PD DR. TORSTEN MUNDT
01.02.17 / 00:01
Miniimplantate als Therapieoption immer mehr im Fokus

Prothesenstabilisierung mit Miniimplantaten

Um für die zukünftigen Herausforderungen der Zahnmedizin gerüstet zu sein, könnten für so manchen Besucher Miniimplantate eine wichtige Entdeckung auf der diesjährigen Internationalen Dental-Schau (IDS) sein. Im Folgenden wird erläutert, wie die Anwendung in der Praxis erfolgt.



Mit einem Stichwort lässt sich schon vieles sagen: Demografie. Der Anteil der Senioren in der Gesamtbevölkerung wird rapide wachsen, und laut der V. Deutschen Mundgesundheitsstudie aus dem Jahre 2014 verlagern sich Zahnverlust und totale Zahnlosigkeit immer mehr ins hohe Alter. In naher Zukunft werden deshalb vermehrt ältere Patienten zu ihrem Zahnarzt gehen, die alle ein ähnlich gelagertes Problem haben – eine schlecht sitzende und auf konventionelle Weise schwer stabilisierbare Prothese.

Ist das eine Indikation für einen implantologischen Eingriff?

Natürlich kann eine klassische implantologische Behandlung dem Patienten helfen, doch ist zu bedenken, dass in den betreffenden Fällen oft ein atrophierter Kieferkamm vorliegt, der Patient einen invasiven Eingriff ablehnt oder ihm schlicht die finanziellen Mittel dafür fehlen. Angesichts dieser Einschränkungen wird die Lösung häufiger auf Miniimplantate hinauslaufen.

Wie ist eine solche Therapie zu bewerten?

Die Stabilisierung von Unterkieferprothesen und Oberkieferprothesen mit Miniimplantaten wird von niedergelassenen Praktikern seit Ende der 90er Jahre erfolgreich durchgeführt. Darüber hinaus lässt sich ihr Erfolg auch durch Studien belegen, seit etwa fünf Jahren sogar auf einem höheren Evidenzniveau. Denn während bis dahin hauptsächlich retrospektive Studien vorlagen, sind nun für bestimmte Systeme (z. B. MDI, jetzt condent, Hannover) auch prospektive Untersuchungen verfügbar [1] .

Die Ergebnisse für die Implantation von Miniimplantaten im Unterkiefer scheinen auf den ersten Blick besser zu sein als für den Oberkiefer. Dies könnte sogar plausibel sein, denn im Oberkiefer liegt in der Regel eine schlechtere Knochenqualität vor. Bei genauer Interpretation der Daten relativiert sich die Aussage jedoch, denn es stellt sich heraus: Geringere Überlebensraten im Oberkiefer ergaben sich vor allem aus Studien, in denen das vorgeschriebene Protokoll nicht eingehalten und alle Miniimplantate sofort mit den Matrizen (Housings) belastet wurden.

Strikt nach Protokoll

Damit ist ein wesentlicher Ratschlag für den Anwender und eigentlich eine Selbstverständlichkeit: strikt nach Protokoll vorgehen! Es wird im Folgenden in seinen Grundzügen skizziert.

In der Regel wird im Vorfeld der Implantation zur Knochenhöhenmessung eine Panoramaschichtaufnahme mit Referenzkörpern (Stahlkugeln, Titanhülsen, Klammerdraht). angefertigt, die entweder in eine Schablone oder die vorhandene Prothese an den gewünschten Positionen eingearbeitet sind. Die Insertion erfolgt unter Lokalanästhesie. Zunächst wird die Kortikalis mit einem dünnen Pilotbohrer perforiert und dann der Alveolarknochen auf bis zu zwei Drittel der Implantatgewindelänge, abhängig von der Knochenqualität, aufbereitet. In das so vorbereitete Implantatbett werden die Miniimplantate manuell und dabei selbstschneidend bis zur finalen Position eingedreht.

Zur Prothesenstabilisierung werden in den Unterkiefer mindestens vier (Abb. 2–4), in den Oberkiefer mindestens sechs Implantate eingebracht.Im Unterkiefer kann oftmals sofort mit den Housings belastet werden – immer dann, wenn ein Eindrehmoment aller Miniimplantate von mindestens 35 Ncm erreicht wurde.

Im Oberkiefer dagegen ist eine Sofortbelastung meist nicht angezeigt. Stattdessen sollte entweder eine unbelastete Einheilung über mindestens vier Monate (Hohllegen der Prothese über den Kugelköpfen) oder aber eine weichbleibende Unterfütterung der Prothese im Implantatbereich erfolgen. Lediglich unter der Voraussetzung einer sehr guten Knochenqualität (Eindrehmoment ≥ 35 Ncm) darf von diesem Pfad abgewichen werden.



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