Kürzere Quarantänezeiten für Gesundheitsberufe

Neue RKI-Empfehlungen für medizinisches Personal

Das Gesundheitswesen ist durch die gegenwärtige COVID-19-Pandemie stark belastet. Um die akutmedizinische Versorgung weiterhin gewährleisten zu können, hat das Robert Koch-Institut (RKI) seine Empfehlungen zur Quarantäne des medizinischen Personals bei Kontakt zu Infizierten angepasst. Was heißt das konkret für Ärzte und Fachpersonal?


Corona RKI-Empfehlungen

Das Robert-Koch-Institut (RKI) regt in seiner neuen Empfehlung an, in Fällen von Personalnotstand im Gesundheitswesen die Dauer der häuslichen Quarantäne für exponiertes medizinisches Personal auf sieben Tage zu verkürzen. © Sabphoto – stock.adobe.com


Mit der Relativierung der Quarantäne-Empfehlungen wolle man in Zeiten von Corona zwei konkurrierende Ziele miteinander vereinen, erklärt das RKI in einer offiziellen Handlungsempfehlung auf seiner Website: den Infektionsschutz und die größtmögliche Aufrechterhaltung aller Kapazitäten. Demnach müsse medizinisches Personal künftig nach engem ungeschützten Kontakt zu COVID-19-Patienten nicht mehr so lange in Quarantäne. Bei dringendem Bedarf dürfe es darüber hinaus weiter in Klinik oder Praxis arbeiten – solange keine Symptome auftreten.

Für wen gelten die neuen RKI-Empfehlungen?

Die neuen RKI-Empfehlungen gelten ausdrücklich nur für medizinisches Personal. Gedacht sind sie außerdem nur für Situationen, in denen ein relevanter Personalmangel vorliegt, der die adäquate Versorgung von Patienten gefährdet. Auch mit den zuständigen Gesundheitsämtern müssen die Maßnahmen abgestimmt sein. Trifft all dies zu, könne laut RKI folgende Unterscheidung von medizinischem Personal als Kontaktpersonen der Kategorie I vorgenommen werden:

  • Kategorie Ia: Medizinisches Personal mit hohem Expositionsrisiko, z.B. ungeschützte relevante Exposition zu Sekreten, Exposition gegenüber Aerosolen von COVID-19-Fällen (z.B. bei Bronchoskopien)
  • Kategorie Ib: Medizinisches Personal mit begrenztem Expositionsrisiko, z.B. medizinisches Personal mit Kontakt unter zwei Metern zu COVID-19-Fällen ohne Schutzausrüstung, ≥15 Minuten Face-to-face-Kontakt (ohne Exposition wie unter Ia beschrieben); grundsätzlich gilt: je länger und enger der Kontakt, desto höher das Risiko.

RKI-Empfehlungen: Häusliche Quarantäne bei Verdacht auf Corona verkürzt

Entsprechend der neuen Kategorisierung gelten folgende neue Regelungen für exponiertes medizinisches Personal, die das RKI als Handlungsoptionen bei relevantem Personalmangel vorschlägt:

  • Bei Personal mit einem hohen Expositionsrisiko (Kategorie Ia) muss weiterhin die häusliche Quarantäne eingehalten werden. Ihre Dauer wird aber auf sieben Tage reduziert. Sollten nach diesem Zeitraum keine Symptome auftreten, kann medizinisches Personal mit Mund-Nasen-Schutz arbeiten. Das RKI empfiehlt aber, die eigene gesundheitliche Verfassung über zwei Wochen zu dokumentieren. Außerdem könne die ausschließliche Versorgung von COVID-19-Patienten erwogen werden.
  • Bei Personal mit einem begrenzten Expositionsrisiko (Kategorie Ib) darf mit Mund-Nasen-Schutz weitergearbeitet werden, sofern keine Symptome auftreten. Das RKI rät aber von einem Kontakt mit vulnerablen Patientengruppen ab. Auch die Selbstbeobachtung und Dokumentation des Gesundheitszustands über die Dauer von zwei Wochen sei angeraten. Unter Umständen muss ein Test auf SARS-CoV-2 veranlasst werden.


Corona: Weitere RKI-Empfehlungen für medizinisches Personal

Auch für medizinisches Personal mit Erkältungssymptomen und SARS-CoV-2-positiv getestetes medizinisches Personal fasst die Empfehlung im Fall der Personalknappheit neue Handlungsoptionen zusammen. Medizinisches Personal mit Symptomen einer akuten respiratorischen Erkrankung der unteren Atemwege darf demnach Patienten versorgen, sofern während der gesamten Anwesenheit am Arbeitsplatz ein Mund-Nasen-Schutz getragen wird. Zudem solle umgehend eine Testung auf SARS-CoV-2 erfolgen. Positiv getestetes medizinisches Personal darf nur in absoluten Ausnahmefällen weiterarbeiten und darf dann ausschließlich COVID-19-Patienten versorgen. Voraussetzung für die Wiederaufnahme der Versorgung von Nicht-COVID-19-Patienten ist eine Symptomfreiheit seit mindestens 48 Stunden und zwei negative SARS-CoV-2-Tests im Abstand von 24 Stunden.

Die vollständige Empfehlung des RKI „Optionen zum Management von Kontaktpersonen unter medizinischem Personal bei Personalmangel“ finden Sie hier zum Nachlesen.