EuroPerio 9

Die gleiche Sprache sprechen

Mehr als 10 000 Teilnehmer aus 111 Ländern, 134 Referenten und rund 140 Aussteller – das war die neunte Auflage der EuroPerio, die vom 20. bis 23. Juni in Amsterdam stattfand.


Prof. Søren Jepsen, Wissenschaftlicher Leiter der Europerio 9, stellte den Teilnehmern das wissenschaftliche Programm vor. Als Highlight dabei: die Präsentation der neuen Klassifikation der Parodontitiden und erstmals auch der Periimplantitiden. © Barfuß


Ein Highlight war die Präsentation der neuen Paro- und Periimplantitis-Klassifikation am zweiten Kongresstag, die im vergangenen Jahr in Chicago bei einem World Workshop von der European Federation of Periodontology (EFP) und der American Academy of Periodontology (AAP) beschlossen worden war. Damit wird die parodontale Gesundheit erstmals seit 1999 neu definiert. Die Einteilung in „chronische“ und „aggressive“ Parodontitis ersetzt ein „Staging“ und „Grading“. Das Staging – die Stadieneinteilung der Erkrankung – ist abhängig vom diagnostizierten Schweregrad und auch von der Komplexität der Behandlung, das Grading – der Grad der Erkrankung – bietet zusätzliche Informationen hinsichtlich der Krankheitsprogression und der Risiken.

„Die neue Klassifikation wird einen enormen ‚Impact‘ auf die Diagnostik und Therapie der Erkrankung haben“, zeigte der sich EFP-Präsident Prof. Dr. Anton Sculean, Bern, überzeugt. Endlich werde man „global die gleiche Sprache sprechen“ und mit einer Diagnose das Gleiche meinen. „Das war bisher nicht immer so.“ Nun gelte es, auf der Basis dieser Klassifikation in einem weiteren Workshop Guidelines für die Therapie aufzustellen. Sculean begrüßte ausdrücklich, dass die an der Tumorchirurgie orientierte Einteilung in Klassen und Grade das Fach künftig besser in die Medizin integriere.

Hyaluronsäure in der PAR-TheRapie

Sculean präsentierte auf der EuroPerio zudem aktuelle Untersuchungen zur Bedeutung der Hyaluronsäure in der PAR-Chirurgie. Seine Berner Arbeitsgruppe habe Untersuchungen im Labor durchgeführt und zeigen können, dass bestimmte Zellen positiv auf Hyaluronsäure reagierten. In Knochendefekten führe die Gabe von Hyaluronsäure zu einem höheren Attachmentgewinn als die Lappen-OP allein. Zusätzlich werde die Wundheilung beschleunigt.

Europerio Anton Sculean

Der amtierende EFP-Präsident Prof. Anton Sculean sprach zur Begrüßung und Eröffnung von der Europerio 9 als einem der prestigeträchtigsten Kongresse der Parodontologie und Implantattherapie weltweit. © Barfuß

Sculean geht davon aus, dass die Bedeutung der EuroPerio weiter zunehmen werde. Die steigenden Teilnehmerzahl und das wachsende Themenspektrum sprächen für sich. Besonders positiv hob er die neue „Nightmare Ses‧sion“ hervor, die Misserfolge unter die Lupe nahm, und die immer intensivere Behandlung des Themas Periimplantitis.

Apropos Periimplantitis: Nobel Biocare stellte in Amsterdam ein neues System zur Biofilmentfernung von Titan‧implantaten vor. „Da sind wir besonders enthusiastisch“, betonte Hans Geiselhöringer, Präsident Nobel Biocare. Denn bis zu fünf Prozent der Implantatpatienten seien derzeit von der Periimplantitis betroffen. Und nun gebe es erstmals einen zuverlässigen Lösungsansatz. Das neue „Dental Cleaning System GS 1000“ werde Anfang 2019 eingeführt. Ideengeber dieses patentierte Prinzip – mit einer speziellen Lösung wird ein Stromfluss erzeugt, der den Biofilm durch Blasenbildung beseitigt – sind Dipl.-Ing. Dr. Holger Zipprich, Dr. Urs Brodbeck und PD Dr. Dr. Markus Schlee. Enwickelt wurde es von der GalvoSurge AG. Mit GalvvoSurge haben wir auf dem Gebiet der Periimplantitisbekämpfung einen soliden Partner gefunden, sagte Geiselhöringer. Die komplette begleitende Forschung und Vermarktung dieser elektrolytischen Reinigung der Implantatoberflächen läuft über Nobel Biocare.

Die EuroPerio findet seit 1994 alle drei Jahre statt und ist das „Markenzeichen“ der European Federation of Periodontology, wie es EFP-Präsident Sculean formulierte. Am 2. Juni 2021 startet die EuroPerio 10 in Kopenhagen.