CAMLOG Start-up-Days Log in to your future

Eigene Praxis – ja oder nein?

Welche Erfahrungen sie in ihrer zahnärztlichen Tätigkeit und als Praxisinhaber gesammelt haben, schilderten Profis auf den CAMLOG Start-up-Days, die am Freitag und Samstag in Frankfurt am Main stattfanden. Die ganz unterschiedlichen Erfolgsgeschichten begeisterten die "Rookies".



Wie viel Verantwortung will ich tragen? Bin ich der Typ für eine eigene Praxis? Schaffe ich das allein? Ist eine Spezialisierung etwas für mich? Welche Schwerpunkte setze ich? Um diese Fragen drehten sich die CAMLOG Start-up-Days. Die Herausforderungen sind  immens. Doch es gelte nicht nur die Herausforderungen, sondern die Chancen zu sehen, sagte CAMLOG Geschäftsführer Michael Ludwig  bei der Begrüßung der Teilnehmer. „Machen Sie, was zu Ihnen passt. Setzten Sie auf Ihre eigenen Talente“,  riet er.
Er selbst hat die Chance seinerzeit ergriffen. Die Baupläne für das Eigenheim lagen bereits auf dem Tisch, als er seiner Frau, sie ist Architektin, mitteilte, er wolle sich an einer Implantatfirma, damals Altatec, beteiligen. Der Hausbau müsse verschoben werden. Seine Frau „zog mit“ und mit der Einführung des CAMLOG Implantatsystems 1999 ging es steil bergauf. Heute kommt jedes vierte Implantat aus dem Hause CAMLOG. Als Erfolgsfaktor Nummer 1 sieht Ludwig Teamgeist und das partnerschaftliche Miteinander.

Vom „Maybe zum Be“

Weitere Impulse für die richtige Entscheidung „Eigene Praxis versus angestellt“  lieferte Selbstmanagement-Experte Frank Caspers in seinem Vortrag „Vom Maybe zu Be“.  Die „Was passiert-wenn–Denke“  führe zu nichts, betonte der ehemalige Leistungssportler. „Konzentrieren Sie sich auf Ihre Kompetenz statt auf mögliche Konsequenz. “ Wie  und nicht ob es möglich sei, erfolgreich zu werden, sei entscheidend.
Ganz wichtig beim Weg in die Selbstständigkeit ist Unterstützung. Ohne Mentor und Coach kann  man sich leicht verzetteln. Das hätte  Dr. Angela Dergham fast gedroht. Nach Jahren als angestellte Zahnärztin bzw. Partnerin in Gemeinschaftpraxen wagte sie den Sprung in die eigene Praxis. Nicht ganz freiwillig, wie sie  einräumt, erst als es in der Gemeinschaftspraxis „richtig krachte, ging ich von Bord“. Sie gründete die Zahnarztpraxis  Calwer Turm, kurz  „C 11“, in den Räumen eines ehemaligen Reisebüros im Herzen Stuttgarts. Trotz guter Vorbereitung und durchdachter Standortwahl, hätte sie es ohne Hilfe kaum geschafft,  ist sie sich sicher. Ihr Coach habe sie letztlich vor dem Burnout bewahrt. Dergham: „Er hat mir den Kopf gerettet“.

Ohne Team geht nichts

Heute ist ihre Praxis etabliert, das Team funktioniert super, das Konzept stimmt.Die Praxis „C 11“ ist eine Marke, mit der sich die gesamte Crew identifiziert. In einer gemeinsamen WhatsApp-Gruppe wird geregelt, was  in der Hektik des Praxisalltags eventuell  vergessen wurde. „Ich bin sehr stolz, dass ich als Chefin in dieser Gruppe sein darf“, sagt Dergham. Für den  Zusammenhalt und das partnerschaftliche Miteinander  „investiere ich Zeit und Geld, denn ohne Team geht nichts“. Höchsten Wert legt Dergham zudem auf angemessenen und respektvollen Umgang mit ihren Patienten. So holt sie etwa ihre Patienten grundsätzlich persönlich im Wartezimmer ab. „Kein Patient soll mit einer Serviette um den Hals auf mich warten.“ Zur Patientenbindung zähle neben der eigenen Website und der Präsenz in sozialen Netzwerken auch Mitgliedschaft in Verbänden, etwa im Verband Deutscher Unternehmerinnen und im Rotary-Club, betont sie.

