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Zähne Pflegebedürftiger schlechter versorgt

Pflegebedürftige werden zahnmedizinisch schlechter versorgt als Nicht-Pflegebedürftige. Das ist eine zentrale Aussage des "Pflegereports 2014", einer jährlichen Studie der Barmer GEK.


Foto: angieconscious / pixelio.de


„Aus dem Befund, dass mit höherem Alter die durchschnittliche Zahl der verbliebenen Zähne sinkt und entsprechend der Anteil der zahnlosen Personen steigt, darf nicht geschlossen werden, dass ältere Menschen keinen Zahnarzt mehr benötigen“, heißt es im Pflegereport 2014. Eine Unterversorgung ist demnach insbesondere bei Pflegebedürftigen in Pflegeheimen zu beobachten, aber auch bei ambulanter Pflege. 

Im Jahr 2012 lag im Quartal die Behandlungsquote von Nicht-Pflegebedürftigen Versicherten der Barmer GEK bei durchschnittlich 30,4 Prozent. Für die Pflegebedürftigen ergab sich nur eine Behandlungsquote von 20,6 Prozent.

Je höher die Pflegestufe der Pflegebedürftigen ist, desto weniger zahnärztliche Behandlungen werden in Anspruch genommen. Dies zeigt sich bei Zahnersatz und Zahnkronen noch mehr als bei konservierenden und chirurgischen Leistungen sowie Röntgenleistungen oder bei der Behandlung von Parodontopathien, also Erkrankungen des parodontalen Zahnhalteapparates. Bei der Versorgung mit Zahnersatz und Zahnkronen schnitten vor allem die Pflegebedürftigen der Pflegestufe III schlecht ab.

Finanzielle Anreize für Zahnärzte implementiert

Um die zahnmedizinische Versorgung in  Pflegeeinrichtungen zu verbessern, haben im Frühjahr die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung (KZBV) und der GKV-Spitzenverband eine neue Rahmenvereinbarung getroffen. Diese gibt Vertragszahnärzten die Möglichkeit, einzeln oder gemeinsam Kooperationsverträge mit stationären Pflegeeinrichtungen abzuschließen.

Zahnärzte mit einem solchen Kooperationsvertrag können bestimmte Leistungen abrechnen, wie das Aufsuchen eines pflegebedürftigen Versicherten in einer stationären Pflegeeinrichtung oder die praktische Anleitung des Pflegepersonals zur Durchführung der Zahnpflegemaßnahmen. „Insgesamt ist somit in vielen Bereichen ein finanzieller Anreiz für Zahnärzte implementiert worden, die Pflegebedürftigen aufzusuchen, zu untersuchen und zu behandeln“, heißt es in dem Report.

Fehlende zahnärztliche Leitlinien für Pflegebedürftige

Dass zahnärztliche Leistungen von Pflegebedürftigen seltener in Anspruch genommen werden, wird im Pflegereport auf verschiedene Ursachen zurückgeführt: Häufig auftretende mangelnde Behandlungskooperativität, eine erschwerte Mobilität, der Kontaktverlust zum bisherigen Zahnarzt und ein allgemein schlechter Gesundheitszustand sind mögliche Gründe. Aber auch Angst vor der Behandlung und fehlende Akzeptanz für Zahnersatz könnten dazu beitragen.

Hinzu kommen erschwerte oder eingeschränkte Therapiebedingungen, subjektive Kosten-Nutzenabwägungen auch bei Angehörigen, wenn es um Eigenfinanzierungsanteile geht sowie eine unzureichende Aufklärung des Pflegepersonals.

Ein möglicher Grund für die schlechte zahnmedizinische Versorgung der pflegebedürftigen Patienten könnten aber auch die zahnärztlichen Leitlinien sein, die ältere, pflegebedürftige Menschen nicht gesondert berücksichtigen. Auch häufige psychische Störungen – insbesondere Demenz– werden darin nicht erwähnt.