Anne Barfuß
15.06.16 / 00:00
Experten aus Praxis, der Hochschule und der Industrie diskutieren im aktuellen Expertenzirkel

Sofortimplantation: Akzeptanz steigt

Die Verkürzung der Behandlungsdauer durch Sofortimplantation plus Sofortversorgung erhöht die Patientenzufriedenheit und den Patientenkomfort. Längere Zeiträume der Zahnlosigkeit oder der Versorgung mit ästhetisch und funktionell kompromittierenden Provisorien lassen so sich vermeiden. Sind die „Wartefristen“, die durch die Ausheilung der Alveole und die gedeckte, unbelastete Einheilphase entstehen, bald „Vergangenheit“? Werden die Ergebnisse voraussagbarer, das Indikationsspektrum breiter? Was tun bei Parodontitispatienten? Welche Rolle spielt die Primärstabiliät? Was gibt es Neues in Sachen „jumping distance“? Das diskutierten Experten aus der Praxis, der Hochschule und der Industrie im aktuellen Expertenzirkel.



Niedergelassene Zahnärzte wünschen Konzepte, die sicher funktionieren. Kann die Sofortimplantation das heute leisten?
Wessing:
Bei richtiger Indikationsstellung und Anwendung definitiv. Das zeigen aktuelle, gut angelegte Studien sowie systematische Übersichtsarbeiten und Metaanalysen. Khzam et al. haben dazu zum Beispiel erst Ende letzten Jahres im Journal of Periodontics eine schöne Übersicht gegeben.

Zeichnet sich damit eine Trendwende ab?
Stahl: Noch keine Trendwende, aber Sofortimplantation und Sofortversorgung sind heute wissenschaftlich gut dokumentiert. Die Erfolge sind vor allem auf die Entwicklung rauer Oberflächen und selbstschneidender Gewinde zurückzuführen. Mit den geeigneten Implantaten und Aufbauten erreicht man heute eine Primärstabilität, die den Einstieg in die Sofortversorgung guten Gewissens erlaubt. Die Produkte und Konzepte für die Sofortimplantation und -versorgung entwickeln sich kontinuierlich weiter. Die Bedeutung wächst.

Aber das konventionelle Vorgehen bleibt State of the Art?
Tepper: Natürlich. Die Sofortimplantation etabliert sich als zusätzliche Technik, als zusätzliches Protokoll. Ersetzen möchte und kann sie das traditionelle Vorgehen nicht. Ziel ist es, nach atraumatischer Extraktion die Alveole durch die Sofortimplantation und Sofortversorgung aufrechtzuerhalten und dem Patientenwunsch nach schneller und leistbarer Versorgung entgegenzukommen. Die Sofortimplantation vermag im Idealfall eine spätere Augmentation zu ersparen und reduziert die Zahl der Eingriffe und damit auch das Trauma deutlich. Essenziell ist dabei die richtige Indikationsstellung. Die Entscheidung, ob ein Sofortimplantat zum Einsatz kommen kann oder es doch die klassische Vorgehensweise braucht, erfordert fundierte klinische Erfahrung.