be
08.02.17 / 12:02
Aktuelle Studie

Keine Zahnfehlstellungen trotz Schnuller

Das Saugen am Schnuller ist ab einem bestimmten Zeitpunkt schädlich für die Entwicklung der Zähne. Doch es gibt innovative Alternativen, die während der Übergangszeit zur Schnullerentwöhnung zu keinen Zahnfehlstellungen führen. Das zeigt eine aktuelle Studie der Uni Jena.



Es gibt Kinder, die ihr Saugbedürfnis während der Nahrungsaufnahme stillen. Sie brauchen weder einen Schnuller, noch ihren Daumen. Andere Babys haben in ihren ersten Lebensjahren ein über das Trinken hinaus gehendes Saufbedürfnis. „Diese Kinder brauchen zur Beruhigung einen Schnuller und dürfen diesen auch ohne Begrenzung nutzen“, so die Jugendzahnpflege Hessen. Schwierig wird es, wenn das Kind beginnt zu zahnen. Denn das Nuckeln an Schnuller, Flasche und Co. ist mit Zahnfehlstellungen wie Überbiss und offenen Biss assoziiert.

Eine aktuelle Langzeitstudie, die an der Poliklinik für Präventive Zahnheilkunde und Kinderzahnheilkunde am Universitätsklinikum Jena durchgeführt wurde, zeigt nun, inwieweit sich die Verwendung eines herkömmlichen Schnullers, eines Schnullers mit dünnen Saughals und die Schnuller-Abgewöhnung auf die Entwicklung von Zahnfehlstellungen bei Kleinkindern auswirkt. Das Besondere an der Studie: Erstmals wiesen die Probanden bereits Schnuller-assoziierte Zahnfehlstellungen wie eine vergrößerte Frontzahnstufe oder einen offenen Biss auf.

Der Studienaufbau

An der randomisierten, kontrollierten Langzeitstudie nahmen insgesamt 86 Kinder im Alter von 16 bis 24 Monaten teil, die per Zufall in drei Studiengruppen aufgeteilt wurden. Studiengruppe eins erhielt am Anfang der Testphase die Schnuller mit dünnen Saughals der Marke MAM Perfect. MAM Perfect ist durchschnittlich 60 Prozent dünner und viermal flexibler als herkömmliche Silikonschnuller. Gruppe zwei verwendete weiter den konventionellen Schnuller, die dritte Gruppe wurde während des Untersuchungszeitraums von zwölf Monaten vom Schnuller entwöhnt.

„Diese Langzeitstudie konnte erstmalig zeigen, dass das Risiko der Entstehung von Zahnfehlstellungen wie Überbiss und offenen Biss bei der Verwendung eines sehr dünnen flexiblen Schnullers wesentlich geringer ist als bei herkömmlichen Schnullern“, sagt Zahnärztin und Studienleiterin Dr. Yvonne Wagner. Der MAM Perfect erzielte im Vergleich zu herkömmlichen Schnullern bessere Messergebnisse in Bezug auf Überbiss und frontal offenen Biss. Im Untersuchungspunkt horizontaler Überbiss erwies er sich als ebenso wirkungsvoll wie die vollständige Abgewöhnung.

Schnullerentwöhnung – manchmal eine Herausforderung

Die Studie zeigte aber auch: Am besten ist es, die Kinder frühzeitig von Schnuller zu entwöhnen. Doch was heißt frühzeitig? Das sagt die Jugendzahnpflege Hessen: „Das Saugbedüfnis nimmt im zweiten Lebensjahr gegenläufig zum Erlernen des Kauens ab. Mit Beginn des dritten Lebensjahres ist das Saugen des Schnullers kein Bedürfnis mehr, sondern nur noch eine schlechte Angewohnheit.“

Mitunter ist die Entwöhnung vom Schnuller jedoch kein leichtes Unterfangen. So konnten während der Studie beispielsweise sechs Kinder nicht vom Schnuller entwöhnt werden. Drei Kinder begannen zudem mit dem Daumenlutschen. Doch welche Tipps kann man den Eltern an die Hand geben, wenn sich das Kind nicht von seinem Schnuller trennen will?

"Zahnfreundlicher" Schnuller für die Übergangszeit

Nach dem ersten Geburtstag sollten Eltern ihr Kind daran gewöhnen, dass es den Schnuller nur noch zum Einschlafen bekommt. Das Saugbedürfnis ist meistens schon innerhalb weniger Minuten befriedigt. Daher sollten Eltern ihren Kindern den Schnuller so selten und so kurz wie möglich geben und auch nur wenn das Kind ihn ausdrücklich verlangt. Darüber hinaus sollte nur ein Schnuller griffbereit sein.

Während dieser Übergangszeit ist es zudem sinnvoll, dem Kind einen besonders „zahnfreundlichen“ Schnuller zu geben. Wie die Studie aus Jena gezeigt hat, ist der MAM Perfect eine sehr geeignete Alternative, bis sich das Kind langsam vom Schnuller entwöhnen lässt.