Erster Online-Event der DGI

Start in die virtuelle Kongresswelt

Sofortversorgung, Periimplantitis, Ästhetik, Prothetik, Regeneration, herausnehmbar vs. festsitzend, Augmentation oder Rezessionsdeckung: Kein Thema mussten die Teilnehmer an diesem ersten online DGI Event missen – außer dem direkten Kontakt zu Kollegen oder Referenten. „In allen Bereichen gut gewappnet“, bezeichnete DGI-Präsident Prof. Dr. Dr. Knut A. Grötz in seiner Bilanz die DGI.


DGI Event Ackermann

Zur Eröffnung des digitalen DGI-Events erinnerten die Tagungspräsidenten Prof. Knut A. Grötz (r.) und Dr. Christian Hammächer (M.) an den verstorbenen Schatzmeister Dr. Karl-Ludwig Ackermann. © DGI


Oberstes Ziel dieses Kongressersatzes – denn ursprünglich war eine große Gemeinschaftstagung mit der EAO in Berlin geplant – sei es gewesen, die Fortbildung nicht vollständig zum Erliegen zu bringen, betonte Grötz, der gemeinsam mit dem DGI-Fortbildungsreferenten Dr. Christian Hammächer als „Online-Event-Präsident“ firmierte. 1200 digitale Teilnahmer registrierte die DGI zu ihrem Event am traditionellen Adventstermin– darunter mehr als 300 Studierende. Damit habe man, wie schon in den acht Kursserien des DGI-APW-Curriculums in 2020, den eigenen Fortbildungsauftrag unter erschwerten Bedingungen erfüllt. Mit einer Mischung aus Hybrid- und Online-Veranstaltungen seien die Kursreihen umgesetzt worden. Doch manche Inhalte, wie etwa Weichgewebspräparationen, ließen sich einfach nicht ausschließlich online vermitteln, betonten die beiden Event-Leiter.

„Paar-Vorträge“ zeigten unterschiedliche Ansätze

Durchgängig mit „Paar-Vorträgen“ wurden die Themen beim DGI Event vorgestellt. Die mit jeweils anderen Ansätzen arbeitenden Kollegen stellten die Vorzüge ihrer Vorgehensweise dar. Die Zuhörer hatten dadurch die Möglichkeit, die Ansätze zu vergleichen – und gegebenenfalls noch während der Vorträge ihre Fragen in den Chat zu geben. Die jeweiligen Moderatoren der Sessions leiteten diese dann im Anschluss an die Vorträge an die Referenten zur Beantwortung weiter.

Dass der autologe Knochen heute längst nicht mehr in allen Indikationen der Goldstandard ist, zeigte sich zum Beispiel beim Thema „Laterale Augmentation: Schalentechnik, Blöcke, GBR?“ Während Dr. Philip L. Keeve, Hameln, ein Plädoyer für den autologen Knochen lieferte – reproduzierbares Ergebnis, keine negativen Immunreaktionen, geringere Materialkosten – beleuchtete Prof. Dr. Dr. Bilal Al-Nawas, Mainz, die Möglichkeiten des Einsatzes von Knochenersatzmaterialien. Insbesondere widmete er sich der von der DGI und DGZMK initiierten, frisch verabschiedeten S2k-Leitlinie „Implantologische Indikationen für die Anwendung von Knochenersatzmaterialien“. Kaum ein Thema werde so kontrovers und emotional diskutiert wie dieses, unterstrich Al-Nawas, der zu den federführenden Autoren der Leitlinie gehört. Denn viele Empfehlungen basierten auf Erfahrungswerten.

DGI Event Technik

Mit einer professionellen Studiotechnik gelang der DGI ein weitestgehend reibungsloser technischer Ablauf des Events. © LEDCAVE

Risikominimierung vor einer Augmentation

Ausschlaggebend sei die Biologie des Defektes, da herrsche Konsens, machte Al-Nawas klar. So müsse mit Hinblick auf den geplanten Eingriff eine spezifische Anamnese – insbesondere bei Risikopatienten – erfolgen. Schließlich habe der „Bisphosphonat-Patient mit Osteoporose ganz andere Risiken als der gesunde junge Mann“. Patienten seien zudem über das individuelle Risiko der Augmentation und Alternativen aufzuklären. „Denken Sie auch an kurze Implantate“, betont Al-Nawas. Die Leitlinie empfiehlt darüber hinaus, Maßnahmen zur Verminderung des Risikos vor einer Augmentation durchzuführen. Beispiel: Bei Restentzündungen im Knochen sei die Ridge Preservation wohl kaum die richtige Maßnahme.

Während vertikale Defekte nur sehr schwer zu regenerieren seien, heißt es in der Leitlinie, funktionierten beispielsweise beim Sinuslift fast alle KEM. Das gelte auch für viele Dehiszenzdefekte. Last but not least: Die Gabe von PRP bzw. PRF führt bei der Ridge Preservation zu einer verbesserten Stabilität. „Da liegen uns Daten vor“, betonte Al-Nawas.

Mehr zur frisch verabschiedeten Leitlinie sind auf dem Dental Online College im exklusiven Webinar vom DENTAL MAGAZIN zu finden. Hier stellen die zwei Experten Dr. Dr. Markus Tröltzsch und PD Dr. Dr. Peer Kämmerer, die als Kommissionsmitglieder an der Erarbeitung beteiligt waren, Details der Leitlinie vor.

DGI Event: Disputationen als neues Format

Neu im Konzept vom DGI Event waren zwei „Disputationen“, bei denen die Vortragenden eine Pro- oder Contra-Position einnahmen. Beispielhaft genannt sei das Thema der Relevanz der Ästhetik in der Implantologie. Hier warb PD Dr. Dietmar Weng stark für den Faktor Ästhetik, die von der Funktion kaum mehr zu trennen sei. So sei eine dünne Mukosa – ganz gleich ob in der horizontalen oder der vertikalen Dimension – prädestiniert für eine Periimplantitis und einen Knochenverlust. Wengs Schlussbotschaft lautete: „Implantologie braucht Ästhetik, sonst funktioniert sie nicht!“

DGI Event Backstage-Hammächer-Grötz

Kurzer Austausch der Präsidenten während der digital übertragenen Vorträge. © DGI

Seinen Gegenpart hatte DGI-Präsident Grötz übernommen, der zu Beginn betonte, dass bei ihm die Aussage „Sehr gute Ästhetik führt zu sehr guter Funktion“ nur auf Probe stehe. Er belegt anhand einiger Fallbeispiele, dass die Ästhetik epidemiologisch nur eine untergeordnete Rolle spiele. „Die Funktion“, so schloss Grötz, „ist das A und O!“

2021: Hybrider Kongress mit interdisziplinärem Ansatz

Für 2021 kündigte Grötz bereits an, dass es ein völlig neues Kongresskonzept geben werde. „Wir haben gelernt und bereiten einen vollständig hybriden Kongress vor.“ Er wird sich „Deutscher Implantologen-Tag“ nennen und soll ein interdisziplinäres Treffen in Wiesbaden werden, an dem nicht nur die DGI, sondern als Mitveranstalter auch die DGOI sowie als partizipierende Fachgesellschaften die DG PARO, die DGPro, die DGÄZ und als nicht-zahnmedizinische Gesellschaft die DGIM (Deutsche Gesellschaft Innere Medizin) auftreten. Damit unterstreicht Grötz seine interdisziplinäre Sichtweise auf die Implantologie. Und die wird durch jüngst erfolgte Mitgliedschaft im Dachverband der deutschsprachigen wissenschaftlichen Gesellschaften für Osteologie (DVO) verstärkt.