Remote Monitoring, integrierter Mailversand und Fernwartung

Digitale Zahnarztpraxis: Monitoring aus der Ferne

Remote Monitoring, integrierter Mailversand und Fernwartung sind bereits heute Realität in der digitalen Zahnarztpraxis. Eine Sauganlage, die per Mausklick repariert wird, ein Thermodesinfektor, der automatisch eine Fehlermeldung ins Servicecenter schickt, und eine Behandlungseinheit, die selbst weiß, wann sie gewartet werden soll – die Zahnarztpraxis ist im digitalen Zeitalter angekommen – auch beim Geräte-Service.



Der Kaffeevollautomat zeigt selbst an, wann er entkalkt werden muss; den Router, der eigentlich im Wohnzimmer steht, erreicht und steuert man heute aus dem Internet von überall her, und ein Techniker des dentalen Fachhandels sieht mit einem Blick auf seinen Bildschirm, warum eine Sauganlage in einer Berliner Zahnarztpraxis nicht mehr richtig funktioniert. Software, die ein Monitoring aus der Ferne erlaubt, verbreitet sich rasant in allen Lebensbereichen, auch in der Dentalwelt, wie zahlreiche Neuheiten zeigen, die Unternehmen auf der IDS im März 2015 präsentierten. Das heißt: Fehlermeldungen, Statusberichte und Problemlösungen werden mehr und mehr digitalisiert. Remote Monitoring, integrierter Mailversand und Fernwartung sind daher keine Science-Fiction mehr, sondern technisch heute schon perfektioniert und halten mehr und mehr Einzug in den Praxisalltag.

„Wir wollen die Schalthebel für die Technik aus dem Keller holen“, sagt Georg Burr, der bei Dürr Dental unter anderem die Produktkommunikation der neuen Sauganlage Tyscor VS 2 betreut. Obwohl bei fast jeder zahnärztlichen Behandlung Speichel abgesaugt werde, wisse der Zahnarzt über das Innerste seiner Sauganlage oft wenig, bemerkt Burr. „Wenn ein Problem auftritt, kommt das böse Erwachen.“ Denn ein Ausfall der Anlage legt den gesamten Praxisbetrieb lahm. Das soll sich mit der Digitalisierung des Monitorings und der Fehleranalyse per Fernzugriff ändern. „Eine zentrale Software, die Sauganlagen, Kompressoren oder Amalgamabscheider steuert, wird künftig den Puls der Praxis fühlen“, erklärt Burr.

Digitalisierung beim Service für Dentalgeräte

Auf der IDS machte das Dentalunternehmen aus dem schwäbischen Bietigheim-Bissingen deutlich, dass die Digitalisierung auch vor dem Service für Dentalgeräte nicht haltmacht. Die Sauganlage Tyscor VS 2 zeigt mittels der intelligenten Steuerungssoftware Tyscor Pulse aktuelle Informationen zum Status der Anlage, Service-Intervalle und Störungen auf dem Praxis-PC an. Bei Bedarf ermöglicht die Software sogar eine Ferndiagnose des Problems durch einen Servicetechniker.

„Meldet ein Gerät einen Fehler, kann ein Praxismitarbeiter diesen per Mausklick in einer E-Mail an einen Servicetechniker weiterleiten“, erklärt Burr. Per Fernzugriff, den das Praxisteam anfordert und autorisiert, kann sich der Techniker in das System der Sauganlage einloggen und eine digitale Fehleranalyse durchführen. „Software- und Konfigurationsprobleme können oft direkt aus der Ferne am PC behoben werden und für Geräte, die vor Ort repariert werden müssen, kann der Techniker gleich die passenden und oft sehr speziellen Ersatzteile in die Praxis mitnehmen.“ Um den digitalen Service effizient zu gestalten, schult Dürr Dental die Techniker am Firmenstandort.

Digitalisierung der Dental Depots

Die großen Dental-Depots, die in etwa 75 Prozent der Zahnarztpraxen Wartung und Reparatur der Dentalgeräte übernehmen, haben sich seit mehreren Jahren dem digitalen Zeitalter angepasst. „Wir haben uns auf den Wandel zur digitalen Praxis eingestellt“, sagt Henning Richter, Geschäftsführender Gesellschafter bei Gerl Dental. Insgesamt 1,5 bis zwei Millionen Euro hat das Depot in neue Hard- und Software investiert; ein Fünftel des Jahres befinden sich die Gerl Techniker auf Schulungen. „Man muss klar sagen: Seit die Digitalisierung in die Praxen Einzug gehalten hat, ist der Service für die hochtechnisierten Geräte schulungs- und durch die Software auch wartungsintensiver geworden.“ Die etwa 200 Gerl-Techniker können Geräte, die mit intelligenter Steuerungssoftware ausgestattet und mit dem Depot vernetzt sind – egal, ob Sauganlagen, Kompressoren, Behandlungseinheiten oder Sterilisatoren –, per Laptop überwachen und, falls erforderlich, per Fernzugriff reparieren.

