Dr. Peter Esser
15.06.17 / 00:00
Abrechnung/GOZ

PA-Status – aber bitte nicht zu genau!

Die Nr. 4000 GOZ beschreibt das „Erstellen und Dokumentieren eines Parodontalstatus“. Diese Leistung ist jedoch lediglich zweimal innerhalb eines Jahres berechnungsfähig und auch das Erheben einer umfassenden Parodontaldiagnostik, das heißt das Messen an mehr als zwei Stellen, ist nicht beihilfefähig.


Parodontitis_002.jpg
© Wolfgang Bengel

Nach Nr. 4000 GOZ „Erstellen und Dokumentieren eines Parodontalstatus“ und einer dort stehenden einschränkenden Anweisung ist „die Leistung nach Nr. 4000 innerhalb eines Jahres höchstens zweimal berechnungsfähig.“ Gemeint ist hier nicht das Kalenderjahr, sondern der 365-Tage-Zeitraum ab Erstberechnung.

Wann die zweite Leistung nach Nr. 4000 GOZ innerhalb des Jahres stattfand, spielt berechnungstechnisch keine Rolle, da für sie kein Mindestabstand zur Erstleistung vorgeschrieben ist. Am Tag des Ablaufs der Frist ist die neue Erstleistung im neuen Jahreszeitraum wieder möglich, also beispielsweise am 15. August dieses Jahres, wenn die letzte Erstleistung am 15. August des Vorjahres erfolgt war.

Dokumentationspflicht

Indiziert erfolgt gegebenenfalls im Laufe des Jahres ein zweiter Ansatz der Nr. 4000 (Parodontalstatus), ein dritter Ansatz der Leistung wäre also nicht „berechnungsfähig“ (wohl auch nicht vereinbar, zumindest nicht erstattungspflichtig). Hinzukommend zum Erstellen des PA-Status wird die immer gegebene Dokumentationspflicht der Befunde und der daraus abgeleiteten Diagnose(n) in den Behandlungsaufzeichnungen hervorgehoben. Aber die Verwendung eines „vorgeschriebenen Formblatts“ ist nicht nötig.

Ein Status ist eine systematische Befundung mit Aufzeichnung der Befundfeststellungen (Parameter, Messergebnisse). Diese Befundung ist in ihrem Umfang nicht „vorgeschrieben“. Es gibt Konsens in der Fachkommentierung, dass zur Erbringung des Leistungsinhalts der Nr. 4000 ggf. nicht alle, nämlich nicht die gesunden Parodontien eines Kiefersextanten befundet werden müssen. Woher kennt man die? Aus der halbjährlichen Übersichtsbefundung nach Nr. 4005 „Erhebung mindestens eines Parodontalindex, z.B. PSI“.

Es gibt darüber hinaus einen weitgehenden Konsens der Fachkommentatoren, dass im Routinefall die Parameter „Taschentiefe, Lockerungsgrad und gegebenenfalls Furkationsbeteiligung“ erhoben werden, wo nötig. Bei der Messung der Taschentiefe ist eine Messung an zwei Stellen, mesial und distal am Zahn, üblich und gegebenenfalls hinreichend. Bei Lockerungsgraden und Furkationsbeteiligung ist wohl deren grundsätzliches Vorhandensein festzuhalten, eine Unterscheidung nach Ausprägungsgrad könnte Mindesterfordernisse übersteigen.

Erstattungseinwände

Einschränkend bis gegenteilig äußert sich dazu zum Beispiel die Beihilfe und schreibt dazu Folgendes jenseits jeder Systematik: „Zu Nummer 4000 – Der Ansatz eines erhöhten Steigerungsfaktors mit der Begründung ‚mehrere Messstellen‘ (zum Beispiel sechs) stellt in der Parodontaldiagnostik keine außergewöhnliche Leistung dar und ist daher nicht beihilfefähig.“

Da staunt man nicht schlecht und fragt nach dem Sinn, nicht nach dem Zweck. Ableiten kann man, dass von dem Erstatter wohl die restriktive Meinung vertreten wird, dass statt ausreichender Messung an zwei Messstellen weder die zusätzliche Messung an zwei weiteren Stellen (vestibulär und oral) noch die bereits ungewöhnliche Messung an sechs Messstellen (mesial- und distal-vestibulär sowie mesial- und distal-oral) eine erhöhte, schon gar nicht „außergewöhnliche“ Leistung darstellt



Mehr zum Thema