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15.06.17 / 00:00
Die Doppelmischabformung

Präparationsgrenzenperfekt erfassen

Bei der Doppelmischtechnik handelt es sich um eine einzeitige, zweiphasige Abformtechnik. Zwei Abformmaterialien unterschiedlicher Viskosität binden also zur gleichen Zeit ab. Präparationsgrenzen lassen sich trotz erschwerter Umstände vollständig erfassen.


IDENTIUM_abformung-seite-hpr.jpg Abb. 1: Vorbereitung der Präparation Abb. 2: Präparation nach Indikation Abb. 3: Registrierung mittels Zahnbogen Abb. 4: Finale Vorbereitung für die Abformung, gute Bedingungen Abb. 5: Umspritzen der Präparation mit dünnfließendem Abformmaterial Abb. 6: Einsetzen des mit Trägermaterial befüllten Löffels Abb. 7: Die finale Abformung in der Doppelmischtechnik

Im Vergleich zu der in Deutschland noch verbreiteten Korrekturabformung kann bei dieser Technik kein so hoher Stempeldruck zur Führung des dünnfließenden Materials in subgingivale Bereiche ausgeübt werden. Allerdings bietet diese Abformtechnik dafür andere entscheidende Vorteile. Ein wesentlicher Punkt ist der deutliche Zeitvorteil, da die getrennten Wartezeiten für die Abbindung zweier Materialien und das sehr aufwendige Ausschneiden der Vorabformung entfallen. Die Reduktion der Arbeitsschritte vermindert natürlich auch die Fehlermöglichkeiten. Als häufige Fehlerquelle ist bei der Korrekturabformung vor allem die elastische Deformation der Vorabformung zu nennen, die durch einen vertikalen Versatz des raumfordernden dünnfließenden Materials entstehen kann. Zu beobachten ist das besonders, wenn noch unter sich gehende Bereiche vorhanden sind.

Nicht zuletzt spielen natürlich die verwendeten Materialien eine entscheidende Rolle. Neben einer guten Hydrophilie zur Überwindung der immer vorhandenen Restfeuchtigkeit stehen gerade bei der Doppelmischabformung die Fließeigenschaften im Vordergrund. Zur Verbesserung der Patientenakzeptanz sollte der Kraftaufwand bei der Mundentnahme möglichst gering ausfallen und selbstverständlich sollten keine Geschmacksbeeinträchtigungen auftreten. Am Beispiel eines klinischen Falls wird eine typische praktische Vorgehensweise beschrieben.

Der konkrete Fall

Bei einem 53 Jahre alten männlichen Patienten sollten die Zähne 35 und 36 mit Zirkonkronen versorgt werden. Nach der Beratung des Patienten fiel die Entscheidung auf eine teilverblendete Zirkonkrone für den Zahn 35 und eine Vollzirkon-Krone für den Zahn 36. Der Zahn 37 war bereits mit einer Krone versorgt. Der Zahnengstand und die bestehenden großen Füllungen an den zu präparierenden Zähnen stellten besondere Herausforderungen an die Präparation (Abb. 1). Da die vorhandenen Füllungen auch radiologisch intakt waren, konnten diese belassen werden. Aus Stabilitätsgründen sollten jedoch die Kronen verblockt werden.

Zur Verbesserung des Druckaufbaus und zur Vermeidung von möglichen Fließnasen wurde das mittelfließende Vinylsiloxanether Material Identium Medium (Kettenbach) gemeinsam mit dem dünnfließenden Material Identium Light in Rim-Lock-Löffeln verwendet. Bei der Auswahl der Größe wurde darauf geachtet, dass zwischen den Löffelwänden und dem Zahnbogen genügend Raum verblieb, um eine für die Rückstellung des Abformmaterials ausreichende Materialdicke zu gewährleisten.

Nach dem Setzen einer intraligamentären Anästhesie wurde eine Situationsabformung im Unterkiefer mit dem A-Silikon Silginat zur Erstellung der späteren Provisorien genommen. Der Gegenkiefer wurde in der Monophasentechnik mit Identium Medium abgeformt.

Zuerst wurde der Zahn 36 und anschließend der Zahn 35 präpariert (Abb. 2). Mit dem Bissregistriermaterial Futar wurde anschließend ein Komplettregistrat angefertigt (Abb. 3). Gemeinsam mit der vorab genommenen Abformung des Gegenkiefers wurde das fertige Registrat in ein Desinfektionsbad eingelegt. Da schon die Füllungsränder der bestehenden Füllungen zervikal bis in den Sulkus reichten, mussten auch die Präparationsgrenzen entsprechend tief subgingival gelegt werden. Damit ergab sich die Notwendigkeit, durch entsprechende Retraktionsmaßnahmen Verhältnisse zu schaffen, die ein sicheres Erfassen der Präparationsgrenzen auch in der Tiefe des Sulkus gewährleisteten.