Wrigley Prophylaxe Preis zum 22. Mal verliehen

Förderung der Wissenschaft und des sozialen Engagements

Spinat hemmt Gingivitis, Spülung dämmt Wurzelkaries, Zahnputz-App hilft Kindern: Zu diesen und vielen weiteren Erkenntnissen kamen die Gewinner bei der diesjährigen Preisverleihung des Wrigley Prophlaxe Preises auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Zahnerhaltung (DGZ) in Leipzig.



Der mit 3000 Euro prämierte erste Platz im Bereich Wissenschaft ging an das Würzburger/Hohenheimer Autorenteam um Dr. Yvonne Jockel-Schneider für eine klinische Studie, die den hemmenden Einfluss von Nahrungsnitrat auf Gingivitis belegt. Für die Studie nahmen Probanden zwei Wochen 200 mg Nitrat pro Tag oder Placebo mit einem Salatsaftgetränk auf. Anschließend zeigte sich in der Testgruppe gegenüber der Placebogruppe eine signifikante Reduktion der erfassten Gingival Index (GI)-Werte um durchschnittlich 52.7 Prozent.

Mit Spinat gegen Gingivitis

Die Ergebnisse legen nahe, dass Gingivitis-Patienten mehr nitratreiche Gemüsesorten wie Kopfsalat, Rucola, Spinat oder Rote Bete essen sollten: „Damit eröffnet sich eine verblüffend einfache, effektive und kostengünstige Möglichkeit, etablierte Therapien zur Kontrolle gingivaler Entzündungen zu unterstützen,“ begründet Prof. Dr. Thomas Attin, Universität Zürich, die Entscheidung der Jury.“

Den zweiten Platz im Bereich Wissenschaft teilen sich zwei Studien. Zum einen überzeugte die Arbeitsgruppe um Dr. Margarita Höfer und Dr. med. dent. Anja Treuner, Universität Greifswald, mit einer Interventionsstudie, die den Effekt einer Zahnputz-Lern-App auf dem Smartphone untersuchte. Vorschulkinder erhielten eine spezielle Handzahnbürste mit einem digitalen Bewegungssensor, der Zahnputzbewegungen in Echtzeit auf ein Smartphone übertrug. Eine App verglich das reale mit dem Soll-Zahnputzmuster. Korrigierten die Kinder daraufhin ihre Putzbewegungen, erhielten sie Bonuspunkte.

Nach sechs und zwölf Wochen hatten alle 49 Kinder weniger Plaque und bessere Gingivitiswerte, auch in der Kontrollgruppe. Die Testgruppe lag allerdings deutlich vorn: Mit der Zahnputz-Lern-App per Smartphone reinigten die Kinder ihre Zähne hochsignifikant besser als ohne.

Strategien zur Vorbeugung einer Wurzelkaries

Zum anderen vergab die Jury den weiteren zweiten Platz an die Arbeitsgruppe um Dr. med. dent Gerd Göstemeyer, Centrum für Zahn- Mund- und Kieferheilkunde der Charité Berlin. Die Wissenschaftler verglichen verschiedene Strategien zur Vorbeugung einer Wurzelkaries. Die In-vitro-Studie prüfte in einem kariogenen Biofilmmodell die Wirkung von drei kariesprophylaktischen Substanzen jeweils als Lack oder Spülung.

Am besten beugten remineralisierende Spülungen mit Natriumfluorid der Entstehung von Wurzelkaries vor. Silberdiaminfluorid, Natriumfluoridlack und Placebolack wirkten weniger gut, aber besser als antibakterielle Chlorhexidinlacke und -spülungen.

Mundgesundheitsprogramm für Menschen mit Behinderung

Den ersten Platz im Bereich Öffentliches Gesundheitswesen erhielt Ines Olmos, Mitarbeiterin von Special Olympics Deutschland, Berlin, für die Auswertung eines Mundgesundheitsprogramms in Berliner Wohneinrichtungen für Erwachsene mit Behinderungen, die im Rahmen ihrer Public Health Masterarbeit erfolgte. Ziel ist, die Mundgesundheit der Bewohner zu verbessern. Die Teams führen Zahnputzübungen durch, geben Instruktionen zur Mundhygiene und Prothesenpflege und beraten in Ernährungsfragen. Die erste Evaluation des Programms fand 2008 statt und wurde ebenfalls mit einem Wrigley Prophylaxe Preis ausgezeichnet; 2014 folgte ein Follow-up mit 89 Bewohnern aus 20 Wohngruppen.

Das Ergebnis: Die Bewohner verbrachten mehr Zeit mit ihrer täglichen Zahnpflege und wandten häufiger Fluoride an. Und: Nachhaltige Verhaltensänderungen für eine bessere Mundgesundheit der Bewohner konnten erreicht werden. Der Preis ist mit 3000 Euro dotiert.

Sonderpreis: Lernkonzept für Flüchtlingskinder

Zum dritten Mal in Folge vergab die Jury einen Sonderpreis für ein engagiertes gesellschaftliches Projekt. Dieses Jahr ging er an ein Prophylaxe-Programm für Flüchtlingskinder in Kiel, das die Kieler Zahnmedizinstudentin Vivian Serke ins Leben rief. Unterstützt von zwei Kinderzahnärztinnen des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein besucht sie seit 2015 zusammen mit Kommilitonen eine Kieler Notunterkunft und führt die Kinder spielerisch an das Thema Mundhygiene heran.

Eine Besonderheit hieran: Muttersprachliche Studenten dolmetschen bei den Schulungen. „So vermeiden wir Sprachbarrieren und können direkt mit den Kindern sprechen, auf ihre Fragen eingehen und unsere Schulungen flexibel anpassen“, berichtet Serke. „In Syrien ist das Bewusstsein für Mundhygiene stark von der regionalen Herkunft abhängig“, schildert Gabi Massoud, syrischer Zahnmedizinstudent und wichtiges Mitglied der Arbeitsgruppe die Situation.

„Viele Flüchtlingskinder hatten noch nie Kontakt zu einem Zahnarzt“

„Viele Flüchtlingskinder hatten noch nie Kontakt zu einem Zahnarzt, weder in Deutschland noch in ihrer Heimat. Wir wollen ihnen die Angst vor späteren Zahnarztbesuchen nehmen“, erklärt Serke. „Die Kinder sind mit Feuereifer dabei. Ihre Augen leuchten, wenn sie uns nach dem Putzen ihre sauberen Zähne zeigen.“ Es ist geplant, das praxisnahe Lernkonzept in das Curriculum der Kinderzahnheilkunde der Universität einzubinden. Zudem hofft die Initiatorin, dass das Projekt Schule macht und sich in weiteren Notunterkünften etabliert, um die Mundgesundheit möglichst vieler Kinder zu fördern.

Die diesjährige Jury

Die Mitglieder der diesjährigen Jury waren Prof. Dr. Thomas Attin, Universität Zürich, Prof. Dr. Werner Geurtsen, Medizinische Hochschule Hannover, Prof. em. Dr. Joachim Klimek, Universität Gießen, Prof. em. Dr. Klaus König, Universität Nijmegen, Prof. Dr. Hendrik Meyer-Lückel, Universität Aachen, Prof. Dr. Edgar Schäfer, Universität Münster, DGZ-Präsident, Dr. Michael Schäfer, Vorsitzender des Bundesverbandes der Zahnärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (BZÖG), Düsseldorf.