Anne Barfuß
24.03.16 / 09:16
Expertenzirkel: Ein Thema, vier Meinungen

Straffe Konzepte, neue Patienten

Mehr Zeit- und Kosteneffizienz bei Standardindikationen versprechen „abgespeckte“ Implantatsysteme. Das straffe Therapiekonzept senkt den Preis, neue Patientengruppen können sich den festsitzenden Zahnersatz leisten. Doch welche Indikationen lassen sich mit diesen Konzepten realisieren? Eignen sie sich für Einsteiger? Wie sieht die Studienlage aus?



Reduzierte Systeme setzen vor allem auf die transgingivale Einheilung. Die Vorteile liegen auf der Hand: Man spart sich einen weiteren Eingriff und damit Zeit und Behandlungskosten. Doch nicht alle Praxen scheinen diese Vorzüge zu schätzen …
Klenke: Es beginnt aber ein Umdenken. Dass das einzeitige Vorgehen bei den richtigen Indikationen enorme Vorteile hat, belegt inzwischen auch eine ganze Reihe unterschiedlicher Studien. Noch fühlen sich viele Kollegen bei der zweizeitigen Einheilung sicherer. Das muss man akzeptieren, das ist auch eine Sache der Gewohnheit.

Auch immer mehr Patienten wünschen sich kürzere Behandungszeiten …
Rähle: … und da helfen einfache Konzepte mit wenigen Komponenten für die Sofortversorgung und die Abformung sowie mit Einpatienten-Bohrern zur Aufbereitung des Implantatlagers. Wer sich beim zweizeitigen Inserieren sicherer fühlt, kann dennoch die Vorzüge des reduzierten Systems nutzen und spart Zeit und Kosten. Das iSy Implantatsystem ist eine Lösung für alle.
Ulrici: Und die braucht es, um neue Patientenkreise zu erschließen. Schließlich sollen Patienten mit begrenzen Mitteln Implantatlösungen nicht vorenthalten werden. Die Deutsche Gesellschaft für Implantologie beziffert die Zahl der in Deutschland gesetzten Implantate seit Jahren mit 800 000 bis 1 Million pro Jahr. Es könnten aber durchaus mehr Implantate gesetzt werden. Denn straffere, effiziente Konzepte senken nicht nur die „Stuhlkosten“.
Sader: Richtig, das Bestechende ist in der Tat die Reduktion der Komponenten. Genau deshalb haben wir uns in Frankfurt für das iSy System entschieden. Die meisten Implantatsysteme sind heute extrem überladen. Man weiß kaum noch, welche Komponenten man parat haben muss, wo welches Teil lagert. Die gesamte Logistik wird letztlich zum Problem.

Sind reduzierte Systeme einfacher zu handeln, also etwas für Newcomer? Wie steil ist die Lernkurve?

Klenke: Einfacher zu handeln schon, aber nichts für Einsteiger. Der Zahnarzt muss im Vorfeld klar abschätzen können, ob sich die jeweilige Situation für ein transgingivales Vorgehen eignet oder nicht. Er muss in der Lage sein, auch während der OP umzuschwenken, wenn erforderlich. Auch das Weichgewebe spielt eine große Rolle für eine transgingivale Einheilung, für die ein stabiles und dickes Gewebe vorhanden sein sollte.
Ulrici: Wir sehen es als ein Ergänzungssystem, das nicht für die ersten eigenen Implantatinsertionen gedacht ist. Auch wenn genau solche Fälle sicher „Einsteigerfälle“ wären. Die Reduzierung der Komponenten ging ja auch zulasten der Hilfsmittel, z. B. Bohrstopps, die gerade bei den ersten Implantationen sehr hilfreich sind. Auch das reduzierte Bohrprotokoll und die sehr starke Schneidleistung der Bohrer erfordern ein ruhiges Händchen und eine gewisse Übung.
Sader: Bei einem Implantatsystem kann man grundsätzlich nicht von flacher oder steiler Lernkurve sprechen. Die Grundregeln der Implantologie müssen sitzen, und die sind systemunabhängig. Der Behandler muss das chirurgische Verfahren beherrschen. Reduzierte Systeme versuchen Teilbereiche der Implantologie effizienter zu gestalten und mögliche Fehlerquellen zu reduzieren. Das Know-how des Implantologen hat aber auch dabei eine besondere Bedeutung.

Ist das in erster Linie auf die transgingivale Einheilung zurückzuführen?
Sader: Die transgingivale Einheilung verkürzt den operativen Aufwand natürlich deutlich, gar keine Frage. Viel entscheidender aber ist aus meiner Sicht, dass die prothetische Nachversorgung übersichtlicher, standardisierter und einfacher funktioniert. Das macht es nicht nur während der OP, sondern auch anschließend unkomplizierter.



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