Im Gespräch mit Dr. Marco Georgi
01.09.14 / 00:00
Zahnerhaltung

Praxis spezialisiert sich auf Endodontologie

Was vor 15 Jahre als vage Idee begann, ist nun Realität: Im April dieses Jahres öffnete mit ENDOPUR eine professionelle Endopraxis ihre Pforten. Wurzelkanalbehandlungen und endodontologische Chirurgie auf höchstem Niveau bieten sechs Spezialisten seither in Frankfurt am Main. Allgemein-zahnärztliche Behandlungen sind dort kein Thema. Ein Vorbild für weitere Tätigkeitsschwerpunkte? Ja, meint Initator Dr. Marco Georgi.



Professionelle Endodontologie bedeutet: Investition in Ausbildung, Training und Technik und Erfahrung. Und das möchten die ENDOPUR-Zahnärzte bieten. Alle haben Zusatzausbildungen in Deutschland oder in den USA absolviert. Dazu kommen viele Seminare im In- und Ausland und zum Teil mehr als 15 Jahre Endodontologie am OP-Mikroskop. Dr. Marco Georgi: „Hier bringen wir es gemeinsam auf über 20.000 Behandlungen. Fünf von uns arbeiten auch an vier Tagen in der Woche in eigenen Gemeinschaftspraxen mit Kollegen anderer zahnärztlicher Fachgebiete. Ein Kollege ist ausschließlich bei ENDOPUR tätig.“

Wie kommt ENDOPUR bei den allgemein-zahnärztlichen Kollegen an? Bekanntlich überweisen Zahnärzte ungern an Kollegen, sie fürchten, Patienten zu verlieren.

Georgi: Zu uns zu überweisen fällt unseren Kollegen leicht, da wir ausschließlich endodontologische Leistungen erbringen. Das ist unser Konzept. Und das kollegiale, partnerschaftliche Verhältnis zu den zuweisenden Kollegen ist die Basis unserer Arbeit: Wir bieten die endodontologische Behandlung als ergänzende therapeutische Dienstleistung an, um Kollegen in ihrer zahnärztlichen Praxis zu unterstützen. Gerade bei komplexen Fällen bewährt sich immer wieder das Vier-Augen-Prinzip. Kollegiale Kooperation ist das Ziel, ganz oben rangiert der Erfahrungsaustausch. Gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen entsteht das Spezialisten-Team: ZUWEISER + ENDOPUR.

Aber auch der Hauszahnarzt kennt sich in der Endodontie aus ...

Georgi: Das ist richtig, aber die Notwendigkeit der Spezialisierung ist dennoch gegeben und nichts Neues. Seit Jahrzehnten ist es international Standard und gleichermaßen anerkannt, dass die Endodontologie ein eigenständiges Fachgebiet ist, in dem postgraduale Masterstudiengänge durchgeführt und Spezialistentitel vergeben werden.

In Deutschland gibt es in der Zahnmedizin aber keine Fach- und Hauszahnarzt-Trennung. Von Seiten der Standesorganisationen ist das auch nicht gewünscht.

Georgi: Leider! Deutschland läuft meiner Ansicht nach dieser Entwicklung auch ein bis zwei Jahrzehnte hinterher. Im Rahmen der Weiterentwicklung der Zahnheilkunde haben wir längst den Stand der Allgemeinmedizin erreicht.

Wie meinen Sie das?

Georgi: Auch ein ausgebildeter Allgemeinmediziner durchläuft eine chirurgische Ausbildung, die ihn jedoch nicht dazu befähigt, das gesamte Fachgebiet der Chirurgie sicher abzudecken.

Zurück zu ENDOPUR. Wie viele Patienten kommen ohne Überweisung?

Georgi: Zirka 15 Prozent. Und die Zahl steigt stetig an. Zurückzuführen ist das vor allem auf Mundpropaganda und die zunehmende Internetrecherche der Patienten.

Alle sechs ENDOPUR-Spezialisten arbeiten in „normalen Praxen“, zwei Kollegen in Ihrer Praxis. Überweisen Sie auch selbst an ENDOPUR?

