DGÄZ Youngsters: Verbindung von Ästhetik und Funktion

„Es geht nicht nur um die Schönheit“

Nachdem bereits in einigen deutschen Städten erfolgreich sogenannte „Young Esthetic Circles“ stattgefunden hatten, lud die junge Riege der Deutschen Gesellschaft für Ästhetische Zahnheilkunde (DGÄZ) zum ersten Kongress „DGÄZ Youngsters: Jung und ästhetisch“ nach Frankfurt am Main. Die Fortbildungsveranstaltung bot Infos zu den Themen Bleaching, Kompositrestaurationen und Praxismanagement.


DGÄZ-Präsident Prof. Dr. mult. Robert Sader (l.) begrüßte die Teilnehmer in Frankfurt, die Organisation und Moderation übernahmen Dr. Helena Koch Bienas und Dr. Florian Rathe. ©Reinhart (8)


Der von den DGÄZ Youngsters selbst organisierte Kongress am Universitätsklinikum Frankfurt am Main hielt an zwei Kongresstagen in Vorträgen und Workshops für die teilnehmenden Nachwuchs-Zahnmediziner kompaktes Wissen in verschiedensten Bereichen bereit: Möglichkeiten und Grenzen der Zahnaufhellung, innovative Konzepte der minimalinvasiven Zahnheilkunde, ästhetische Korrekturen mit Komposit und Strategien für die erfolgreiche Praxis standen auf dem Plan.

Mehr Selbstvertrauen mit strahlendem Lächeln

Prof. Olga Polydorou gab einen ausführlichen Einblick in das Thema Zahnaufhellung. Da die Frontzähne und das Gesicht einen großen Einfluss auf die Wirkung von Menschen haben – Menschen mit einem schönen Lächeln wirken selbstbewusster und sind mitunter erfolgreicher – sei in Studien bereits nachgewiesen worden, dass die Ästhetik der Zähne maßgeblich zum Wohlbefinden beitragen kann. „Mittlerweile kommt es jeden Tag in der Praxis vor, dass einige Patienten sich ein strahlenderes Lächeln wünschen, und nach einer Zahnaufhellung fragen“, sagte Polydorou. „Die Peroxide wandern in Schmelz und Dentin, zerfallen dann in reaktiven Sauerstoff und Wasser. Der Sauerstoff spaltet die Farbmoleküle und so werden die Zähne aufgehellt“, erklärte die Freiburger Professorin die Wirkweise der Bleaching-Präparate. Kontraindikationen seien stark transluzente Zähne, die Behandlung von Jugendlichen unter 18 Jahren sowie Limitierungen bei kariösen Defekten, undichten Füllungen oder bei einer akuten Parodontalerkrankung. „In diesen Fällen müssen die Zähne vor der Zahnaufhellung versorgt bzw. die Parodontitis muss behandelt werden, um eine adäquate Ausgangssituation zu schaffen“, sagte Polydorou. Sie empfahl, Produkte mit neutralem pH-Wert zu verwenden und unbedingt auf die Anwendungshinweise des Herstellers zu achten. „Eine korrekte Anwendung führt nur zu minimalen bzw. zu gar keinen negativen Veränderungen des Zahnschmelzes“, hielt Polydorou fest.

 


Minimalinvasive Zahnheilkunde

Bei ihrem Doppelvortrag „Innovative Konzepte in der minimalinvasiven Zahnheilkunde“ beantworteten ZTM Vincent Fehmer und Dr. Felix Burkhardt die Frage, ob monolithische Veneers ästhetisch sein können. Ihr klares Credo: Adhäsive Techniken sind die Zukunft, nicht die klassische Füllungstherapie. Das Ziel sei es immer, minimalinvasiv und substanzschonend zu arbeiten. Beide setzen neue Konzepte um und verwenden innovative Materialien und sehen Veneers und Overlays als Schutz für den Zahn, ganz im Gegensatz zu einer invasiven Füllungstherapie. „Eine klassische retentive Präparation tut schon beim Zuschauen weh“, sagte Fehmer. Hier gingen zwischen 60 und 80 Prozent des Zahnvolumens verloren.

