Anne Barfuß
11.10.16 / 14:54
Expertenzirkel

Mundspülungen: Was bringen ätherische Öle?

Es gibt zahllose Mundspüllösungen. Die eine verspricht Hilfe bei Zahnfleischerkrankungen, die andere will bei der Kariesverhütung unterstützen, das dritte Mittel verschafft schlicht frischen Atem. Fallen Mundwasser unter die „Verordnung für kosmetische Mittel“, können Zutaten und Farbstoffe beliebig zusammengemischt werden, solange das Produkt dem Menschen nicht schadet. Was hilft wirklich?



Wer zusätzlich zur mechanischen Zahnreinigung Mundspülungen anwendet, erhöht seine Chance auf plaquefreie Zähne und gesundes Zahnfleisch, lautet die Werbung zahlreicher Hersteller. Was ist da dran?
Noack: Wer heilt hat recht, heißt es oft so schön. Aber wer recht haben will, muss auch den Nachweis erbringen, dass eine Mundspüllösung auch eine beweisbare und klinisch relevante Wirkung erzielt, ohne dabei unerwünschte Effekte zu provozieren. Dies bedeutet im Alltag, dass man nach klinischen Studien fragen muss, in denen nicht irgendein Teilparameter bestimmt wird, sondern ein relevanter Gesundheitsnutzen erzielt wurde. Für viele Mundspüllösungen ist diese Forderung bequem erfüllbar.
Saxer: Werden Mundspülungen gezielt eingesetzt, sind sie eine große Hilfe. Dazu braucht es allerdings eine genaue Indikation, die wiederum eine exakte Diagnose voraussetzt – mit umfassender Anamnese, Untersuchung der Biofilme in der Mundhöhle und ggf. auch der systemisch zusammenhängenden weiteren Organe.

Das klingt zeit- und beratungsintensiv.
Rode: Ist es auch. Denn Patienten müssen im ersten Schritt die Ursachen für mögliche Zahn- und Zahnfleischprobleme kennen und verstehen. Nur dann kann ein aktives Putzverhalten im Sinne der Dreifachprophylaxe erwartet und ein sinnvoller Einsatz von Mundspüllösungen gewährleistet werden. Entscheidend bei der Wahl der richtigen Spüllösung ist nicht etwa der „frische Atem“, sondern die Wirkung auf die orale Plaque und die Funktion der Biofilmkontrolle. Präparate mit den Wirkstoffen Amin- und Zinnfluorid, Chlorhexidindigluconat und ätherischen Ölen erfüllen diese Funktion.

Was heißt das in der Praxis?
Rode: Unsere Empfehlungen, die wir entsprechend der individuellen Patientensituation geben, beschränken sich auf diese drei Wirkstoffgruppen. Das Praxisteam sollte grundsätzlich über Nebenwirkungen aufklären, zum Beispiel auf mögliche Verfärbungen bei dauerhaftem Gebrauch bestimmter Präparate hinweisen. Möchten Patienten eine Mundspüllösung zur Unterstützung der täglichen Mundhygiene verwenden, sollten sie wissen, dass Spülen nur nach mechanischer Reinigung eine erfolgreiche Biofilmkontrolle verspricht.



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