Neue israelische Studie vergleicht Konzepte

Kinder beim Zahnarzt: So gelingt die Behandlung

Wenn sich Kinder in der Praxis ankündigen, stehen Zahnärzte vor einer Entscheidung. Gelingt die Behandlung der kleinen Patienten zügiger, wenn ein Fernseher vom Geschehen auf dem Behandlungsstuhl ablenkt? Oder ist das traditionelle Konzept des „Tell-Show-Do“ bei der Kinderbehandlung erfolgversprechender? Eine israelische Studie ging dieser Frage jetzt nach.


Kinder Zahnarzt Behandlung

Von wegen „Mach‘ mal ahhh“: Viele Kinder sind während der Behandlung beim Zahnarzt ängstlich und unkooperativ. Mit welcher Methode Zahnmediziner am besten ans Ziel kommen, untersuchten unlängst israelische Wissenschaftler der Universität Tel Aviv. © Robert Kneschke – stock.adobe.com


Der Puls rast, die kleinen Augen sind weit aufgerissen, der Mund – bleibt zu. Für viele Kinder ist der Gang zum Zahnarzt noch immer mit Angst und Stress besetzt. Auf geduldiges Stillhalten und Kooperation während der Behandlung dürfen Zahnmediziner nur in seltenen Fällen hoffen. Seit der Einführung der zahnärztlichen Früherkennungsuntersuchung für Kinder ab dem sechsten Lebensmonat werden die kleinen Patienten zudem immer jünger. Wie also vorgehen?

Kinder beim Zahnarzt: Erklären oder ablenken?

Traditionell wird in der Behandlung von Kindern die Methode des „Tell-Show-Do“ angewandt. Wie bereits im Namen anklingt, bezieht dieses Konzept die kleinen Patienten in die einzelnen Behandlungsschritte ein und basiert auf dem Erklären und Veranschaulichen der Vorgänge. Der Ansatz ist pädagogisch sinnvoll und kindgerecht, kostet jedoch Zeit. Und ob er gegenüber einem Fernsehprogramm für Kinder zur Ablenkung vom Behandlungsvorgang tatsächlich Vorteile bieten kann, ist fraglich.

Aktuelle Studie vergleicht Methoden

Eine Gruppe israelischer Forscher um Johnny Kharouba vom Department of Pediatric Dentistry der Universität Tel Aviv hat die Effizienz der beiden Konzepte nun miteinander verglichen. Dazu teilten sie insgesamt 69 Kinder im Durchschnittsalter von 6,8 Jahren in zwei Gruppen auf: Eine Gruppe behandelten die Wissenschaftler für eine restaurative Versorgung nach der Tell-Show-Do-Methode. Die kleinen Probanden der anderen Gruppe durften während ihrer Behandlung fernsehen.

Fernsehen erhöht die Kooperation und lindert Ängste

Das Ergebnis: Die Kinder, die zur Ablenkung von der Behandlung fernsehen durften, waren signifikant weniger ängstlich und zeigten sich kooperativer. Auch ihre Pulsfrequenz sank im Laufe der Behandlung. Selbst bei der Applikation einer Spritze im Rahmen der Anästhesie waren die kleinen Probanden der TV-Gruppe weniger ängstlich und arbeiteten bereitwilliger mit dem Behandler zusammen. Lediglich die Sauerstoffsättigung ließ sich durch den Fernsehkonsum nicht beeinflussen. Die Ablenkung mittels Fernsehen könne daher als effektive Methode betrachtet werden, um Kindern während einer Zahnarztbehandlung die Angst zu nehmen und sie kooperativer zu stimmen, schlussfolgerte das Team um Kharouba.


Quelle: Johnny Kharouba, Benjamin Peretz, Sigalit Blumer: The effect of television distraction versus Tell-Show-Do as behavioral management techniques in children undergoing dental treatments. Quintessence Int. 2020; 51(6): 486-494. doi: 10.3290/j.qi.a44366.