Interview mit Oralchirurg Jan Kielhorn

„Intelligenter Spirit“

Nicht nur die Effizienz abgespeckter Implantatsysteme findet immer mehr Anhänger, ein ganz neuer Spirit greift um sich. Zahnärzte tauschen sich online aus, veröffentlichen Fallvideos auf Youtube und engagieren sich in Eigenregie für immer weitere Optimierungen. Kurz: Die Implantologen der „Next Generation“ ticken anders, weiß der Fachzahnarzt für Oralchirurgie Jan Kielhorn. Am Beispiel des Implantatsystems iSy stellt er die neue Denke vor.



Wann und warum haben Sie sich für ein reduziertes Implantatsystem entschieden?
Kielhorn: Ich arbeite seit einem Dreivierteljahr mit dem iSy-Implantatsystem, weil ich die Grundwerte schätze, die Einfachheit, die modernen Protokolle und den optimierten Workflow. Das System ist perfekt auf die modernen Behandlungskonzepte abgestimmt.

Was sind die Vorteile?
Kielhorn:
Wir reduzieren die Bohrvorgänge bereits beim Inserieren. Das iSy-Sortiment enthält nur die wirklich notwendigen Teile. Die Vorbereitungszeit sinkt auf ein Minimum, Sterilisa¬tionsarbeiten entfallen nahezu komplett, weil es sich um Einwegprodukte handelt. Die gesamten Materialkosten liegen deutlich unter Vollsortiment-Implantatlinien − und das sind nur einige der Pluspunkte, von denen der Zahnarzt und der Patient profitieren.

Eine Win-win-Situation also?
Kielhorn:
Ja, der Behandler erhält sein Honorar, der Patient eine adäquate Leistung zu einem angemessenen Preis.

Aber nur bei Standardindikationen, etwa bei Einzelzahnlücken?
Kielhorn:
Nicht nur. Standardsituationen beherrscht man mit iSy seit Langem perfekt. Mit den neuen Tools lässt sich weit mehr erreichen.

Die neuen Tools sind aber nicht unumstritten. iSy ist heute nicht mehr so schlank und reduziert wie bei der Markteinführung 2013.
Kielhorn:
iSy wird schlank und effizient bleiben und sich nicht zu einem weiteren Komplettsystem wandeln. Dafür sorgen schon die iSy-Fans. iSy-User, auch ich, bringen sich aktiv in die Weiterentwicklung des Konzepts ein – und das hat nichts mit Ausweiten und Aufstocken zu tun. Im Gegenteil, unsere neuen Tools vereinfachen den Workflow weiter.

Von welchen Tools sprechen Sie genau?
Kielhorn:
Seit der IDS 2017 gibt es zum Beispiel ein besonderes Tool für CEREC-Anwender: Man kann das Scankäppchen einfach auf die Implantatbasis aufklicken, scannt, designt die Krone und versorgt mit nur einem Abutmentwechsel. Wir nennen das „One Click, One Scan, One Shift“. Die Scan-Abutments harmonieren mit allen modernen Scannern. Solche Innovationen machen iSy nicht komplexer, sondern noch einfacher. Wir favorisieren ein reduziertes System, wir möchten kein Vollsortiment.

„One Click, One Scan, One Shift“

Bleiben wir beim „One Click, One Scan, One Shift“, was genau hat es damit auf sich?
Kielhorn:
Beginnen wir mit One Click: Alle Gingivaformer, alle Provisorien und der Scanadapter sind nur geklickt, man braucht keinen Zement, somit drohen keine Zementreste. Man braucht auch keinen Schraubenzieher. Das führt zu kurzen Sitzungen.

Jetzt gab es in der Vergangenheit aber auch schlechte Erfahrungen mit Klicksystemen …
Kielhorn:
Das stimmt, es hat bislang kein System funktioniert, entweder klemmten die Käppchen und ließen sich nicht mehr abziehen. Oder sie waren zu unpräzise. Mit den iSy-Multifunktionskappen lässt sich sowohl ein Provisorium herstellen als auch eine Abformung und selbstverständlich ein Scan durchführen.

Wie genau werden all diese Misserfolge früherer Klicksysteme vermieden?
Kielhorn:
Mit einem ausgeklügelten Design. Zudem gibt es ein definitives Abutment und keine Übergangspfosten wie bei vielen anderen Systemen.

