Mafia-Kurzfilm "Dentboss": Interview mit ZA Mischa Ommid Steude M. Sc.

„Die Selbstironie gefällt den Leuten“

Mit dem Mafia-Kurzfilm "Dentboss", in dem Rapper Marteria die Hauptrolle spielt, hat DIE PRAXIS aus Berlin für einen viralen Klick-Hit im Netz gesorgt. Im Interview mit DENTAL MAGAZIN.de spricht Zahnarzt Mischa Ommid Steude über das Projekt und die Bedeutung von Social Media für Zahnarztpraxen.


DENTBOSS Crew Marteria

Marteria und seine Mafia-Crew: die Darsteller des DENTBOSS-Videos haben größtenteils auf Gage verzichtet. Mischa Ommid Steude (3. v. r.) hat sich damit einen Herzenswunsch erfüllt. Bild: Steude


Herr Steude, in den sozialen Netzwerken hat sich vor Kurzem ein Video aus Ihrer Berliner Praxis DIE PRAXIS viral verbreitet. Es zeigt einen witzigen Mafia-Kurzfilm, in dem der Rapper Marteria aka „Dentboss“ untertaucht und sich mit neuer Identität in seinem Traumberuf Zahnarzt versucht.

Wer hatte die Idee zum Film und wie ist das Projekt ins Rollen gekommen?

Eine Marketingsaktion sollte das DENTBOSS-Video ursprünglich nicht sein – hat aber dennoch zur Steigerung der Praxisbekanntheit beigetragen. Bild: Steude

Ich habe damit einen Kindheitstraum verwirklicht: Als ich noch sehr jung war, wollte ich Regisseur werden. Ich habe viel darüber gelesen, Drehbücher für mich geschrieben und kleinere Projekte realisiert. Durch unsere Nähe zu Berliner Agenturen und der Filmbranche war der Cast schnell zusammengestellt. 90 Prozent der Leute, die bei unserem kleinen Film mitgemacht haben, sind Patienten oder Freunde von Patienten. Wir haben wirklich tolle, begeisterungsfähige Patienten und Mitarbeiter.

Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit Marteria?
Marten (Marteria) ist ein Patient und Freund von mir. Wir kennen uns schon lange. Er bot uns ganz allgemein an, mal bei einer Aktion mitzumachen – als Dankeschön, weil wir seine Familie und ihn so gut behandelt haben. Damit, dass wir so eine große Sache aufziehen, hat er wahrscheinlich nicht gerechnet. Ich denke, das Projekt hat ihn gereizt – obwohl er eigentlich keine Zeit hat. Außerdem steht er immer hundertprozentig zu seinem Wort. Er ist ein außergewöhnlicher Mensch.

Welches Ziel haben Sie mit dem Film verfolgt?
Wir finden es natürlich toll, dass so viele Leute unseren Film gesehen haben und ihn sogar witzig fanden. Aber ursprünglich hatten wir eigentlich keine konkreten Erwartungen. Wir haben das aus Spaß gemacht. Ich wollte nur, dass möglichst viele Leute das Video sehen. Die vielen Menschen, die meist kostenlos mitgemacht haben, sollten dadurch eine möglichst große Plattform bekommen. Die meisten kommen ja aus Agenturen oder aus der Filmbranche und ich wollte, dass der Film eine gute Reichweite bekommt, damit es sich für diese Leute lohnt.

Was haben Ihre Patienten zu dem Video gesagt?
Wir haben nur positives Feedback bekommen. Die meisten waren überrascht, wie viel Aufwand wir betrieben haben. Ich denke, man sieht die Qualität des Videos und die Selbstironie. Das gefällt den Leuten.

Konnten Sie durch die Aktion die Bekanntheit Ihrer Praxis steigern – sprich, neue Patienten gewinnen?
Wir haben den Film nicht gemacht, um mehr Patienten zu bekommen. Unsere Praxis gibt es schon seit 40 Jahren – seit fast zehn Jahren in der jetzigen, modernen Form. Wir sind u.a. auch eine Überweiserpraxis für Endo und Implantologie, daher kriegen wir die meisten Neupatienten durch Mundpropaganda und Überweiser. Der direkte Werbeeffekt bei so einer bundesweiten Aktion ist nicht besonders groß. Menschen aus München, die unseren Film mochten, werden in den seltensten Fällen deshalb zu uns kommen. Trotzdem haben wir durch den Film einige neue Patienten bekommen, die uns unbedingt kennenlernen wollten.

Die Bekanntheit unserer Praxis wurde aber definitiv gesteigert: Wir haben plötzlich Anfragen von Fernsehsendern und Magazinen zu unserem Film oder zu irgendwelchen zahnmedizinischen Themen bekommen. Direkt nach der Aktion flatterten einige Bewerbungen von Ärzten und Helferinnen aus ganz Deutschland ins Haus. Ich denke, für die Publicity hat es sich durchaus gelohnt.