Georgi: Die Praxiskonzepte sind streng voneinander getrennt. Auch interne Überweisungen sind nicht angedacht. Ausnahmen machen wir nur bei termin‧lichen Problemen.

Für die Spezialpraxis haben Sie Frankfurt gewählt, Ihre Praxis ist in Wiesbaden. Macht das Sinn?

Georgi: Die Wahl des Standorts Frankfurt im Rhein-Main-Gebiet für ENDOPUR ist das Ergebnis einer akribischen Standortanalyse.

ENDOPUR ist eine Privatklinik, haben Sie keine Kassenzulassung angestrebt?

Georgi: Nein, das hätte keinen Sinn gemacht. Die Therapiewünsche unserer Patienten liegen entweder nicht im Rahmen der GKV, oder sie sind im Rahmen der GKV nicht zu erbringen. Patienten, die zu ENDOPUR überwiesen werden, behandeln wir ausschließlich bei ENDOPUR – und dies auf der Basis der GOZ, da wir eine Privatklinik sind.

Schicken Sie Kassenpatienten, die als Selbstzahler zu Ihnen kommen, zur post‧endodontische Versorgung zurück zum Hauszahnarzt?

Georgi: Ja, alle Patienten kehren nach der Behandlung zu ihrem Hauszahnarzt zurück. Allerdings sehen wir uns auch in einer therapeutischen Mitverantwortung. Nach Abschluss unserer Behandlung wollen und müssen wir das endodontische System für einen Zeitraum von mehreren Monaten vor einer Reinfektion schützen. Grundsätzlich beenden wir unsere Fälle mit einem adhäsiven Verschluss – mit oder ohne Insertion eines Stifts.

Kommen wir zur Praxisausstattung.

Georgi: ENDOPUR ist in allen Belangen rein auf Endodontologie ausgelegt: Wir verfügen sowohl über ein DVT-Gerät als auch über ein auf die Endodontologie abgestimmtes Sterilisations- und Materialverwaltungssystem. In unserer Praxis wird kein endodontologisches Instrument mehrfach verwendet. Und: Wir setzen hochauflösende OP-Mikroskope mit Aufzeichnungs- und Projektionstechnik ein. Damit lassen sich die Behandlungen bestens dokumentieren. Wer unsere Fortbildungen besucht, erhält somit zusätzlich Einblick in alle Abläufe unserer Behandlungsfälle

Wie funktioniert das genau?

Georgi: Zwei Kamerasysteme übertragen die laufenden Behandlungen in den Kursraum. Die Kursteilnehmer erhalten ein Übersichtsbild und ein Bild aus dem OP-Mikroskop, um die einzelnen Arbeitsschritte beobachten zu können.

Wie hoch waren die Investitionen?

Georgi: Deutlich über dem Volumen einer durchschnittlichen Neugründung. Vier der sechs ENDOPUR-Zahnärzte haben die Finanzierung übernommen.

Sind Sie als Initiator auch der Praxischef?

Georgi: Nein, wir betreiben ENDOPUR demokratisch, die wirtschaftlichen Entscheidungen treffen die vier Kapitalgeber.

Wie häufig sind Sie und Ihre Kollegen in der ENDOPUR-Praxis tätig? Gibt es eine Art „Schichtdienst“?

Georgi: Momentan sind bei ENDOPUR an jedem Arbeitstag zwei Zahnärzte mit endodontologischen Behandlungen be‧schäftigt.

Rechnet sich ENDOPUR für alle sechs Zahnärzte?

Georgi: Sicher, wenn wir nicht der Überzeugung gewesen wären, dass es sich rechnet, hätten wir das Projekt erst gar nicht angefasst. Wir haben im Vorfeld versucht, möglichst gute Finanzsimulationsmodelle durchzuspielen, auch wenn es keine vergleichbaren Praxismodelle gibt.

Sie sind also zufrieden?

Georgi: Der Start hat unsere Erwartungen deutlich übertroffen, wir hoffen, dass es so weitergeht.

