Unbekannte Speicheldrüsen

Tubariusdrüse: Neues Organ im Nasenrachen entdeckt

Der menschliche Körper scheint noch nicht gänzlich erforscht zu sein. Denn bei PET/CT-Untersuchungen von Prostatakrebspatienten entdeckten niederländische Forscher ein völlig neues Organ im Nasenrachenraum.


Tubariusdrüse

Die Tubariusdrüse im Nasenrachenraum war ein reiner Zufallsfund der Forscher. © Elroi – stock.adobe.com


Für die Speichelproduktion sind bislang drei Hauptdrüsenpaare bekannt: die Parotis-, Submandibularis- und Sublingualis-Drüsen. Darüber hinaus gibt es etwa 1.000 weitere kleine Drüsen in der Mundschleimhaut. Insgesamt produzieren diese Drüsen zusammen täglich mehr als einen Liter Speichel. Doch kürzlich fanden niederländische Forscher mit der sogenannten „Tubariusdrüse“ eine zusätzliche Drüse.

Tubariusdrüse als zufällige Entdeckung

Diese ist knapp vier Zentimeter lang und befindet sich über dem Torus tubarius, der Verbindung zwischen Mittelohr und Rachen. Die Forscher am UMC Utrecht entdeckten sie bei Scans von allen 100 Personen zwischen 53 und 84 Jahren, die sie wegen Harnröhren- und Prostatakrebs untersuchten.

Aufgrund ihrer Lage entlang der posterolateralen Rachenwand auf der Seite des Musculus constrictor pharyngis superior entschieden sich die Forscher für den Namen „Tubariusdrüse“. Sie zeigte sich im PSMA-positiven Bereich und konnte auch an zwei Humanpräparaten nachgewiesen werden. Die Entdeckung geschah zufällig, weil PET/CT-Untersuchungen mit radioaktivem F18-PSMA eigentlich nur zur Detektion von Tumoren Anwendung finden.

Risiko bei Strahlentherapie

Darüber hinaus machten die Forscher in einer Kohortenstudie eine weitere Entdeckung in Bezug auf die Tubariusdrüse. Bei der Radiotherapie (RT) könnten bei der neuen, klinisch relevanten Speicheldrüse Komplikationen auftreten. Dafür werteten sie 723 Patientendaten zu Kopf- und Halskrebs oder Tumoren im Rachenraum und Zungenbereich aus. Durch eine Bestrahlung des Bereichs mit durchschnittlicher RT-Dosis über ein Jahr entwickelten die meisten Patienten Mundtrockenheit und Schluckstörungen. Das wurde ebenfalls durch Kontrolluntersuchungen nach zwei Jahren bestätigt.

Aus diesem Grund empfehlen die Forscher, bei Bestrahlungen den Bereich der neu entdeckten Tubariusdrüse auszusparen, um die Lebensqualität der Patienten bei einer Strahlentherapie zu verbessern.


Quelle: Matthijs H. Valstar et al. „The tubarial salivary glands: A potential new organ at risk for radiotherapy“, Radiotherapy and Oncology, online 23 September 2020, doi.org/10.1016/j.radonc.2020.09.034