Anne Barfuß
07.11.16 / 13:15
DVT-Diagnostik

Verantwortungsbewusstes Röntgen

Lange galt die DVT-Diagnostik als „too much“. Niedrigdosisprotokolle und Preissenkungen sollen einen Paradigmenwechsel einläuten. Wird sich die DVT-Diagnostik flächendeckend durchsetzen?



Aufgrund der hohen Strahlenbelastung schreckten in der Vergangenheit viele Patienten und Zahnärzte vor DVT-Aufnahmen zurück. Die Hersteller haben darauf mit der Entwicklung von Low-Dose-Modi reagiert. Steht ein Paradigmenwechsel an?

Schulze: Davon ist auszugehen. Denn mit dem Low-Dose-Modus dringt die 3D-Diagnostik in Bereiche vor, die bislang für 2D-Verfahren reserviert waren. Zusammen mit geringeren Anschaffungskosten und verbesserter Bildqualität dürften sich die Akzeptanz und die Investi‧tionsbereitschaft deutlich erhöhen. Schließlich erlauben solche Protokolle das optimale Gleichgewicht aus Dosis und Bildqualität bei geringstmöglicher Belastung für den Patienten.

Ölschläger: Was Dosis- und Kostenreduktion angeht, dürfte Planmeca eine Vorreiterrolle spielen. Unser vor drei Jahren eingeführtes Ultra-Low-Dose-Protokoll reduziert die Dosis um bis zu 75 Prozent bei nur geringen Einschränkungen der Bildqualität. Zudem bieten wir Geräte mit einem kleinen Field of View (FOV) auf dem Preisniveau eines High-End-Panoramageräts an.

Vietor: Die Möglichkeit der Dosisreduzierung war für mich ausschlaggebend für die Kaufentscheidung. Ich mache heute 50 Prozent meiner DVT-Aufnahmen in ULD-Modus, also mit einer Strahlenbelastung von 11 bis 15 µSv, bei herkömmlichen Panoramaschichtaufnahmen kann die Dosis durchaus auch bei 20 µSv liegen. Die Dosisreduzierung kommt beim Patienten an und hat sich inzwischen zu einem Marketingargument entwickelt.

Bumann: Der Begriff Ultra Low Dose (ULD) könnte aber zu Missverständnissen führen.

Inwiefern?

Bumann: Der Terminus könnte beim Patienten oder Überweiser suggerieren, dass das Gerät selbst eine sehr geringe Strahlenbelastung aufweist. Streng genommen ist dies aber nicht korrekt. Mit jedem DVT-Gerät lässt sich eine Vielzahl von Protokollen anwenden. Richtig ist aber, dass nach dem weltweit gültigen ALARA-Prinzip (as low als reasonable achievable) den mAs-reduzierten Protokollen mit sehr niedriger effektiver Dosis der Vorzug gegenüber den konventionellen 2D-Aufnahmen gegeben werden müsste. Niedrigdosisprotokolle verlangen aber auch deutlich mehr radiologische Detailkenntnisse, um bei einem Patienten die individuell korrekten Einstellparameter in Abhängigkeit von der jeweiligen Indikation und Fragestellung vornehmen zu können.

Wie steil ist die Lernkurve?

Schulze: Das Anfertigen guter DVT-Aufnahmen setzt per se gute Detailkenntnisse voraus, nicht nur bei Low-Dose-Protokollen. Die zweitägige Pflichtfortbildung reicht meines Erachtens da nicht aus. Deutschlandweit gibt es mehr als 4.000 DVT-Installationen, allein in Baden Württemberg sind es rund 700. Bestimmt die Hälfte der Aufnahmen könnte qualitativ deutlich besser sein. Das zeigen die Aufnahmen niedergelassener Kollegen, die uns zur konsiliarischen Begutachtung geschickt werden. Da sind aus meiner Sicht der Handel, die Standespolitik und die Politik in der Pflicht.

Wie helfen die Hersteller?

Ölschläger: Wir unterstützen unsere Kunden mit regelmäßigen Anwendertreffen und bieten Fortbildungsveranstaltungen an.