„Der Vorteil: Dank des Monitorings sehen die Techniker früh, wann die nächste Wartung anfällt, und können einen Termin im Voraus vereinbaren und besser planen“, erklärt Richter. Die Hälfte der Gerl-Kunden, sagt er, nutze bereits jetzt ein Monitoring der Praxis-EDV durch den Dentalhändler. Da immer mehr Geräte in der Praxis für einen Fernzugriff ausgestattet werden, spielen Fehleranalyse und Vorbereitung der Reparatur am PC eine immer größere Rolle. „Für Behandlungseinheiten etwa gibt es immer mehr Ersatzteile. Wenn wir schon per Monitoring die Fehlerart erkennen und die entsprechenden Ersatzteile im Vorfeld eines Reparaturbesuchs beschaffen können, sparen wir eine Menge Zeit und Aufwand.“

Praxissoftware: SIRONA und KaVo tüfteln noch

Doch gerade die Hersteller von Behandlungseinheiten stehen bei der Weiterentwicklung ihrer Praxissoftware für eine Fernwartung noch in den Startlöchern. „Sirona hat frühzeitig erkannt, dass vernetzte Systeme und Produkte wesentliche Vorteile für Service und Wartung bieten“, sagt PR-Managerin Marion Weixlberger. „Geräte der neuen Generation sind daher mit Standardschnittstellen ausgestattet, über die eine Ferndiagnose möglich ist.“ Produkte wie die Behandlungseinheit Teneo oder das Röntgensystem Galileos, sagt sie, verfügen seit sieben beziehungsweise acht Jahren standardmäßig über diese Funktion. „Sirona investiert kontinuierlich in Forschung und Entwicklung, um bestehende Technologien im Sinne des Kunden und einer hohen Servicequalität weiterzuentwickeln“, sagt Weixlberger. Über die Weiterentwicklung der Möglichkeiten der Ferndiagnose möchte sich Sirona zu diesem Zeitpunkt noch nicht äußern.

Einen Schritt weiter ist KaVo. Deren 2012 gelaunchte zentrale Monitoring-Software AdViClinic nutzen bisher fünf universitäre Einrichtungen im Ausland – zwei in Skandinavien, zwei in Saudi-Arabien und die niederländische Universität Nijmegen –, erklärt Stefan Herrmann, Internationaler Produktmanager für Behandlungseinheiten bei KaVo. Die Software zeigt den Verschleiß und etwaige Fehler jeder Behandlungseinheit an, die an das System angeschlossen ist. „In Dammann verfügt die Universität über 242 Einheiten – für solch große Institutionen lohnt sich das vernetzte Monitoring absolut“, erklärt Herrmann. Allerdings: AdViClinic erlaubt keine Fernwartung, sondern sorgt lediglich für eine schnelle digitale Fehlermeldung an die Kliniktechniker. „Eine Reparatur aus der Ferne ist etwas, das Kunden immer wieder anfragen, was aber praktisch kaum umsetzbar ist“, sagt er. „Technische Defekte an einem Gerät lassen sich, wenn die entsprechenden Sensoren installiert sind, üblicherweise von Ferne detektieren, aber nicht reparieren.“

Digitale Vernetzung der Kliniksoftware

Die Kliniksoftware sei im Grunde bei allen neuen Behandlungseinheiten mit Ethernet-Schnittstelle zur digitalen Vernetzung integrierbar, also bei den neueren Modellen Estetica E70, E80 Vision sowie E50, und wurde auch bereits in Praxen in Deutschland getestet. „Für Einzel- oder Gemeinschaftspraxen mit nur drei bis fünf Behandlungseinheiten ist dieses Tool weniger interessant“, so kommentiert Herrmann das Feedback der Testpraxen. „Die Vorteile eines solchen Systems kommen nur ab einer gewissen Anzahl von Behandlungseinheiten zum Tragen.“

ktuell arbeitet der Dentalhersteller aus dem oberschwäbischen Biberach an der Riß an der Erweiterung der im Mai 2015 frisch gelaunchten Conexio Systemsoftware für die Praxis mit einzelnen Service-Derivaten aus AdViClinic, etwa der Steuerung und Dokumentation der Hygiene sowie zentraler Softwareupdates, die bisher einzeln per USB-Stick von einem externen Servicemitarbeiter durchgeführt werden. „Die Digitalisierung des Monitorings wird immer interessanter, je mehr Dokumentation der Gesetzgeber verlangt“, bemerkt Herrmann. Dennoch: „Geld wollen die Zahnärzte für einen solchen Service nicht ausgeben“, da ist sich der Experte sicher. Die zweite adaptierte Conexio-Version, schätzt er, könnte im September 2015 auf den Markt kommen.

