Smart Dentistry

World Dental Forum 2019 in Shenzhen

Chinesische Tradition trifft auf Zahnmedizin der Zukunft: Vom 13. bis 14. Oktober 2019 drehte sich in Shenzhen beim 5. World Dental Forum der Modern Dental Group erneut alles um digitale und ästhetische Zahnmedizin. Spannende Themen rund um Implantologie, Prothetik und KFO begeisterten über 700 Teilnehmer aus aller Welt


World Dental Forum 2019

Das World Dental Forum 2019 hatte spannende Vorträge rund um das Thema „Smart Dentistry“ zu bieten. © Hoffmann


Biomimetik dank Digitalisierung

Das Vortragsprogramm des World Dental Forum 2019 (WDF) startete mit dem deutschen Referenten Prof. Dr. Jan-Frederik Güth (LMU München). Er erklärte, wie sich biomimetische Konzepte mithilfe digitaler Technologien realisieren lassen. Aktuell sieht er zwei große Trends: einerseits die Bestrebung zu einer minimal-invasiven „close-to-nature“-Zahnmedizin und andererseits die „digitale Revolution“. Für Güth sind die Präzision und Reproduzierbarkeit digitaler Hilfsmittel notwendig, um überhaupt erst biomimetisch arbeiten zu können. Seine Empfehlung: „Je komplexer ein Fall ist, desto eher digital arbeiten!“ Zahnärzten, die Intraoralscanner in der Praxis implementieren wollen, rät er außerdem, langsam zu starten. Beginnend mit Einzelzahnrestaurationen könne man sich dann in der Komplexität immer weiter steigern.

Güth stellte darüber hinaus auch das sogenannte Münchner Implantat-Konzept vor. Während der Operation bei noch geöffneter Wunde platziert sein Team einen Scan-Body, um dann mittels Intraoralscanner die Implantatpositionen zu erfassen. So können erste Daten direkt ans Labor übertragen werden. Das Implantat heilt anschließend geschlossen ein. Bei der Wiedereröffnung wird die Restauration direkt eingesetzt und die Gingiva entsprechend adaptiert. Die Versorgung mit einem implantatgetragenen Einzelzahnersatz im Seitenzahnbereich ist mit diesem Konzept in nur zwei bis drei Behandlungssitzungen möglich.  Dank 3D-Planung und digital unterstützter Eingriffe können die Heilungsphasen reduziert und Verlust von Hart- und Weichgewebe verringert werden.


Ästhetische Anforderungen

Dr. Yvonne King (Australien) fokussierte sich auf das Thema Ästhetik. Sie veranschaulichte anhand beeindruckender Vorher-Nachher-Bilder, wie sie mithilfe minial-invasiver Aligner-Therapie ihren Patienten zu einem „schönen Lächeln“ verhilft.

Dr. Hsuan Chen (Kanada) befasste sich auf spannende Art und Weise mit den Unterschieden gängiger CAD/CAM-Materialien in Farbe und Transluzenz. Er stellte eine Möglichkeit der Kategorisierung vor, die dem Behandler bei der Auswahl des richtigen Materials nach ästhetischen Gesichtspunkten helfen kann.

Funktionsdiagnostik und Kieferorthopädie

Dr. Baldwin W. Marchack (USA) näherte sich dem Thema Okklusion in der Implantologie. Er erläuterte, wann es zu einer Überlastung des Kieferknochens aufgrund von Implantaten kommt, wie das ideale Okklusionsschema für Implantate aussieht und wie sich herausnehmbarer und festsitzender Zahnersatz in puncto Okklusion unterscheiden.

Dr. Alex Fibishenko (Australien) stellte seinen Ansatz der All-on-4-Versorgung vor, die dem Patienten eine sofortige Rehabilitation mit geringem postoperativen Trauma ermöglicht. Zwar sei All-on-4 nicht für jeden Patienten geeignet, so Fibishenko, aber bei passender Indikation sehr erfolgsversprechend in Sachen Ästhetik, Biostabilität und Hygiene. Ausschlaggebend für ein optimales funktionales und ästhetisches Ergebnis seien dabei die richtigen Winkel und Positionen der Implantate, ausreichend Knochenangebot und ein gutes Weichgewebsmanagement.

Kieferorthopäde Dr. Tian-Min Xu (China) referierte zum Thema engstehende Zähne. Er erläurte, wie er mithilfe des „XBT buccal tube“ – einem klebbaren Bukkalröhrchen – Eckzähne unter Beachtung der mechanischen und physiologischen Kräfte an die richtige Position bewegt, ohne ungewollte Bewegungen der Nachbarzähne auszulösen.

Digitale Implantologie und Prothetik

Dr. Nadim Z. Baba (USA) sprach über die Vorteile digital gefertigter Totalprothesen. Er zeigte einerseits die aktuellen Probleme im Bereich der konventionellen Herstellung und andererseits die Chancen des digitalen Workflows für Zahnarzt und Zahntechniker auf.

Dass beide Parteien – Praxis und Dentallabor – von der Digitalisierung profitieren, untermauerten auch Dr. Sonia S. Leziy und Dr. Brahm A. Miller (beide Kanada). Sie sprachen über ihre Erfahrungen mit der Einführung digitaler Prozesse in Diagnostik, implantologischer Planung und Behandlung.

Auch der junge Implantologe Dr. Gary Finelle (Frankreich) ist sich sicher, dass die Digitalisierung mehr Vereinfachung bringt und das Behandlungserlebnis für die Patienten verbessert. Er stellte mehrere digitale Workflows zu verschiedenen Indikationen vor und erklärte, wie sein Team mithilfe der SMART Guide-Technologie Implantatversorgungen plant und umsetzt.

In verschiedenen Podiumsdiskussionen gaben die Referenten ihre Einschätzung zu Fragen aus dem Publikum ab. Unter anderem war man sich einig darüber, dass es wichtig ist, als Zahnarzt den Patienten mit dem eigenen Wissen zu leiten und bei komplexen Behandlungsplänen umfangreich zu beraten und auch Prioritäten zu vermitteln: Was ist medizinisch unbedingt notwendig? Was sollte irgendwann einmal behandelt werden und was ist aus rein ästhetischen Gründen sinnvoll?


Fortbildungsreise zum World Dental Forum

Das World Dental Forum erfreut sich regelmäßig auch deutscher Beteiligung: Rund um das Event organisiert das deutsche Modern Dental Group-Tochterunternehmen Permadental für Zahnärzte eine attraktive Fortbildungsreise zum Kongress, inklusive Labor-Besuch in Shenzhen und Aufenthalt in Hongkong.