Schritt darstellen und bis zum Apex verfolgen. Nachdem ich die Länge elektronisch bestimmt hatte (Root ZX/Morita), wurden beide Kanäle mit der Wave-One-Gold-Primary-Feile aufbereitet. Dabei arbeitete ich jeweils drei Zyklen mit der Primary Feile (Abb. 3) und führte dann eine Zwischenspülung mit NaOCl durch (Abb. 4), um den Debris zu entfernen und damit sich die Feile nicht verklemmt.


Beide Feilen arbeiten reziprok und lassen sich sehr komfortabel über das X-Smart IQ via iPad steuern und das Drehmoment lässt sich kontrollieren – bei Einhaltung des Protokolls ist ein Feilenbruch nahezu unmöglich.

Nachdem ich den Hauptkanal aufbereitet hatte, ergänzte ich eine Spülung mit Ethylendiamintetraessigsäure (EDTA). Der Er-YAG-Laser kann das Spülmedium aufgrund der Laserimpulse aktivieren, sodass durch die entstehenden Implosionen ein massiv verbesserter Spüleffekt bis in die Seitenkanäle entsteht – kommunizierende Kanäle werden auf diese Weise geöffnet und behandelbar. Diese Methode wird je nach Laserhersteller „LIPI“ oder „PIPS“ genannt (Abb. 6 und 7). Nach Trocknung der Kanäle mit Papierspitzen (Abb. 8) habe ich die medikamentöse Einlage durch den palatinalen Kanal appliziert. Auf dem Bild ist deren Austritt durch den bukkalen Kanal gut zu erkennen (Abb. 9). Die Patientin ging mit einer provisorischen Füllung nach Hause (Abb. 10).

Nach ca. sechs Wochen Einlagezeit habe ich das Medikament wieder entfernt, die Kanäle erneut gespült und getrocknet (Abb. 11 und 12). Die Wurzelfüllung erfolgte mit AH Plus und Thermafil von Dentsply Sirona. Der zuvor erwärmte Obturator wurde an der Oberfläche sehr fließfähig und auf einem Trägermaterial in einem Arbeitsschritt in die Kanäle eingebracht (Abb. 13). Das überschüssige Trägermaterial ließ sich nach Erreichen der Arbeitslänge leicht abtrennen (Abb. 14). Das radiologische Kontrollbild zeigte eine blasenfreie Wurzelfüllung beider Kanäle bis ca. 1 mm vor dem radiologischen Apex (Abb. 15).

Anschließend habe ich die Füllung vollständig entfernt und die Kavität nach dem „Total Etch and Bond“-Prinzip konditioniert. Die ersten 4–5 mm der Kavität wurden mit dem niedrigviskösen Komposit SDR flow+ von Dentsply Sirona in Bulkfilltechnik aufgefüllt (Abb. 18) und der Smartlite Focus (Dentsply Sirona) gehärtet (Abb. 19). Die Struktur der Rekonstruktion wurde mit dem Komposit ceram.x universal (Dentsply Sirona) vervollständigt. Nach Entfernung des Kofferdams wurde die Füllung poliert und eingeschliffen (Abb. 20).

Fazit

Das Besondere an diesem Konzept ist weniger der Ablauf an sich – der folgt in der Regel Leitlinien und ist daher immer zu empfehlen. Die Vorteile liegen vielmehr in der Steigerung der Effizienz, der Einfachheit, der Workflowsicherheit und der kürzeren Behandlungszeit.

Als ich mit der instrumentellen Endodontie begann, waren meist sechs Feilen für die gesamte Aufbereitung nötig – heute brauche ich dafür nur noch zwei. Für den vorliegenden Fall habe ich dieses Zwei-Feilen-System genutzt, was zusätzlich dafür sorgte, dass der Preis für das Verbrauchsmaterial übersichtlich blieb. Durch die Verwendung von Einwegfeilen ist außerdem die Diskussion um die Aufbereitung von endodontischen Instrumenten obsolet.

Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Einfachheit: Je mehr standardisiert, je einfacher das gesamte Protokoll wird, desto weniger fehleranfällig ist die Behandlung und desto schneller ist sie auch beendet. Bei mir folgt inzwischen die gesamte endodontische Behandlung standardisierten Abläufen. Die Zeit auf dem Behandlungsstuhl verkürzt sich deutlich – und das schätzen auch die Patienten. Das „Root-to-Crown“-Konzept versetzt mich letztlich in die Lage, die gesamte Behandlungszeit um etwa die Hälfte zu reduzieren, ohne qualitative Einbußen in Kauf nehmen zu müssen. Es beruht auf optimal aufeinander abgestimmten Produkten und Komponenten, die es dem Behandler sehr einfach machen, perfekte Resultate zu erzielen.

Für mich hat sich das Konzept bewährt, und es ist in meiner Praxis zum festen Bestandteil des Behandlungsprozesses geworden.