Coronavirus 2019-nCoV

Keine Angst vor Zahnersatz aus China

Viele Zahnärzte bieten ihren Patienten neben den lokalen Zahnlaboren auch Zahnersatz aus China an – dem Land also, in dem derzeit das Coronavirus 2019-nCoV grassiert. Patienten und Behandler reagieren verunsichert. Doch wie groß ist das Risiko einer Virusübertragung durch importierte Zahnprothetik wirklich?


Coronavirus Ansteckung Zahnersatz

Nach derzeitigem Stand der Erkenntnis besteht durch importierten Zahnersatz „made in China“ kein Risiko für eine Übertragung des Coronavirus. © Hoffmann/DÄV


Zahnersatz aus China ist bei vielen Patienten beliebt: Er ist meist günstig, wird in professionellen Dentallaboren gefertigt und zügig nach Deutschland importiert. Doch das Herkunftsland der preiswerten Prothetik ist derzeit auch das Hauptverbreitungsgebiet des Coronavirus 2019-nCoV. Es stellt sich daher schnell die Frage, wie wahrscheinlich eine Ansteckung mit dem Virus über Importwaren wie Implantate, Brücken oder Kronen ist.

Ansteckung mit Coronavirus erfolgt primär über Atemwegssekrete

Das Robert Koch-Institut (RKI) gibt auf seiner Informations-Website rund um das Coronavirus dazu eine klare Antwort: „Bei Coronaviren, die respiratorische Erkrankungen verursachen können, erfolgt die Übertragung primär über Sekrete des Respirationstraktes. Gelangen diese infektiösen Sekrete an die Hände, die dann beispielsweise das Gesicht berühren, ist es möglich, dass auch auf diese Weise eine Übertragung stattfindet.“ Eine gute Händehygiene sei daher ein wichtiger Bestandteil des Infektionsschutzes, empfiehlt das RKI.



Virusübertragung über importierte Ware unwahrscheinlich

„Hingegen ist eine Übertragung über unbelebte Oberflächen bisher nicht dokumentiert“, wie das Institut betonte. Eine Infektion mit dem Coronavirus über Oberflächen, die nicht zur direkten Umgebung eines symptomatischen Patienten gehören, wie importierte Waren, Postsendungen oder Gepäck, erscheint daher laut RKI „unwahrscheinlich“. Dieser Meinung schließen sich das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) und die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) an. Patienten und Behandler, die Zahnersatz aus China beziehen, müssen also nach derzeitigem Stand der Erkenntnis keine Ansteckung durch den Kontakt mit importierter Prothetik befürchten.

Geeignete Desinfektionsmittel schützen vor Ansteckung mit Coronavirus

Wer in seiner Praxis dennoch chemische Desinfektionsmittel zum Schutz gegen Infektionen mit dem Coronavirus einsetzen möchte, dem rät das RKI zu Mitteln mit nachgewiesener Wirkung. Dazu gehören Präparate mit dem Wirkungsbereich „begrenzt viruzid“ (wirksam gegen behüllte Viren), „begrenzt viruzid PLUS“ oder „viruzid“. Geeignete Desinfektionsmittel und -verfahren hat das RKI in einer eigenen Liste zusammengestellt.

Wo tatsächlich ein Infektionsrisiko besteht

Der Kontakt mit importiertem Zahnersatz stellt nach aktuellem Wissensstand keine Gefahr für eine Ansteckung mit dem Coronavirus dar. Dagegen warnt die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) vor berufsbedingten Kontakten mit 2019-nCoV, die tatsächlich Risiken bergen. Diese könnten „durch den Kontakt mit infizierten Patienten in der Arztpraxis, im Krankenhaus oder beim Transport von infizierten Patienten wie im Flugzeug und im Krankenwagen stattfinden“. Außerdem könne ein berufsbedingter Kontakt bei Mitarbeitern in Laboratorien erfolgen, in denen Verdachtsproben auf Erreger untersucht würden, so die Bundesanstalt. In diesen Bereichen sei der BAuA zufolge der Arbeitsschutz für den Umgang mit 2019-nCoV durch vorhandene Bestimmungen geregelt. Dazu gehören etwa die Biostoffverordnung (BioStoffV) oder die Technischen Regeln für Biologische Arbeitsstoffe 250 und 100 (TRBA 250 und TRBA 100) sowie deren Ergänzung. Die Einhaltung der festgelegten Arbeitsschutzmaßnahmen minimiere laut BAuA das Infektionsrisiko für Beschäftigte. Spezielle Empfehlungen für Ärzte hält außerdem die EU-Seuchenbehörde ECDC bereit: Sie beschreibt darin, wie sich Mediziner bei der Untersuchung von infizierten Patienten oder Verdachtsfällen vor einer Ansteckung mit dem neuen Coronavirus schützen können.

Quellen: RKI, BfR, BAuA, BZgA