Deutsche Dentalgerätehersteller: Fernzugriff noch Neuland

Bei den meisten Herstellern in Deutschland steckt der digitale Support noch in den Kinderschuhen – nicht so bei Planmeca. Der finnische Dentalgerätehersteller hat bereits vor sechs Jahren eine Klinikmanagement-Software entwickelt, die auch digitalen Service bietet, das heißt ferngesteuerte Überwachung der gesamten Klinik oder auch Praxis in Echtzeit, betont Dieter Hochmuth, Geschäftsführer der Planmeca Vertriebs GmbH. Auch Zahnärzte in Deutschland, sagt er, nutzen den digitalen Service für Behandlungseinheiten, Röntgengeräte und Fräseinheiten. „Wir sind der erste Anbieter einer solchen Klinikmanagement-Software.Schon früh haben wir erkannt, wie wichtig es ist, Zahnärzte und ihre Teams dabei zu unterstützen, technische Probleme direkt zu lösen. Denn so können die Unterbrechungen im Arbeitsablauf auf ein Minimum reduziert und Kosten gespart werden“, erklärt Hochmuth. Alle Benutzerinformationen der einzelnen Geräte werden in einer Datenbank aufgezeichnet, was bei der Lösung technischer Probleme hilft. Zum digitalen Support gehören auch ferngesteuert ausgeführte Softwareupdates für Behandlungseinheiten sowie Informationen etwa über den Nutzungsgrad.

Der kanadische Hygienespezialist SciCan hat bereits mehrere seiner Statim Kassettenautoklaven sowie Reinigungs- und Desinfektionsgeräte (RDGs) mit der so genannten G4-Technologie ausgestattet, die mit vorher im Gerät hinterlegten E-Mail-Adressen, etwa von Servicetechnikern, direkt kommunizieren kann. „Der Servicetechniker kann anhand der Informationen in der Mail bereits sehen, ob das Problem durch einen Mitarbeiter in der Zahnarztpraxis behoben kann oder ein Techniker in die Praxis fahren muss“, erklärt Stefan Conrad, Leiter der Geschäftseinheit Instrumentenaufbereitung bei SciCan.„Das kann die Ausfallzeit des Geräts drastisch reduzieren. Bei den Hydrim Thermodesinfektoren rutscht gelegentlich ein Instrument durch die Körbe und blockiert den unteren Wasserarm. Nach der automatisierten Fehlermeldung kann der Techniker einen solchen Fall mit dem Praxispersonal besprechen und ein Praxismitarbeiter kann den Fehler selbst beheben.

“Die Hälfte aller Fehler, schätzt Conrad, können so ohne Technikerbesuch behoben werden. Über das Online-Portal der G4-Software können Techniker eine Servicehistorie anlegen, Software‧updates durchführen und per Fernzugriff maximal zwei Stunden lang auf die Geräte zugreifen, mit einem Passwort, das ein Praxismitarbeiter an den Techniker weitergibt. Einige Praxen in Deutschland, sagt Conrad, nutzen den digitalen Service bereits, den SciCan seinen Kunden selbst anbietet. „Wir würden auch in Deutschland unsere Händler gerne dazu bringen, den Fernzugriff auf unsere Geräte zu nutzen. Leider ist das noch Neuland für viele und einige Händler zögern noch etwas“, bedauert Conrad.

Der Mensch im Mittelpunkt

Trotz aller Digitalisierung und Automatisierung bestimmt der Zahnarzt, beziehungsweise seine Mitarbeiter, weiterhin, inwieweit die mit intelligenter Software ausgestattete Technik von fern gesteuert wird. E-Mail-Adressen, an die eine Fehlermeldung gesendet wird, muss er selbst hinterlegen, den Fernzugriff eines Technikers autorisieren und einer Reparatur am PC, die am anderen Ende der Welt durchgeführt werden könnte, muss er zumindest per Mausklick zustimmen. Ob der Mensch, der den letzten Handgriff tut, in ferner Zukunft gar nicht mehr notwendig sein muss und Maschinen sich selbst überwachen und ohne menschliche Hilfe kommunizieren, ist noch nicht abzusehen. Heute ist diese Machine-to-Machine Communication in deutschen Praxen jedenfalls noch Science-Fiction.