Veröffentlichung verzögert

Warum noch immer eine S3-Leitlinie fehlt

Im vergangenen Jahr hat die Deutsche Gesellschaft für Parodontologie (DG PARO) drei neue S3-Leitlinien veröffentlicht. Nur drei? Waren nicht eigentlich vier angekündigt? Wir haben uns auf die Suche nach der „verschwundenen“ Leitlinie gemacht.


Leitlinien sollen die Wahl der Therapieentscheidung – auch in der Parodontologie – unterstützen. Eine der 2017 von der DG PARO angekündigten S3-Leitlinien wurde allerdings bisher nicht veröffentlicht. Wir haben uns auf Spurensuche begeben. © Deschner


Im Oktober 2017 wurden die vier S3-Leitlinien von der federführenden DG PARO kurz nach der Leitlinienkonferenz im Kloster Seon angekündigt.

Vier S3-Leitlinien wurden erstellt:

  • Leitlinie 1: Häusliches mechanisches Biofilmmanagement in der Prävention parodontaler Erkrankungen
  • Leitlinie 2: Häusliches chemisches Biofilmmanagement in der Prävention und Therapie der Gingivitis
  • Leitlinie 3: Subgingivale Instrumentierung
  • Leitlinie 4: Adjuvante systemische Antibiotikagabe bei subgingivaler Instrumentierung im Rahmen der systematischer Parodontitistherapie

Auf dem Deutschen Zahnärztetag im vergangenen Jahr in Frankfurt am Main wurden drei der vier Leitlinien dann auch präsentiert. Nur die Leitlinie 3 „Subgingivale Instrumentierung“ fehlte.

Veröffentlichung verschoben

Prof. Dr. Moritz Kebschull ist Leitlinienbeauftragter der DG PARO © Görtz/DÄV

Die gute Nachricht: Die Veröffentlichung der fehlenden Leitlinie ist nur verschoben. Wir sprachen mit Prof. Dr. Moritz Kebschull, dem Leitlinienbeauftragten der DG PARO, über dieses Thema. Kebschull erklärte, dass die Veröffentlichung aufgehalten wurde, da es Einspruch von Seiten der Vorstände einiger an der Leitlinie beteiligten Fachgesellschaften gegeben hatte.

Stein des Anstoßes waren offenbar die Empfehlungen der Leitlinie zur Laseranwendung und Laserverfahren wie der Photodynamischen Therapie. Aus Expertenkreisen heißt es, dass mit dem Einspruch eine Überarbeitung dieser Punkte der Leitlinie ermöglicht werden sollte.

Verzögerungen bei S3-Leitlinien nicht ungewöhnlich

Für Kebschull ist das nicht ungewöhnlich. „Bei S3-Leitlinien ist grundsätzlich ein sehr breites Panel an möglichen Adressaten der Leitlinie beteiligt. Bei so vielen Fachgesellschaften mit unterschiedlichen Interpretationsansätzen kommt es oft zu Verzögerungen im Prozess. Die vielen Runden, die eine Leitlinie bis zur Veröffentlichung dreht, dienen tatsächlich einem breiten Konsens – denn das Ziel ist eine Verbesserung der Therapie.“

Mittlerweile habe es eine weitere Runde zur noch nicht veröffentlichten Leitlinie „Subgingivale Instrumentierung“ gegeben. Hier seien Formulierungen präzisiert worden, um Missverständnisse zu vermeiden. Der Leitlinienbeauftragte rechnet dementsprechend mit einer baldigen Veröffentlichung.

Kebschull betonte nochmals, dass Leitlinien trotz aller Mühe, die in sie gesteckt werde, keineswegs den Charakter einer Behandlungsvorschrift hätten. Sie sollten vielmehr eine systematische und strengen Regeln folgende Information über den aktuellen Stand der Wissenschaft darstellen, von der natürlich abgewichen werden könne.

Europäische Paro-Leitlinien angekündigt

Kebschull hat aber noch eine weitere spannende Neuigkeit: Auf europäischer Ebene wird bereits an einer neuen S3-Leitlinie in der Parodontologie gearbeitet. Er selbst ist mit der European Federation of  Periodontology (EFP) an der Leitlinienerstellung nach deutschem Vorbild beteiligt. Das Thema ist die Behandlung der Parodontitis, und die internationale Leitlinie soll vor allem die neuen Paro-Klassifikationen berücksichtigen. „Bereits Ende November treffen wir uns zur Leitlinienkonferenz in Spanien“, erklärt Kebschull. Beteiligt sei – wie bei Leitlinien auf S3-Niveau vorgeschrieben – ein breites Panel an möglichen Adressaten der Leitlinie. So seien hier die großen supranationalen/europäischen Fachgesellschaften involviert – von der European Society of Endodontology bis hin zur European Association for Osseointegration und der European Dental Students Association. Die Ergebnisse könnten bereits im kommenden Jahr publiziert werden.