Implantologie leicht gemacht

Wie gut ist der digitale Komplettservice „Smile in a Box“?

Am Tag der Implantation eine Box mit allen bestellten Komponenten (Bohrschablone, Implantat und Langzeitprovisorium) bekommen und von den Vorteilen eines souveränen digitalen Planungs- und Fertigungsservice profitieren – das verspricht „Smile in a Box“. Und das, ohne vorab in das dafür nötige Hard- und Softwareequipment investiert zu haben. Diese reale computergestützte Dienstleistung hat PD Dr. Sigmar F. Schnutenhaus getestet.


10 Langzeitprovisorium Smile in a Box

Das in der Box termingerecht angelieferte Langzeitprovisorium aus PMMA konnte ohne Korrekturen eingeschraubt werden. Der Schraubenkanal wurde mit einem Streifen eines Teflonbandes und Füllungskunststoff verschlossen.


Die Erkenntnis ist nicht neu, dass sich Prozessabläufe in der Praxis durch Digitalisierung optimieren lassen und navigierte Implantologie nicht etwa chirurgisches Know-how ablöst, sondern ermöglicht, das perfekte implantatprothetische Ergebnis vorherzusagen. Auf einen implantologischen Fall bezogen bedeutet es, diesen mithilfe von DVT oder CT und einer Planungssoftware wie coDiagnostiX digital zu planen, die Unter- und Oberkiefersituation mit einem Intraoralscanner digital zu erfassen, eine Bohrschablone anzufertigen, die Implantatoperation navigiert durchzuführen, eventuell nochmals zu scannen und die CAD/CAM-gefertigte Restauration anzufertigen und schließlich am Patienten einzusetzen.

„Smile in a Box“ Modular aufgebauter Planungs- und Fertigungsservice

Das sind einige Schritte, für die der Behandler nicht nur das nötige Equipment und Know-how in der Anwendung benötigt, sondern auch Zeit und Routine. Will man schon ins bohrschablonengeführte Implantieren „hineinschnuppern“ oder konkret einsteigen, aber noch keine Lizenz für die Software erwerben, empfiehlt sich ein erfahrener Partner: Da setzt die neue von Straumann ins Leben gerufene Dienstleistung „Smile in a Box“ an. Dabei handelt es sich um einen modular aufgebauten Planungs- und Fertigungsservice. Das heißt, von der Planung bis zum Provisorium entscheidet der Behandler, wie er den Service nutzen möchte. Die Planungspartner – das sind lokale Dentallabore oder Straumann – verfügen über langjährige Erfahrung in der Implantatplanung und der Arbeit mit dem validierten digitalen Workflow . Der Komplettservice ermöglicht eine vereinfachte Behandlungsplanung und einen kalkulierbaren Zeitaufwand – zum Beispiel im Fall der Sofortversorgung.

Ablauf der Sofortversorgung mit „Smile in a Box“ in regio 15

Viele Patienten wünschen sich die ästhetische, festsitzende Sofortversorgung nach erfolgter Zahnextraktion. Zum Erhalt des Weichgewebes gehört zur Sofortimplantation auch die sofortige Versorgung des Implantats mit einem ästhetischen Provisorium, das die Dimensionen des ursprünglichen Zahns hat. So lässt sich das Weichgewebe zirkulär erfolgreich stützen, und auf diese Weise können die Papillen erhalten werden bis zur Eingliederung des finalen Zahnersatzes.

Im vorliegenden Fall kam es bei der 69-jährigen Patientin zu einer Wurzelfraktur des Zahns 15 durch den Metallstift. Der Zahn war nicht zu halten, und die Patientin wünschte ein Implantat und eine Sofortversorgung. Die Entscheidung zur Sofortimplantation ist mit Blick auf den Erhalt und das Stützen des Weichgewebes (Papillenerhalt) sowie die Socket Preservation begründet. Es war ausreichend Knochen vorhanden, um einen stabilen Halt mit einem geeigneten Implantat zu erreichen. Die Wahl fiel auf das für Sofortversorgungsprotokolle konzipierte BLX-Implantat (Straumann) mit hoher Primärstabilität. Diese hohe Primärstabilität schafft enorme Sicherheit bei der Sofortimplantation. Bis zum Erhalt der Box mit allen gewünschten Komponenten sind es für den Behandler drei bequeme Schritte.


Schritt 1

Es wurden ein DVT sowie intraorale Scans des Ober- und Unterkiefers mit Bissregistrat erstellt. Die Scan-Daten im stl-Format und die DVT im Dicom-Format wurden zusammen mit dem Auftragszettel an das Partnerplanungslabor (hier: Dentallabor Implantec, Amstetten) via Datentransfer übertragen. Auf dem Auftragszettel konnte angegeben werden, welche Schritte man überhaupt fremdausgeführt haben will. Diese individuell auszuwählenden Bausteine gewährleisten maximal mögliche Flexibilität. Um den Service zu nutzen, sind auch konventionelle Abformungen möglich, d. h., die Praxis muss noch nicht mit einem Intraoralscanner ausgestattet sein.

Schritt 2

Im Labor erfolgten Segmentierung und Matching der Daten mithilfe des Planungsprogramms coDiagnostiX. Der Behandler hat grundsätzlich die Möglichkeit, selbst zu planen oder sich einen Planungsvorschlag erstellen zu lassen. Implantec hat die Vorplanung der Implantatposition per E-Mail an die Praxis gesendet, und via TeamViewer erfolgten eine kurze Besprechung hinsichtlich Implantatposition und Implantatdimension sowie die Freigabe der Planung. Auch wenn man auf den Komplettservice setzt, obliegt dem Behandler nach wie vor die Verantwortung für die Implantatposition. Also ist klar, dass er diesen Schritt nicht vollständig delegieren kann. Erst nach Freigabe durch den Behandler erfolgt die Produktion der Bohrschablone und des Provisoriums. Der Planungspartner hat die Möglichkeit, auch das speziell für den individuellen Fall gewünschte Implantat im Namen des Behandlers bei der Straumann Group zu bestellen.

Schritt 3

Zwei Tage später wurde die Box mit Bohrschablone und dem gewünschten Langzeitprovisorium aus PMMA mit Titanbasis geliefert. Am Tag der Zahnextraktion und Implantatinsertion konnte die vorbereitete Krone ohne Korrekturen eingeschraubt werden. Die Krone 15 hatte die Kontur des extrahierten Zahns; damit war ein erwünschter, leichter Druck auf die Papillen und die bukkale Schleimhaut gegeben. Die Patientin konnte 20 Minuten nach der Zahnentfernung mit einem festsitzenden Langzeitprovisorium entlassen werden. Vorher wurde kontrolliert, dass keine Kontakte bei der statischen und dynamischen Okklusion vorlagen. In diesem Fall mussten keine Änderungen vorgenommen werden.

„Smile in a Box“: Fazit für die Praxis

Allen implantologisch tätigen Zahnärzten, die das nächste Level erreichen wollen, ist „Smile in a Box“ zu empfehlen. Im Sinne einer Indikationserweiterung bietet sich der Komplettservice besonders zum Einstieg in die schablonengeführte (Einzelzahn-)Sofortimplantation mit Sofortversorgung an. Das schablonengeführte Vorgehen ist ein Muss, besonders im ästhetischen Bereich, denn nach der Extraktion hilft die Führung, die erste Bohrung zu setzen, und verhindert ein Abrutschen im Alveolenfach.

Der Behandler kann sich mehr Zeit für den Patienten nehmen, und gleichzeitig ermöglicht der integrierte Planungsservice die Kommunikation mit einem in Sachen digitaler Planung und Fertigung versierten Partner. Man kann bequem auf zentrale Ressourcen und digitale Workflows zugreifen, ohne in zusätzliche Hard- oder Software zu investieren.

Insgesamt schafft das Konzept „Smile in a Box“ Sicherheit, ein neues Behandlungsprotokoll in das Praxisportfolio aufzunehmen und den Patienten gezielt mehr Optionen bieten zu können. Ein Gewinn für Praxis und Patient.


Der Experte

PD Dr. Sigmar Schnutenhaus
ist seit 1998 niedergelassen in Hilzingen und als Privatdozent am Uniklinikum Ulm tätig.
info@schnutenhaus.de