Die Diagnostik und der Therapie-Vorschlag des Behandlungsteams werde immer wichtiger und technisch besser durchführbar. Man solle die Situation gemeinsam mit dem Patienten analysieren und am Computerbildschirm besprechen. „Machen sie das auf Augenhöhe am Schreibtisch, nicht während der Patient auf dem Behandlungsstuhl sitzt“, riet Burkhardt. In dieser Situation könne man eine ganz andere Interaktion und Offenheit erwarten. Mit dem Mock-Up solle der Patient ruhig mit aus der Praxis oder der Klinik nach Hause gehen, um sich an das neue Gefühl zu gewöhnen und im gewohnten Umfeld auszutesten, ob die Lösung so Sinn macht. Bereits heute gebe es erste Lösungen mit virtuellen Mock-Ups. Hier könne man den Patienten das angestrebte Ergebnis der Therapie auf dem iPad vorführen.

Komposit: Mit gutem Material ist viel machbar

Prof. Dr. Bernd Klaiber veranschaulichte anhand einer Vielzahl eigener Patientenfälle, wie ästhetische Korrekturen mit Komposit, wie etwa Lückenschluss und die Reduktion von schwarzen Dreiecken, gelingen. „Keine Generation von Zahnärzten hatte es so leicht wie die heutige, schöne Füllungen zu machen“, sagte Klaiber – „früher haben wir nur Löcher gestopft, mit den heutigen Materialien geht viel mehr.“ Klaiber sprach sich für Kompositrestaurationen aus. Im Gegensatz zum Vorgehen mit einem Veneer könne man die schönen vorderen Zahnflächen erhalten. „Außerdem verfärben sich die natürlichen Zähne im Laufe der Zeit weiter, Veneers nicht“, sagte Klaiber. So schaffe man neue Probleme für die Zukunft. Mit vielen eindrucksvollen Abbildungen demonstrierte Klaiber, wie man Komposit nutzen kann, um die Längen- bzw. Breitenwirkung von Zähnen zu manipulieren – auch wenn man etwas schmaler bzw. breiter mache, könne man es mit dem Versetzen der Achsen und unter Beachtung des Schattenwurfs erreichen, dass genau die gegenteilige Wirkung im Auge des Betrachters entsteht.

„Machen Sie es besser, als alle anderen“

In einem zweistündigen Vortrag, der bei der angeschlossenen Diskussion mehrfach als inspirierend bezeichnet wurde, holte Dr. Oliver Brendel zu einem Rundumschlag zum Thema Praxismanagement aus. Es liege nie an den Umständen, wenn etwas nicht klappt, sondern immer an einem selbst. Neben zehn Prozent Talent und zehn Prozent Glück seien immer noch 80 Prozent Leidenschaft, Disziplin, Fleiß und Ehrgeiz notwendig, um erfolgreich zu sein. Vor der Eröffnung einer eigenen Praxis sei eine genaue Bedarfsanalyse essenziell. „Sie müssen eine neue Strategie erarbeiten. Die Vorgaben sind: Machen Sie es anders als alle anderen und darüber hinaus noch viel besser“, riet Brendel den jungen Zahnärztinnen und Zahnärzten. Die Begeisterung von Mitarbeitern wie Patienten müsse bei allem rationalem Denken auch immer mit einer emotionalen Entscheidung verbunden sein. Der Patient habe keine Fachkenntnis, er könne nur gewisse Dinge beurteilen, die seine Meinung zum Zahnarztbesuch bildet. Hat der Zahnarzt sich Zeit genommen? War er freundlich? War die Behandlung schmerzfrei? „Diese Dinge können Sie definitiv steuern“, sagte Brendel. Neben der fachlichen Expertise sei die menschliche Komponente der entscheidende Faktor für Erfolg. „Für einen neuen Patienten nehme ich mir immer eine Stunde Zeit – eine bessere Investition gibt es nicht“, sagte der Stuttgarter Zahnarzt. Da der Mensch nur das glaubt, was er sieht, riet Brendel jedem Praxisinhaber zudem unbedingt zu einer Intraoralkamera – „das wichtigste Gerät!“

DGÄZ Youngsters: Veranstaltungen 2019
  • 23. Oktober: Young Esthetic Circle Schwerin
  • 30. Oktober: Young Esthetic Circle Frankfurt am Main