Wie rechnen Sie ab, mit dem dreifachen oder vierfachen Satz?

Georgi: Bei ENDOPUR werden die Behandlungen im Vorfeld genau geplant, die zu erwartenden Kosten kalkulieren wir dem individuellen Aufwand und Schwierigkeitsgrad entsprechend. Dabei kommt es durchaus vor, dass wir mit einem Steigerungsfaktor für einzelne Leistungen über den 3,5-fachen Faktor hinausgehen. Schon allein, weil die endodontologischen Gebührenpositionen der GOZ nicht unter der Berücksichtigung der Arbeitsweise eines Spezialisten für Endodontologie, der mit einem OP-Mikroskop arbeitet, erstellt worden sind. Etliche Leistungen, die wir täglich erbringen, sind in der GOZ überhaupt nicht erfasst.

Wäre eine eigene Endopraxis lukrativer?

Georgi: Uns ging es in erster Linie um den Reiz, in einem Team endodontologischer Spezialisten zu arbeiten, um voneinander zu profitieren und noch besser zu werden. Und das geht auf! Das hat sich schon in der Planungsphase herauskristallisiert. Seit unserer Implementierung des Prozessmanagement-Programms Surgical Procedure Manager klappt es noch besser. Es ist unglaublich spannend geworden.

Haben Sie das Programm entwickelt?

Georgi: Gemeinsam mit der Firma SPI. Es handelt sich um ein System des Prozessmanagements für unsere klassischen endodontologischen Arbeitsabläufe. Damit gewährleisten wir, dass alle Behandlungen bei ENDOPUR auf einem definierten Standard nahezu behandlerunabhängig durchgeführt werden.

Gibt es vergleichbare Programme?

Georgi: Soweit wir wissen, ist das in der Zahnmedizin bislang einzigartig.

Ihr Ausblick?

Georgi: Spezialisierungen werden zunehmen, in den USA und Südamerika ist das beispielsweise seit Jahrzehnten Realität. Unser Konzept lässt sich auf so ziemlich alle Tätigkeitsschwerpunkte übertragen, von der Parodontologie über die Implantologie und Funktionsdiagnostik bis hin zur Kinderzahnheilkunde. Im Stockwerk unter uns betreibt die Kollegin Dr. Catharina Steuer mit mehreren Kollegen seit einigen Jahren sehr erfolgreich eine Praxis für „pure“ Kinderzahnheilkunde.

Zertifizierte Endodontologen

  • Dr. Marco Georgi ist Gründungspräsident des Verbandes Deutscher Zertifizierter Endodontologen (VDZE). Der Verband wurde im Jahr 2003 von einer Gruppe Endodontologie-begeisterter Kolleginnen und Kollegen ins Leben gerufen.
  • Die Gründungsmitglieder waren die Absolventen des ersten Ausbildungsgangs für Endodontologie in Deutschland, der von der Akademie für Praxis und Wissenschaft (APW) durchgeführt wurde.
  • Das Angebot an Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten im Bereich Endodontologie war zu diesem Zeitpunkt in Deutschland im Vergleich zu anderen Fachgebieten wenig zufriedenstellend. Daher war es dem Verband ein Anliegen, seinen Mitgliedern eine weitergehende Ausbildung auf internationalem Niveau zu ermöglichen. Zu diesem Zweck wurden renommierte Referenten zu Workshops und Tagungen eingeladen. Ziel und Herausforderung in der Zukunft wird es weiterhin sein, die Endodontologie und die endodontologische Aus- und Weiterbildung zu fördern.
  • Damit möchte der Verband dazu beitragen, die Qualität der endodontologischen Behandlung in Deutschland kontinuierlich zu verbessern. Ein weiteres Anliegen ist die Aufklärung der Patienten in puncto Zahnerhaltung und Endo-Therapie. Der Verband zählt 264 Mitglieder.

Dr. Marco Georgi

ist Initiator von ENDOPUR, einer Spezialpraxis für Endodontologie auf höchstem Niveau.