Erfolg durch Spezialisierung

Für Mut zur Spezialisierung plädierte Dr. Oliver Zernial, Kiel. Der Mund-Kiefer-Gesichtschirurg hat konzentriert sich auf die Implantologie und hat dieses Businessmodel konsequent ausgebaut. Aber nicht „weil Implantate die Kohle schütten“, sondern weil ihn die Kombination aus Chirurgie, Implantaten und CAD/CAM schon immer faszinierte.  Zernial: „Wir bieten standardisierte implantologische Behandlungskonzepte an, die vorhersagbare Ergebnisse ermöglichen.“ Und damit hebt er sich klar von vielen Kollegen ab. Denn „die meisten Zahnärzte bieten auf Ihrer Website wirklich alles an“.
Auch Dr. Stefan Ulrici, Leipzig, setzt auf standardisierte Konzepte in der Implantologie. Sein Anliegen ist es, die Implantologie so einer breiten Patientenschicht zugänglich zu machen. Aber der „Herr im Ring“ ist und bleibe der Prothetiker, stellte er klar.
Dass der Weg von der einfachen Zahnarztpraxis zum erfolgreichen Implantatzentrum tatsächlich gelingen kann, hat  Dr. Ralf Masur, Bad Wörishofen, eindrucksvoll bewiesen. Vor 25 Jahren wurde er mit der  Zahnlosigkeit seiner Mutter konfrontiert und der damit verbundenen enormen Einschränkung an Lebensqualität. 1995 eröffnete er seine Praxis in Bad Wörishofen mit dem Schwerpunkt Implantologie/Parodontologie. Heute gibt es neun Masur-Implantatzentren. Die zentrale Stärke seines Konzepts lautet ebenfalls Vereinfachung. Das betrifft sowohl organisatorische Abläufe als auch die OP-Methodik. Damit bleibt mehr Zeit für das zahnmedizinische Arbeiten. Seine Patienten wissen das zu schätzen. „Sie sind ja völlig im Flow“, sagte eine Patienten erst kürzlich zu ihm. Und das war für ihn das höchste Lob. Denn genau so – im Flow – möchte er arbeiten.
Dr. Andreas Kraus arbeitete einige Jahre als Partner im Masur-Implantologiezentrum Bad Wörishofen bevor er, familiär bedingt,  in die Praxisklinik Pfaffenwinke Kraus & Reichenbach einstieg. In Frankfurt skizzierte er wichtige Aspekte beim Start in die Selbständigkeit. Unter anderem warnte er vor Steuersparmodellen und lieferte Tipps zum Arbeiten in der familiengeführten Praxis.

Spannende Workshops

Der zweite Tag bot mit unterschiedlichen Workshops einen besonders hohen praktischen Nutzen. Besonders spannend: Fehlervermeidung und Komplikationsmanagement in der Implantologie – Tipps und Ideen für Beginner mit PD Dr. Michael Stimmelmayr, Cham, und „My first implant – sicherer Einstieg mit den richtigen Techniken mit Dr. Stephan Beuer, Landshut. Dass die Zukunft der Zahnmedizin weiblich ist, belegt die Zahl der Studienabsolventen in der Disziplin. In einem Intensivworkshop entwickelten Teilnehmerinnen unter Leitung von Dr. Martina Obermeyer, Privatzahnärztin und Praxiscoach in Kochel am See, „ihr“ Arbeitskonzept, um Familie und Beruf unter einen Hut zu bekommen. Die Hälfte der Workshop-Teilnehmerinnen strebte die Praxisgründung an.