IDS 2019: Tag 3

Von „game changern“ und dem Trend zum Gesamtanbieter

Bergfest auf der Weltleitmesse der Dentalbranche. Am heutigen Donnerstag können sich Zahnärzte, Zahntechniker und ZFAs in Köln noch einmal von den neuesten Produkten, Materialien und Technologien der Zahnmedizin überzeugen. Dabei fällt auf: Neben innovativer Digitaltechnologie setzen viele Dentalfirmen zunehmend auf ganzheitliche Lösungen und ein möglichst umfassendes Portfolio. Ein Besuch bei den Unternehmen Align Technology, der Straumann-Gruppe, VITA Zahnfabrik und BEGO.


© Becher


Mehr als nur ein Intraoralscanner – das ist der iTero Element 5D, den Align Technology auf der IDS in Köln vorstellte. Seine Besonderheit: Er bietet das erste integrierte dentale Bildgebungssystem, das gleichzeitig 3D-, intraorale Farb- und NIRI-Bilder aufzeichnet. Das hilft bei der Erkennung und Überwachung von interproximalen Kariesläsionen über der Gingiva – ohne den Einsatz schädlicher Strahlung. Ein vollständiger Scan des Zahnbogens dauert 60 Sekunden und beinhaltet leistungsstarke Visualisierungsfunktionen: 3D-Impressionen für restaurative und kieferorthopädische Arbeiten, Analyseinstrumente wie das Tool zur Messung des okklusalen clearance tool, NIRI-Bilder, intraorale Kamerabilder, iTero TimeLapse Technologie, Invisalign Outcome Simulator und die Invisalign Fortschrittsbewegung. Zelko Relic, Align Technology, CTO und Senior Vice President, Global Research and Development: „Mit diesem neuen Bildgebungssystem können Ärzte jeden Patienten effizient und effektiv scannen und Behandlungsoptionen visualisieren, die zu fundierten Entscheidungen für eine optimale Mundpflege führen.“ Auch Anwender wie Zahnarzt Dr. Tim Nolting aus Freudenberg zeigen sich zufrieden mit der neuen Technologie: „Der iTero Element 5D ist ein ‚game changer‘. Er hat mir einen völlig neuen Grund gegeben, digitale Technik in meine Praxis zu integrieren. Patienten schätzen eine minimalinvasive Behandlung und strahlungsfreie Diagnose.“

Um die umfassende Visualisierung des Itero zu ergänzen, bietet Align die webbasierte Plattform „MyiTero.com“ an, die zur Besprechung der Scans mit dem Patienten auf mehreren Geräten verwendet werden kann. Neu ist auch der Invisalign SmileView – eine Applikation, mit der Patienten via Smiling-Selfie eine Optimierung ihrer Zähne erleben: Man lädt die App My invisalign Smile herunter, macht ein Smile-Selfie und Sekunden später sieht man sein Porträt mit optimierten Zähnen.

Bei Straumann zeichnet sich immer deutlicher der Wandel zum Gesamtanbieter ab. Das Spektrum der diesjährigen Innovationen zur IDS reicht von dem neuen BLX-Implantat über ein zweiteiliges Keramik-Implantat, dem Einstieg in die Alignertechnologie bis hin zu neuen Ansätzen in der präventiven Zahnheilkunde. Die von Straumann selbst konzipierte BLX-Linie ist für alle Behandlungsprotokolle geeignet – von der sofortigen bis zur herkömmlichen Platzierung und Belastung, entsprechend der Vorgabe des Zahnarztes. Es wurde entwickelt, um die Primärstabilität in allen Knochenklassen zu optimieren, die restaurativen Prozesse zu vereinfachen und vorhersagbare Ergebnisse auch in komplexen Fällen zu erzielen. BLX ist zusammen mit einem vereinfachten, vielseitigen Prothetikportfolio in einer Vielzahl von Durchmessern und Längen erhältlich. Das Besondere: Mit dem 3,75-Durchmesser-BLX-Implantat lassen sich alle Indikationen abdecken. Gastredner Dr. Eirik Aasland Salvesen, Universität Bergen, Norwegen, zeigte sich begeistert von der BLX-Linie und hob vor allem die Vorhersagbarkeit und Effizienz der Sofortbehandlung hervor.

Mit dem SNOW Keramikimplantat legt Straumann zudem das erste zweiteilige verschraubte Zahnimplantat vor, das vollständig metall- und kunststofffrei ist. Es ergänzt die Palette der Straumann PURE Soft Tissue-Level Keramikimplantate. Immer weiter erschließt sich die Gruppe auch das Feld der Kieferorthopädie: Die Straumann-Tochterfirma ClearCorrect mit Sitz in Texas/USA entwickelt und produziert hochwertige, einfach anzuwendende Zahnschienen, die transparent, herausnehmbar, komfortabel und preisgünstig sind. Sie werden zur Behandlung von kleineren bis mittleren Fehlstellungen eingesetzt. Zielgruppe sind Allgemeinzahnärzte, denn die Popularität der Aligner wächst rasant, wie Peter Zihla, Head of Digital Business Unit, unterstrich.


Die VITA Zahnfabrik machte auf die Arbeit der Organisation „Progress in Science and Education with Ceramics“ (PROSEC) aufmerksam. Gestartet vor drei Jahren als Qualitätsinitiative der VITA Zahnfabrik, gibt es jetzt eine neue, gemeinnützige Organisationsform, aktuelle Studienprojekte und eine Positionierung sowie Weiterentwicklung in einem internationalen Umfeld. PROSEC ist mit seinem Experten-Netzwerk und den Gremien Wissenschaft und Fortbildung die weltweit erste unabhängige Non-Profit-Organisation für neue und evidenzbasierte Lösungsansätze auf dem Gebiet der keramischen Implantologie und metallfreien Prothetik.

Von den aktuellen Entwicklungen und Aktivitäten rund um den „Herzschrittmacher für metallfreies Implantieren“ berichtete Prof. Dr. Dr. Wilfried Wagner, Mitglied des Gremiums Wissenschaft bei PROSEC. Er zeigte, dass man mittlerweile durch die veränderten Oberflächen bei Keramikimplantaten vergleichbare Reaktionen erziele wie bei Titanimplantaten. „Auch vergleichbare Knochenreaktionen und -stabilität werden bei belasteten Implantaten erreicht“, sagte Wagner. Zudem zeige sich, dass die Periimplantitis-Reaktion beim Keramikimplantat besser sei als beim Titanimplantat. Ziel von PROSEC sei es, konkrete Anwendungsförderung durch evidenzbasierte Literatursammlungen und Anwendungsempfehlungen zu geben.

Gewohnt umfangreich war das Neuheiten-Portfolio, das BEGO zur IDS 2019 präsentierte. Insbesondere die drei neuen 3D-Drucker aus der Varseo-Linie und das 3D-Druck-Material VarseoSmile Crown für den Druck permanenter Einzelkronen standen im Vordergrund des Messeauftritts. Der neue DLP 3D-Drucker Varseo XS bietet eine hohe Druckgeschwindigkeit und eine überragende Detailgenauigkeit. Seine handliche Bauplatte ermöglicht den Druck von permanenten Kronen, Inlays, Onlays, Veneers, Verblendschalen und Zähnen sowie temporären Versorgungen, CAD/Cast-Gerüsten, Überpressschablonen und kleinen Modellen. Die Baugeschwindigkeit des Druckers ist unabhängig von der Anzahl der zu produzierenden Elemente und seine auswechselbare Harzwanne ermöglicht einen einfachen Materialwechsel. Neben dem Varseo XS werden in Köln noch zwei weitere neue Varseo 3D-Drucker vorgestellt: Der mittelgroße DLP 3D-Drucker Varseo M mit neuem Kartuschensystem und der Hochleistungs-3D-Drucker Varseo XL mit LED-Matrix.

Zusätzlich zu den neuen Geräten haben die Bremer Dentalspezialisten auch das Indikationsspektrum der 3D-Drucker-Materialien erweitert. „Die Besucher können auf das neue Material VarseoSmile Crown gespannt sein. Es ist das erste zahnfarbene keramisch gefüllte Hybridmaterial für den 3D-Druck von permanenten Einzelkronen, Inlays, Onlays und Veneers von BEGO“, unterstrich ZTM Thomas Kwiedor, Direktor Produktmanagement bei BEGO Goldschlägerei und Medical.