Annika Best
27.01.17 / 13:42
Zahnärztliche Hypnose

Hypnose als Therapieoption für Jung und Alt

Eine Dentophobie, auch Zahnbehandlungsphobie, kann schwere gesundheitliche Folgen mit sich bringen. Je nach Quelle geben 60 bis 80 Prozent der Bevölkerung ein Angstgefühl vor dem Zahnarztbesuch an, ein Fünftel gilt als hoch ängstlich und sogar etwa fünf Prozent vermeiden den Besuch beim Zahnarzt völlig.



Was in diesem Fällen helfen kann, die Angst zu überwinden, ist zahnärztliche Hypnose. Schnell sind die Gedanken bei diesem Wort im Bereich der Esoterik und Magie. „Mit Esoterik hat das, was wir alltäglich machen, rein gar nichts zu tun“, sagt die Hypnose praktizierende Kinderzahnärztin Dr. Sina Ophoff. „Wahrscheinlich ist unser Tun für die meisten nicht wirklich erkennbar.“

Was ist Hypnose?

Es gibt zwei Arten beziehungsweise Techniken in der Hypnose: Die direkte oder klassische Hypnose ist die bekanntere Anwendungsform, bei der beispielsweise das berühmt-berüchtigte schwingende Pendel zum Einsatz kommt. Die indirekten Methoden, die in der zahnmedizinischen Praxis in der Regel vorkommen, zeichnen sich dadurch aus, dass auf beiläufige, fast unmerkliche Weise innerhalb eines Gesprächs ein veränderter Bewusstseinszustand eingeleitet wird.

„Indirekte Trance-Induktionen sind das Einleiten und Aufrechterhalten der Hypnose durch Atemtechniken, das Erzählen metaphorischer Gleichnisse oder die Nutzung gezielter Sprachmuster“, schildert Dr. Ute Stein, Zahnärztin, Trainerin und Supervisorin der Deutschen Gesellschaft für Zahnärztliche Hypnose. Hypnose nutzt Erkenntnisse der Psychosomatik zur Hebung der emotionalen Befindlichkeit und erleichtert den Zugang zum Patienten und somit den Behandlungsablauf.

Hypnose bei Kindern

Sina Ophoff hat sich zusammen mit ihrer Kollegin Eveline Vogl auf den Bereich der zahnärztlichen Hypnose beziehungsweise der ritualisierten Verhaltensführung bei Kindern spezialisiert. „‚Ritualisiert‘ bedeutet zum einen, dass unser Personal geschult ist, mit den Ängsten der Kinder und den Erwartungen der Eltern umzugehen“, so Ophoff. „Das geht einfacher, wenn man strukturierte Abläufe einführt.“ Sind gewisse Abläufe in der Praxis immer gleich, gibt das den Kindern Sicherheit. Und Sicherheit sei sehr wichtig. „Das Behandlerteam muss genau wissen, wo es langgeht.“ Daher wird alles, was während der Behandlung geschieht verbal angekündigt, aber positiv verpackt. „Jetzt bekommt der Zahn ein kleines Backförmchen, das drückt dich ein bisschen, das kennst du sicher vom Plätzchenbacken. Genau, sehr gut …“ Jedes Gerät, das während der Behandlung Verwendung findet, wird zunächst einmal an der Hand ausprobiert.

Beim Ersttermin in der Praxis werden die Kinder noch nicht behandelt. Es gehe erst einmal darum, sich gegenseitig kennenzulernen. „Wir sagen ganz klar: Heute findet keine Behandlung statt“, erklärt Ophoff. Nur so sind Kinder offen, hören zu, lassen sich Abläufe zeigen und erklären.

Positive, einladende Atmosphäre

Ein Faultier lässt sich an der OP-Lampe herunterhängen, und eine bunte Kuschelecke lädt zum Verweilen ein: Die Praxis mit dem Namen „Zahnträumerei“ in Regensburg wurde liebevoll eingerichtet, um eine positive, einladende Atmosphäre für die kleinen Patienten zu schaffen. Sogar der „typische Zahnarztgeruch“ wird vermieden, Instrumente werden stets in einem nicht sichtbaren Bereich vorbereitet. Denn bei der Hypnose geht es darum aufmerksam und empathisch zu sein und durch Kleinigkeiten Lösungen zu bieten. Manchmal hilft es schon, wenn das Wasser wärmer ist oder etwas besser schmeckt. Vogl: „Wir assoziieren unangenehme Gefühle mit positiven Erlebnissen.“

Außerdem ist Körperkontakt ein wichtiger Punkt. Das Kind wird dezent berührt, an der Schläfe oder der Schulter. Wichtig ist dabei, dass der Körperkontakt über die ganze Behandlung hinweg aufrechterhalten wird. Zusätzlich gibt es Punkte im Gesicht, am Kopf oder der Hand, die im Vorfeld gedrückt werden können, um beispielsweise den Speichelfluss zu verringern. Auch Elemente aus der Akupressur oder Tuina (chinesische Massageform) fließen in die Therapie mit ein. Und was machen die Eltern während der Behandlung? Die sind meist nur stille Beobachter. „Dann arbeiten die meisten Kinder am besten mit“, sagt Ophoff. Sehr kleine Kinder können auf einem Elternteil liegen, dann ist aber wichtig, dass Mutter oder Vater ruhig und entspannt sind, das überträgt sich. Bei größeren Kindern hat sich bei Kontaktwunsch das „Füßehalten“ bewährt. Ein absolut simpler Geheimtipp sei Singen. Ophoff: „Bei ganz kleinen Kindern wird beispielsweise immer gesungen, das bewirkt oft wahre Wunder.“ Wenn zum Beispiel gebohrt werden müsse, dann geschehe selbst das im Rhythmus des Lieds.