Annika Best, Marina Görtz
30.08.17 / 13:43
Malteser Migranten Medizin

Zahnärztliche Hilfe für Menschen ohne Krankenversicherung

Deutschland hat eines der besten Gesundheitssysteme der Welt. Dennoch leben hier Menschen, die keine Krankenversicherung haben. Um diese Menschen kümmert sich die Malteser Migranten Medizin. In Berlin gestartet, hat das Projekt mittlerweile 17 Standorte – darunter auch Köln mit einer zahnärztlichen Sprechstunde



Eine ausreichende gesundheitliche Versorgung ist für die meisten Deutschen ein Thema, das bewegt. Aber dank der gesetzlich geregelten Krankenversicherung ist es für viele auch eine Selbstverständlichkeit. Doch nicht jeder Mensch, der in Deutschland lebt oder hier hinkommt, kann sich eine Krankenversicherung leisten oder wird trotz der guten Versorgung vom System erfasst. Um diese Gruppe von Menschen kümmern sich Hilfsorganisationen wie die Maltesergruppe.

Menschen, die "durch das Raster fallen"

Seit 2005 widmet sich die Malteser Migranten Medizin Köln im Haus Rita am Krankenhaus St. Hildegardis um diese Menschen. Neben einer Erwachsenen- und einer Kindersprechstunde findet seit 2012 auch eine zahnärztliche Sprechstunde statt. Da viele Patienten weder eine Praxis noch ein Krankenhaus aufsuchen möchten, helfen die Malteser unter Wahrung der Anonymität. Auch über das Medizinische hinaus wird zusätzliche Hilfe angeboten durch Vernetzungen und Kooperationen mit Kirchen, Verbänden und Vereinen.

Unter den insgesamt 35 Mitarbeitern im Haus Rita arbeiten elf Zahnärzte, darunter der ehemalige Leiter Dr. Markus Beckers, und drei Mitarbeiterinnen (ZFA und MFA). In zwei Behandlungsräumen werden die Patienten montags, mittwochs und freitags in den Sprechstunden behandelt. „Dabei zählen Flüchtlinge nicht zu unserer eigentlichen Zielgruppe“, betont Beckers. Diese sind, sobald sie in Deutschland als Flüchtling gemeldet sind, versichert und werden daher in ganz „normalen“ Praxen von niedergelassenen Ärzten und Zahnärzten behandelt.

Zu den Patienten zählen die Menschen, die durch das Raster fallen, die illegal hier leben und nicht gemeldet sind – weder als Flüchtling noch als Bürger. Sechs Prozent der Patienten sind Deutsche – Obdachlose oder Patienten, die sich keine Krankenversicherung leisten können. Dabei sieht Dr. Beckers die Arbeit in der Praxis der Malteser Migranten Medizin nicht als Kritik am Gesundheitssystem, sondern als Lösung sowohl für die niedergelassenen Zahnärzte als auch für die Patienten. Ein niedergelassener Zahnarzt kann es sich häufig nicht leisten, Menschen umsonst zu behandeln. Mit der zahnärztlichen Sprechstunde haben die Patienten ohne Versicherung eine Anlaufstelle, um ihre Zähne behandeln zu lassen.

Große Nachfrage

Die Zahl der Patienten spricht für die Notwendigkeit der zahnärztlichen Sprechstunde. 2014 erreichten sie einen Höhepunkt mit 4041 Behandlungen im Jahr. Seitdem sind die Zahlen zwar wieder rückläufig, es fanden 2016 nur noch fast 2800 Behandlungen statt, aber die zahnärztliche Sprechstunde bleibt dennoch notwendig. Denn unter den angebotenen Sprechstunden hat die Zahnmedizin trotz der rückläufigen Zahlen den höchsten Zulauf.

Dabei sind die Zahnmediziner in ihrer Arbeit vor allem auf Spenden angewiesen, insbesondere auf Sachspenden, um die Patienten angemessen behandeln zu können. Denn trotz der Größe der Organisation der Malteser zählt jeder Cent. „In der Kinder- und inneren Medizin haben wir teilweise Patienten, die eine lebenserhaltende Operation für 10 000 bis 15 000 Euro benötigen.

Da geht es um Leben und Tod. Wenn wir von diesen Spendengeldern neue Instrumente oder Zahnersatz kaufen würden, könnte das unter Umständen ein Menschenleben kosten“, erläutert Beckers. Die Devise lautet daher, so wenig Geld wie möglich in der Zahnmedizin auszugeben und die Behandlungen über Sachspenden zu ermöglichen.

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