Starker Franken / CEO verdient 35 Prozent weniger

Straumann kündigt Sparmaßnahmen an

Der Schweizer Zahnimplantathersteller Straumann kämpft mit den jüngsten Wechselkurseffekten. Lohnsenkungen und weitere Einsparungen sollen verhindern, dass es zu Stellenstreichungen kommt. Der Gesamtjahresumsatz könnte sich dennoch um bis zu 75 Millionen Schweizer Franken verringern, befürchtet das Unternehmen.


CEO Marco Gardola: "Bei Umsatz und Gewinn auf das Niveau von 2012 zurückgeworfen" Fotos: Straumann


Der starke Franken zwingt den Zahnimplantathersteller Straumann zu Sparmaßnahmen. Das Unternehmen bittet alle Mitarbeiter, die in die Schweiz pendeln („Grenzgänger“), sich ihr Gehalt künftig in Euro statt wie bisher in Franken auszahlen zu lassen. Ein fester Wechselkurs soll dabei für einen Interessensausgleich zwischen den Arbeitnehmern und ihrem Unternehmen sorgen.

Mitarbeitende in der Schweiz (Grenzgänger ausgenommen) werden gebeten, in diesem Jahr auf einen Teil ihrer Bonuszahlungen zu verzichten. Dies kommt einer Kürzung der Gesamtvergütung um 5 Prozent gleich. Das obere Management nimmt höhere Einbußen hin: CEO Marco Gadola verzichtet auf 35 Prozent seines Gehalts, die Verwaltungsräte auf 28 Prozent. Vor zwei Wochen hat Straumann bereits einen globalen Einstellungsstopp verhängt.

Straumann will Stellenstreichungen vermeiden

Ziel der Maßnahmen ist es, Arbeitsplatzverluste in der Schweiz zu vermeiden und die Rentabilität auf einem „akzeptablen Niveau“ zu halten, teilte das Unternehmen mit. Insgesamt beschäftigt die Straumann-Gruppe rund 2.300 Mitarbeitende weltweit.

Grund für die deutlichen Sparmaßnahmen ist der starke Franken. Seit die Schweizer Notenbank Mitte Januar den Euro-Mindestkurs für den Franken aufgehoben hat, kämpft vor allem die Schweizer Exportwirtschaft mit den Auswirkungen.

Gesamtumsatz könnte um bis zu CHF 75 Mio. sinken

Die Gruppe tätigt 95 Prozent ihrer Geschäfte außerhalb der Schweiz und erwirtschaftet rund 40 Prozent ihres Umsatzes in Euro. Da aber 45 Prozent der Kosten, vor allem Produktion und Betrieb, in der Schweiz anfallen, gehört Straumann nach eigenen Angaben zu den am stärksten betroffenen Unternehmen. Der Aktienkurs ist innerhalb von zwei Wochen um 28 Prozent gefallen.

„Bei Umsatz und Gewinn wurden wir praktisch über Nacht auf das Niveau von 2012 zurückgeworfen. Wären die strategischen Initiativen, die Restrukturierungs- und Kostensenkungsmaßnahmen der letzten 18 Monate nicht so effektiv gewesen, würde die neue Situation nun ernste Stellenverluste nach sich ziehen“, sagte CEO Gadola.

Abhängigkeit vom Euro reduziert

In den vergangenen fünf Jahren hat das Unternehmen seine Abhängigkeit vom Euro zwar reduziert, das Geschäft in Nord- und Lateinamerika sowie in Asien wurde ausgebaut, dennoch rechnet Straumann damit, dass sich der Gesamtjahresumsatz  um bis zu CHF 75 Mio. und das EBIT um CHF 40 Mio. verringern könnte.

Falls sich die Währungssituation „substanziell“ verbessert, werden die vorsorglich getroffenen Maßnahmen neu geprüft. Straumann geht allerdings nicht davon aus, dass sich die Kurssituation in absehbarer Zeit wesentlich erholen wird.