Aktuelle Metaanalyse mit 50.000 Patienten

Parodontitis kann auch erblich sein

Unsere Gene bestimmen nicht nur über die Augen- und Haarfarbe: Auch das Parodontits-Risiko ist zumindest teilweise erblich. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Metaanalyse, in die insgesamt 23 Studien mit mehr als 50.000 Probanden einbezogen wurden.


Ob ein Patient an Parodontitis erkrankt oder nicht, hat zumindest teilweise etwas mit den Genen zu tun. (© aerial2010 – Fotolia)


In die Metastudie, die vor kurzem im Journal of Dental Research erschienen ist, wurden 13 Zwillingsstudien, sechs Familienstudien und vier genomweite Assoziationsstudien mit einbezogen. Die Studien waren zwischen 1969 und 2018 erstellt worden.

Das Ergebnis: Der Faktor Vererbung spielt bei bis zu einem Drittel der Parodontitis-Fälle eine Rolle. So betrug die Erblichkeit von Gingivitis bei den befragungsbasierten Studien 0.29. Bei den Studien, in denen die Gingivitis von den Untersuchern klinisch ermittelt worden war, konnte keine klinische Signifikanz mehr beobachtet werden. Betrachtet man die Zwillingsstudien, bei denen die Daten sowohl durch Befragungen als auch klinisch erhoben wurden, konnte eine Erblichkeit von 0.38 mit geringer Heterogenität festgestellt werden. Auch hier wurden die befragungsbasierten Studien herausgerechnet: Danach lag das Ergebnis bei 0.34. Bei den Ergebnissen, die auf Familien-Studien basieren, lag die Erblichkeit bei 0.15, bei einer Kombination aus Familien- und Zwillingsstudien lag sie bei 0.29.

Bei Rauchern spielt Vererbung eine größere Rolle

Interessant: Bei den Zwillingen konnte eine höhere Erblichkeit nachgewiesen werden, wenn beide Probanden Raucher waren. Das könne sowohl als Umwelteinfluss als auch als Erblichkeit verstanden werden, erklären die Autoren. So könne auch gleichzeitig eine genetische Neigung zu Suchtverhalten (Rauchen) vorliegen.

Genomweite Assoziationsstudien ergaben abhängig von der Schwere der Parodontitis Werte von 0 (bei moderater Parodontitis) bis 0.24 (bei schwerer Parodontitis). Die Metaanalyse lag insgesamt bei 0.07. Um erbliche Faktoren und Umweltfaktoren voneinander zu trennen, wurden in zwei Zwillingsstudien eineiige Zwillingspaare untersucht, die voneinander getrennt aufgewachsen waren. Dabei wurde der genetische Einfluss deutlich belegt (0.38 für CAL, 0.55 für Knochenabbau, 0.82 für Gingiva Index). Bei Zwillingen, die in der gleichen Familie aufwachsen, könne die Umwelt die Ähnlichkeit der Ergebnisse dagegen verstärken, mutmaßten die Forscher.

Für Gingivitis konnten die Forscher allerdings keinen Zusammenhang in der Vererbung feststellen. Es könne viele verschiedene Ursachen für Zahnfleischbluten geben, heißt es in der Studie. Befragungsbasierte Ergebnisse dazu seien daher nicht belastbar. Rechne man diese Faktoren heraus, seien die Ergebnisse in Bezug auf eine mögliche Erblichkeit von Gingivitis nicht mehr signifikant.

Frühe und schwere Parodontitis-Formen offenbar stärker erblich

Insgesamt schlussfolgerten die Autoren aus den Ergebnissen: Etwa ein Drittel der Parodontitis-Varianz ist erblich bedingt. Insgesamt sei die Erblichkeit bei frühen und schweren Parodontitis-Formen höher. Als Begründung für die große Heterogenität der Ergebnisse und die geringe Nachweisbarkeit der Erblichkeit von moderater Parodontitis nannten die Forscher die uneinheitlichen Definitionen der Erkrankung.