ANNE BARFUSS
09.06.17 / 00:00
Ein Thema, drei Meinungen

Mischen neu erfunden: Was bringen die kurzen Mischkanülen in der Praxis?

Anfangs unterschätzt, heute „State of the Art“: Mehrkomponentensysteme zum Mischen, Dosieren und Austragen. Doch stimmen die Fertigungstoleranzen der Mischkanülen nicht, drohen Fehler bei den Restaurationen und Abformungen sowie „Mischunglücke“. Das richtige Equipment und neue Applikationen garantieren dagegen vorhersagbare Mischergebnisse, reduzieren die Kosten und verbessern das Handling.


1__Mixpac-154316_Dispenser_kurz.jpg Abb. 2: „Handmischer“ Abb. 3a: Aufbau, Messung, Mischqualität Abb. 3b: Vergleich Mischqualität bei einer Helix-Mischkanüle (oben) und einem T-Mixer (unten) Abb. 4: MIXPAC T-Mixer Abb. 5: MIXPAC: Das Original Abb. 6: Die Verwendung von Originalteilen Tipp für die Praxis - Vor der Behandlung Tipp für die Praxis - Man sollte sich vergewissern, dass aus beiden Ausgängen der Kartusche beim erstmaligem Gebrauch gleichmäßig Material ausgetragen wird.

Automixsysteme verhindern Dosierfehler, standardisieren massiv und machen Ergebnisse voraussagbar. Ist das Handmischen heute noch diskutabel?
Wöstmann:
Mit Blick auf die standardisierte Vorgehensweise sind automatisch mischbare Abformmaterialien handgemischten Varianten unbedingt vorzuziehen. Dünnfließende A-Silikone werden heute nahezu ausnahmslos in Kartuschensystemen, also mit Statikmischern, geliefert. Selbst Putty-Materialien, also knetbares Material für Doppelmisch- und Korrekturtechnik, lassen sich inzwischen automatisch mischen. Wer für Präzisionsabformungen für festsitzenden Zahnersatz und Implantate heute nicht mit automatischen Mischsystemen arbeitet, nutzt nicht den „State of the Art“. Er sollte sich überlegen, sein Vorgehen zu ändern.

Gilt das für Deutschland oder weltweit?
Jutzi:
Das gilt für weite Regionen Europas, weltweit noch nicht. In einigen Ländern, vor allem in Schwellenländern, ist das Handmischen selbst im Bereich der Präzisionsabformung durchaus noch verbreitet. Auch in Brasilien überwiegt die Handmischvariante.

Wo lauern denn Gefahren beim Handmischen?
Bartling:
„Handmischer“ müssen auf eine ganze Reihe von Mischvorteilen verzichten. Allein das punktgenaue Applizieren − ohne Umfüllen, ohne Zeitverlust − lässt sich nur mit Automixsystemen umsetzen.
Wöstmann: Das automatische Mischen garantiert dem Behandler eine homogene Durchmischung der Massen und wirkt der Entstehung endogener Spannungen infolge einer im Moment der Applikation schon fortgeschrittenen Vernetzung entgegen. Das ist per Handmischung kaum zu schaffen.

Worin liegen die wesentlichen Vorteile der Automixsysteme für den Anwender?
Jutzi:
Mit Automixsystemen gelingt die korrekte Mischung der A- und B-Komponenten einfach und sicher. Der Anwender kann sich auf ein optimales Mischergebnis verlassen. Und das richtige Mischverhältnis von Basispaste und Katalysatorpaste gilt als Garant für korrekte Materialreaktionen. Vor allem bei Befestigungskompositen entscheidet die richtige Mischung und Dosierung über den Erfolg und Misserfolg der Versorgungen.
Bartling: Zudem besteht beim Umfüllen von handgemischtem Material in eine Applikationsspritze die Gefahr, Luft einzuschleppen. Im ungünstigsten Fall haben wir dann irgendwo Luftblasen, wo wir sie nicht gebrauchen können, sei es in der Abformung, im Wurzelkanal oder im Provisorium. Das passiert bei Automixsystemen nicht.

Seit wann erobert das automatische Mischen eigentlich den Markt?
Wöstmann:
Los ging es bereits Anfang der 80er Jahre. Damals kamen die ersten Kartuschen auf den Markt, zunächst in den USA, dann auch in Deutschland.
Jutzi: Und seitdem bietet auch Sulzer Mixpac weltweit automatische Mischsysteme an. Allerdings liefern wir nicht an den Endkunden – also den Zahnarzt. Sondern wir arbeiten ganz eng mit den Herstellern zusammen. Die Hersteller-Formulierung und unsere Systeme bilden zusammen ein abgestimmtes Applikationssystem.

Warum stellen die Hersteller nicht in Eigenregie die Mixsysteme für den Dentalmarkt her?
Bartling:
Einige Hersteller tun das und denken nicht immer an den Endverbraucher. Ein plötzlicher Systemwechsel kann schon mal verwirren, wenn es um Nachbestellungen geht. Passen dann die vorhandenen Mischkanülen nicht mehr zur neu bestellten Doppelkartusche ist es einfach nur ärgerlich.
Wöstmann: Zum Teil, zum Beispiel für das extrem schwierig zu mischende Impregum, wurde der Pentamix-Schlauchmischer mit eigenen Mischkanülen entwickelt. Pasten mit höheren Viskositäten gehen durch Statikmischer mühsam durch. Für diese sind dynamische Systeme zu bevorzugen.
Jutzi: Das sind allerdings eher die Ausnahmen. Denn die Materialhersteller verstehen sich in erster Linie als Anbieter von gesamtheitlichen Lösung für die zahnmedizinische Versorgung und konzentrieren sich auf ihr Kerngebiet, auf die Herstellung zahnärztlicher Materialien/Werkstoffe. Herstellung und Produktion von Kunststoffmischkanülen zählen definitiv nicht zu ihrem Kerngeschäft.

Und darum wird „zugekauft“?
Jutzi:
Genau – und zwar von fast allen Herstellern in diesem Segment. Die Zusammenarbeit hat sich bewährt. Wir stellen große Mengen der Mischkanülen kostengünstig und mit konstant hoher Qualität her. Es handelt sich ausschließlich um Einwegprodukte.