HEIKE LENZ
15.11.16 / 00:00
Die Qualität einer Internetseite

Erfolg mit der Praxis-Website

Was macht die Qualität einer Internetseite aus? Wann erfüllt sie ihren Nutzen sowohl für den Besucher als auch für den Betreiber? Wodurch wird der Besucher zufriedengestellt und ein positives Erlebnis ermöglicht? Lesen Sie Experten-Tipps zur richtigen Gestaltung einer ansprechenden Praxis-Website.


Bild 1: Vorher: Die markierten Menüpunkte sind inhaltlich nicht klar voneinander getrennt. Bild 2: Nachher Bild 3: Das horizontal angeordnete Menü Bild 4: Die Handlungsaufforderung Bild 5: Optimierte Webseite für Mobile

Beschäftigt man sich mit derlei Fragen, stößt man schnell auf die Begriffe Usability, der auf den Nutzen und die Bedienbarkeit einer Webseite abzielt, und User Experience, damit sind die emotional geprägten Erfahrungen gemeint, die ein Besucher auf der Webseite macht und die ihn – oft unterbewusst – in seinem Verhalten steuern. Folgende drei Faktoren werden im Wesent¬lichen zur Ermittlung der Nutzerakzeptanz untersucht und bewertet:

  • technische Stabilität und Funktionalität (z. B. die Ladegeschwindigkeit)
  • Nützlichkeit der Inhalte, gute Orientierung, einfache Bedienung
  • ansprechendes Design, emotionale Ansprache und Vertrauensaufbau.

1. Nutzen & Bedienbarkeit

Die einfache Bedienbarkeit ist die Leitwährung für alle Bereiche der Webseitengestaltung: für das Design mit seinen Menüs und Benutzerpfaden, für die Redaktion und deren Inhalte und für die Programmierung. Das hat zur Folge, dass alle drei Bereiche aufeinander abgestimmt werden sollten. Orientierung und Nutzen für den Besucher können allerdings nur dann gut optimiert werden, wenn das Konzept hinter der Seite entsprechend gut durchdacht wurde. Fragen, die man sich stellen sollte:

  • An wen richtet sich die Website, und worum geht es?
  • Sind Nutzen und Vorteile gegenüber Wettbewerbern klar und deutlich kommuniziert?
  • Welches Ziel verfolgt die Seite?

Sind diese Grundlagen geklärt, kann eine gute Bedienbarkeit anhand folgender Punkte überprüft und getestet werden:

1. Ist das Angebot auf den ersten Blick zu erkennen?

2. Kann sich der Nutzer gut im Menü zurechtfinden? Findet er die wichtigsten Inhalte? (Bild 1 und Bild 2)

3. Wie gut kann sich der Nutzer auf der Seite orientieren?

Pfadangaben zusätzlich zum Menü helfen bei der Orientierung. Je nach Webseite kann das Menü aus mehreren Unterebenen bestehen. Der Besucher sollte zu jeder Zeit nachvollziehen können, an welcher Stelle innerhalb des Menüs er sich gerade bewegt. Zusätzliche Zielgruppenmenüs, wie im Beispiel unten, können von Fall zu Fall die Besucherführung erleichtern. Eine Suchfunktion unterstützt den Nutzer zusätzlich. Weniger geeignet hingegen sind Sitemaps, weil sie viele Links generieren und Google damit irreführende Signale senden (Bild 3).

4. Wird die Aufmerksamkeit auf das Ziel der Webseite gelenkt?
Zielführung – Was soll der Besucher im optimalen Fall tun? Kontakt zur Praxis aufnehmen? Dabei sollte die Hemmschwelle der Kontaktaufnahme so gering wie möglich gehalten werden. Die Handlungsaufforderung („Call to Action“) sollte so präzise wie möglich formuliert sein und nicht in unmittelbarer Konkurrenz zu einer zweiten Aufforderung stehen. Gestaltungstechnisch ist weniger mehr, zu viele Optionen gleichzeitig sollten vermieden werden (Bild 4).

5. Kann der Besucher mit Transparenz rechnen? Wird Vertrauen in die Leistungen aufgebaut?
Transparenz schaffen und Gesicht zeigen – Wer einen Punkt „Wir über uns“ anlegt, schafft Vertrauen. Diese Inhalte werden gerne und häufig gelesen.

6. Stimmt die Qualität der Inhalte und werden sie übersichtlich dargestellt?
Die Textstruktur – Texte werden im Web nicht wie in einem Buch gelesen, sondern zunächst nach interessanten Textabschnitten gescannt. Zwischenüberschriften, Aufzählungen usw. helfen vor allem bei längeren Texten.

7. Wurden die technischen Grundanforderungen erfüllt?
Die Ladegeschwindigkeit hat oberste Priorität. Ist sie gering, ist das ein absolutes K.-o.-Kriterium für den Erfolg der Seite. Verantwortlich sein kann die Art und Weise, wie programmiert wurde. Aber auch zu viele Slider oder Bilder mit großen Datenmengen können die Ladegeschwindigkeit in die Knie zwingen. Die Webseite sollte daher nicht nur auf Hochleistungsrechnern mit optimaler Internetanbindung getestet werden, sondern auch auf haushaltsüblichen Geräten und Anschlüssen.

8. Wird dem Besucher die Kontaktaufnahme erleichtert?
Formulare zur Kontaktaufnahme sollten einfach zu finden und zu verstehen sein, wenige Pflichtfelder aufweisen und so wenige Abfragen wie möglich enthalten. Wichtig sind auch eine direkte Rückmeldung auf der Webseite nach Versenden des Formulars sowie eine Antwortmail. Überschriften und Betreffs sollten sorgfältig getextet sein und keine Verwirrung stiften. Jede Unsicherheit auf seiner Seite erhöht die Wahrscheinlichkeit eines sofortigen Abbruchs.

9. Steht das Wichtigste oben?
„Above the fold“ – was sieht der Besucher auf den ersten Blick? Das ist auf der Startseite, auf Übersichtsseiten, aber auch auf Textseiten entscheidend. Die Aussagekraft der Seite beeinflusst direkt das Verhalten des Nutzers. Sieht er beispielsweise wegen eines gleichbleibenden, großen Bildes im Kopf der Seite keinen Unterschied zur vorhergehenden Seite, kann es zum frühzeitigen Abbruch kommen.

10. Wie mobiltauglich ist die Seite?
Die Mobiltauglichkeit einer Webseite ist heutzutage ausschlaggebend für ihren Erfolg. Im Durchschnitt sehen inzwischen 50 Prozent der Besucher Webseiten über Smartphones oder Laptops an. Ein einfaches, kostenloses Tool, um abzuschätzen, ob die eigene Webseite mobiltauglich ist, bietet die Seite www.responsinator.com. Dort kann man die eigene Domain eingeben und erhält eine grobe Voransicht auf den gängigsten Endgeräten (Bild 5).