DIE PRAXIS ist in den sozialen Medien aktiv und hat einen modernen Internetauftritt. Sie scheinen viel Zeit und Geld in das Praxismarketing zu investieren? Lohnt sich das?
Wir machen fast alles selbst. Wenn wir etwas selbst nicht können – wie das Programmieren einer Website – dann fragen wir Freunde in unserem sehr ausgeprägten Netzwerk. Der Zahnarztberuf ist für sich genommen nicht besonders kreativ, auch wenn Marten im Film etwas anderes behauptet. Mich bei der Außendarstellung der Praxis kreativ ausleben zu können, macht mir großen Spaß und war für mich der Hauptgrund, überhaupt eine Praxis zu eröffnen und mich selbstständig zu machen. Es gibt in meinen Augen noch einen weiteren wichtigen Aspekt: Die Patienten und Überweiser sehen die Liebe zu den vielen kleinen Details und den Aufwand, den wir in unsere Projekte stecken – ob es DENTBOSS, Website, unsere Kommunikation oder sogar unser Anrufbeantworter ist. Wir machen diese Aktionen ja nicht als Ersatz für gute Zahnmedizin oder guten Service, sondern zusätzlich. Wir sind in unseren Behandlungen genauso detailverliebt. Ich glaube, das spüren die Leute.

Wie wichtig sind Ihrer Meinung nach die sozialen Medien für das Patientenmarketing und die Gewinnung neuer Mitarbeiter?

DENTBOSS Film

Beim Filmdreh haben viele Freunde und Bekannte der Praxis mitgewirkt. Bild: Steude

Ich denke, Patientenmarketing würde überhaupt nichts bringen, wenn die Qualität unserer Arbeit nicht gut wäre, wenn wir nicht sozial agieren würden oder wenn wir keine guten Dienstleister wären. Diese Grundlagen müssen stimmen – dann hat man mit Social Media ein tolles Tool, mit dem man viel erreichen kann. Dadurch haben wir zum Beispiel keine großen Probleme, neue Mitarbeiter zu gewinnen – beim Fachkräftemangel heutzutage ist das normalerweise ja sehr schwierig. Was die Patienten betrifft, habe ich das Gefühl, dass unsere Social Media-Präsenz besonders Berliner Kreative anspricht. Das sind Menschen, die ich einfach gerne in der Praxis habe, weil sie mich interessieren.

Was müssen Zahnarztpraxen heutzutage generell leisten, um digital mithalten zu können und wettbewerbsfähig zu sein?
Ich selbst bin ja in anderen Bereichen auch Patient oder Kunde. Ich persönlich finde es immer schwierig, wenn einem Dienstleister die Kommunikation über E-Mail schwerfällt, wenn man nicht mit EC-Karte zahlen kann oder wenn es keine Website gibt. Es fällt mir schwer zu glauben, dass jemand in seinen Behandlungsmethoden aktuell und modern ist, wenn er in anderen Bereichen so konservativ denkt oder desinteressiert ist. Das ist natürlich erstmal pauschal gedacht – so jemand kann natürlich trotzdem erfolgreich sein. Trotzdem sendet man dadurch gewisse Signale – ob man will oder nicht.

Wie weit man digital mitgeht, muss jeder individuell entscheiden. Wir beispielsweise stecken kein Geld in Google oder ähnliches, weil wir glücklicherweise nicht darauf angewiesen sind. Trotzdem ist das sicherlich für eine andere Praxis sinnvoll. Ich denke, Online-Terminierung (in aller erster Linie die Termin-Erinnerungen per SMS oder E-Mail) oder eine Patientenberatungssoftware wie Infoscope hilft einer modernen Praxis, den Patienten und Mitarbeitern das Leben leichter zu machen. Was Social Media angeht, muss man darauf Lust haben und es mit Leben füllen. Wenn man es unter der Prämisse macht, dass man Neupatienten gewinnen möchte, indem man jeden Mittwoch um 18 Uhr ein Selfie postet, dann fühlt sich das nicht echt an. Genauso kommt meist nur Einheitsbrei heraus, wenn man das Thema komplett externen Agenturen übergibt. Dann sollte man es lieber sein lassen.

Haben Sie Unterstützung von einer Agentur oder einem externen Berater? Oder planen und setzen Sie alles selbst um?
Wir haben immer die Ideen und machen das meiste selbst. Unsere Praxis hat aber viele Freunde, die uns helfen, eine Idee umzusetzen – sei es eine Grafikdesignerin oder ein Kameramann für einen Film. Wir handeln viel nach Bauchgefühl, das würde mit externen Beratern oder Agenturen nicht funktionieren.

Den Kurzfilm Dentboss können Sie sich hier anschauen: