Adhäsive ohne Wartezeit

Rapid-Bond-Technologie: Was steckt dahinter?

Die Materialien und Systeme in der Adhäsivtechnik entwickeln sich ständig weiter. Mittlerweile gibt es bereits Adhäsive, die direkt ins Dentin einziehen und so die Wartezeit zwischen Applikation und Lufttrocknung obsolet machen. Unsere Experten habe über die Vorteile dieser sogenannte "Rapid-Bond-Technologie" diskutiert und sprachen außerdem über die Vermeidung von Hypersensitivitäten.


Rapid-Bond-Technologie


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Es gibt inzwischen Universaladhäsive, die sofort in die Zahnoberfläche eindringen. Welchen Benefit bringt das?

Dr. Adham Elsayed: Eine Reduzierung der Arbeitsschritte. Die Techniksensitivität wird deutlich gesenkt. Die Haftungsqualität bleibt jedoch gleich gut. Clearfil Universal Bond Quick eignet sich für Self-Etch-, Selective-Etch- oder Etch-and-Rinse-Technik. Das sorgt für Freiheit bei der Anwendung. Es ist auch indiziert für alle direkten Restaurationen, Stumpfaufbauten und sogar bei indirekten Reparaturen und Restaurationen. Bei vielen anderen Universal-1-Schritt-Bondings werden Monomere verwendet, die nur langsam in das Dentin eindringen. Mit Clearfil Universal Bond Quick kann dagegen ohne Wartezeit sofort weitergearbeitet werden.

Wie genau funktioniert diese „Rapid-Bond-Technologie“?

Elsayed: Die Rapid-Bond-Technologie kombiniert das Original-MDP-Haftmonomer mit neuen, hydrophilen Amid-Monomeren. Das sorgt für eine schnelle Penetration des Dentins. Aufgrund der Feuchtigkeit des Dentins braucht es für ein optimales Eindringen ein extrem hydrophiles Adhäsiv. Ich nutze heute ausschließlich dieses Universaladhäsiv. Es hat bei meinen Fällen den ehemaligen Goldstandard von Kuraray, Clearfill SE Bond, abgelöst.

Dr. Elsayed, das Arbeiten knapp an der Kontaminationsgrenze – ist das eine typische Indikation für Clearfil Universal Bond Quick?

Elsayed: Ja, denn es dringt sofort in die Zahnoberfläche ein. Eine Wartezeit entfällt ebenso wie das Auftragen mehrerer Schichten und ein intensives Einmassieren. Die oben genannte Rapid-Bond-Technologie sorgt für eine optimale Haftung, die anderen Univeraladhäsiven in nichts nachsteht. Wir haben das sowohl intern intensiv getestet als auch extern an Universitäten. Es gibt keine signifikanten Unterschiede zwischen Clearfil Universal Bond Quick-Applikationen ohne Wartezeit und herkömmlichen Universaladhäsiven, bei denen man 20 Sekunden warten muss. Das bietet viele Vorteile für den Praktiker.

Wann zum Beispiel?

Elsayed: Wenn sich eine zuverlässige Trockenlegung schwierig gestaltet, aber auch in der Kinder- und Alterszahnheilkunde.

Das heißt, die Rapid-Bond-Technologie optimiert den Workflow?

Dr. Friedrich Hey: Definitiv! Pro adhäsiver Befestigung spart das zwischen ein und zwei Minuten.

Frankenberger: Ich bin da noch etwas zurückhaltend.

Was sind Ihre Bedenken?

Frankenberger: Ich mache mir immer ein Bild anhand unserer Forschungsarbeiten. Wenn dieses Bild vollständig ist gebe ich gern ein positives Statement. Auch bezüglich postoperativer Hypersensitivitäten braucht es noch Studien. Denn eine gute Dentinversiegelung und eine gute Schmelzhaftung sind nach wie vor wichtig.



Kommen wir zu den Self-Etch-Systemen …

Prof. Dr. Roland Frankenberger: Unbestritten hat Clearfill SE Bond als Zweiflaschen-Self-Etch-System im Dentin seit eh und je weltweit mit die besten Werte. Hat aber ein Zahn auch Schmelz, möchte ich ganz gerne mit Phosphorsäure ätzen. Kann ich eine selektive Schmelzätzung erreichen, ist das in Ordnung. Doch schnell ist dabei die gesamte Kavität mit Ätzgel überschwemmt. Da sind klassische Self-Etch-Systeme den Universaladhäsiven im Dentin dann ganz klar unterlegen.

Schneiden selbstätzende Systeme hinsichtlich der Überlebensrate genauso gut ab wie Etch-and-Rinse-Systeme? Gibt es Studien dazu?

Frankenberger: Selbstverständlich gibt es Studien zu Klasse-V-Kavitäten. Dort sind die Überlebensraten ähnlich. Bei Klasse-I- und Klasse-II-Kavitäten schneiden aber – mit Blick auf die Randverfärbung – Etch-and-Rinse-Systeme besser ab.

Warum ist das so? Und was ist die Konsequenz?

Frankenberger: Weil nach wie vor gegen Phosphorsäure im Schmelz kein Kraut gewachsen ist. Meine Konsequenz ist: Behandle ich eine Kavität mit Schmelzanteil, das ist normalerweise der Fall, ätze ich stets mit Phosphorsäure, arbeite also entweder mit einem Etch-and-Rinse-System oder einem Universaladhäsiv, bei dem die Etch-and-Rinse-Technik auch erfolgreich angewendet werden kann.

 


Sind Ein-Flaschen-Systeme in puncto Haftung, Dichtigkeit und postoperativen Hypersensitivitäten generell mit Mehr-Flaschen-Systemen vergleichbar?

Frankenberger: Auf jeden Fall, das gilt schon seit mehreren Jahren. Wir kommen damit gut klar.

Hey: Gute Haftkraft und vor allem keine Hypersensitivitäten am vitalen Zahn sind das A und O, da gebe ich Professor Frankenberger Recht. Im Praxisalltag haben wir in diesem Punkt aber mit dem Clearfil Universal Bond Quick beste Erfahrungen machen können. Aber klar, Studien sind wünschenswert.

Was sind die Hauptursachen für die viel beklagten Hypersensitivitäten?

Elsayed: Es gibt viele Ursachen für die postoperativen Hypersensibilitäten, eine typische ist das Over-Etching. Dieses Überätzen des Dentins lässt sich mit Universaladhäsiven vermeiden, nicht aber mit klassischen selbstätzende Adhäsivsystemen. Diese sollten mit der Etch-and-Rinse-Technik auf Dentin deshalb nicht zum Einsatz kommen, allenfalls bei der selektiven Ätzung des Schmelzes ohne Beteiligung des Dentins. Das ist aber oft sehr schwierig. Universaladhäsive lassen sich dagegen bei allen Ätztechniken einsetzen. Überschwemmt bei selektiver Schmelzätzung die Phosphorsäure die Kavität, kann Clearfil Universal Bond Quick dennoch angewendet werden, ohne eine Überätzung des Dentins zu provozieren.

Zusammenfassung
  • Neue Universaladhäsive, die mittels Rapid-Bond-Technologie sofort in die Zahnhartsubstanz eindringen, beschleunigen den Workflow. Besonders beim Arbeiten knapp an der Kontaminationsgrenze spielen sie ihre Vorteile aus.
  • Es gibt keine signifikanten Unterschiede zwischen Clearfil Universal Bond Quick-Applikationen ohne Wartezeit und herkömmlichen Universaladhäsiven, bei denen man 20 Sekunden warten muss, wie erste Untersuchungen zeigen.
  • Weitere Studien, auch mit Blick auf postoperative Hypersensitivitäten, stehen noch an.
  • Die F&E-Abteilungen der Hersteller widmen sich derzeit dem bioaktiven Bonding. Das Adhäsiv von morgen soll bei gleichen Hafteigenschaften therapeutische Vorteile bieten, etwa die Remineralisierung des Dentins.

Die Experten

Prof. Dr. Roland Frankenberger

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Prof. Dr. Roland Frankenberger

Direktor der Abteilung für Zahnerhaltungskunde der Philipps-Universität Marburg und des Universitätsklinikum Gießen und Marburg, forscht seit 26 Jahren im Bereich der Adhäsivtechnik
roland.fr@nkenberger.de

Dr. Friedrich Hey

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Dr. Friedrich Hey

ist niedergelassen in Laboe bei Kiel. Zu seinen Tätigkeitsschwerpunkten zählen die Ästhetische Zahnheikunde und die Implantologie.
empfang@doc-hey.de

Dr. Adham Elsayed

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Dr. Adham Elsayed

Clinical and Scientific Manager DACH Kuraray Noritake Dental, Spezialist für Prothetik der DGPro
adhamfawzy.elsayed@kuraray.com

Dr. Nils Elger Siems

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Dr. Nils Elger Siems

seit 2008 niedergelassen in eigener Praxis in Königstein im Taunus. Schwerpunkt: Ganzheitliche zahnärztliche Diagnostik und Therapie.
info@dr-siems.com