Das heißt, das definitive Abutment ist also vormontiert?
Kielhorn:
Genau. Dazu kommt eine Materialqualität, die ein „Ausleiern“ verhindert. Aber „One Click“, bezieht sich auch auf die Bestellung. Wir können das Implantat und alle Teile, die notwendig sind, von der Abformung bis zum Gingivaformer, mit einem „Click“ ordern. Die logistischen Vorteile sind immens, keine Lagerhaltung, kein Lagermanagement und damit weniger Kosten. Nun zu „One Scan“: Eine iSy-Krone lässt sich für CEREC-User in einer Sitzung herstellen. Aber auch der herkömmliche Weg in zwei Sitzungen mit einer Versorgung über das Labor ist möglich. Mit „One Shift“ ist maximal ein Abutmentwechsel gemeint.

Lässt sich mit dem CEREC-Tool für iSy nun die One-Visit-Implantology realisieren?
Kielhorn:
Zurzeit plädiere ich für Two-Visit-Implantology, aber immer für maximal „One Shift“. Denn das führt zum besten physiologischen Lager, zum bestmöglichen Attachement und zu dauerhaft stabilem Gewebe. Wird das Abutment einmal gewechselt, erhält man ähnliche Ergebnisse.

One-Visit-Implantology würde natürlich auf „No Shift“ setzen …
Kielhorn:
Auch das kann iSy.

Ist die Entscheidung für das System eine Glaubensfrage?
Kielhorn:
Eher eine Generations- und Einstellungsfrage. Das ganze System fußt aber definitiv auf einer fundierten wissenschaftlichen Basis. Beispiel: Abutments sollten maximal einmal gewechselt werden, das ist belegt. Solche Erkenntnisse verknüpfen wir mit Reduzierung.

Sprich: weniger Abutmentwechsel, weniger Teile, weniger Bohrvorgänge?
Kielhorn:
Ganz genau. Und der Community-Gedanke bringt das System immer weiter voran. Das macht iSy immer mehr zu einem einzigartigen System: Die Anwender selbst schaffen mit ihren Protokollen, ihren Erfahrungen und ihrem steten Austausch ein modernes Implantatsystem, das man heute braucht − sei es für die „Next Generation“, sei es für die Patienten, sei es für mehr Effizienz.

iSy steht für „intelligentes System“. Bedeutet das, CAMLOG steuert das Ganze nur eher marginal?
Kielhorn:
CAMLOG produziert iSy natürlich und iSy ist eine CAMLOG-Marke. Aber iSy wird die eigene Community aufbauen, eigene Fortbildungen organisieren und das System weiterentwickeln. Jeder Anwender wird jederzeit Zugriff auf Daten haben, die er braucht, auf Neuigkeiten, die er wissen muss. iSy ist bereits heute nicht nur das System für die „Next Generation“, es ist die nächste Generation der Implantatsysteme in jeder Hinsicht.

Wann sind abgespeckte Systeme kontraindiziert?
Kielhorn:
Bei besonders schmalen Frontzahnlücken, denn zurzeit gibt es nur 3,8-mm-Durchmesser-Implantate. Auch All-on-4- oder All-on-6-Protokolle lassen sich derzeit nicht bzw. kaum umsetzen, da gewinkelte Aufbauten nicht direkt verwendbar sind.

In solchen Indikationen setzen Sie auf andere Implantatsysteme?
Kielhorn:
Richtig, wir arbeiten unter anderem mit Straumann BLT, XiVe und Ankylos. Vor allem abgewinkelte Aufbauten braucht es aus meiner Sicht für iSy noch, denn All-on-4- und All-on-6-Konzepte sind „in“.

Ihr Fazit?
Kielhorn:
iSy überzeugt vor allem durch den neuen Spirit. Das Konzept rückt den Workflow, den Behandler und den Patienten in den Fokus, nicht allein die Features. Statt drei bis vier Sitzungen braucht man mit iSy ein bis zwei. Allein die Einsparungen in Sachen Material belaufen sich auf 500 Euro im Vergleich zu anderen Systemen. Und das kommt direkt dem Patienten zugute. Ich nutze diesen Workflow inzwischen, wann immer es möglich ist. Trotz weniger Teile kommen wir schneller zu oftmals besseren Ergebnissen – und das zu geringeren Kosten.

Jan Kielhorn
ist Fachzahnarzt für Oralchirurgie. 2005 gründete er zusammen mit seiner Frau die Praxisklinik Kielhorn & Kielhorn in Öhringen. Heute firmiert die Praxisklinik unter dem Namen Whiter by Kielhorn & Kielhorn.  Anschließend rief er gemeinsam mit dem Zahnarzt Siegfried Hoelzer die Whiter Consulting ins Leben, die sich für eine Optimierung des zahnärztlichen Workflows engagiert.
JK@whiter.dental