Anne Barfuß
21.03.17 / 00:01
Expertenzirkel – Ein Thema, vier Meinungen

Laseraktiviertes Spülen bald Goldstandard?

Lange eine Randerscheinung, jetzt im Kommen: das laseraktivierte Spülen des Wurzelkanals. Die photoneninduzierte photoakustische Spülmethode „PIPS“ scheint sich zu etablieren.


Laseraktiviertes Spülen im Wurzelkanal Abb. 1a: PIPS-Tip Abb. 1b: Zahn 24 Ausgangssituation Abb. 1c: Situation nach Aufbereitung mit laseraktivierter Spülung mit PIPS und thermoplastischer Obturation Abb. 1d: Apikales Delta mesial, laseraktiverte Spülung mit PIPS und thermoplastische Obturation Abb. 2a: Ausgangssituation Zahn 36, Abb. 2b: Abschlussröntgenbild Zahn 36 Abb. 3a: Ausgangssituation 31, 32, Zahn 32 mit frakturiertem Instrument und Perforation nach bukkal alio loco Abb. 3b: Situation nach Desinfektion mit PIPS Abb. 4a: Ausgangssituation Zahn 37

Die Methode ist bestechend: Man hält den Lasertip in die mit Spülflüssigkeit gefüllte Pulpakammer, und selbst der versteckteste und engste Kanal scheint sich gefahrlos und deutlich schneller als bisher desinfizieren zu lassen. Das photoneninduzierte photoakustische Verfahren PIPS gibt es seit 2011. Wie ist der aktuelle Hype zu erklären?
Wollner: Der Kongress der European Society of Endodontology in Barcelona im September 2015 hat die Wende eingeläutet. Erstmals stand das laseraktivierte Spülen im Fokus eines internationalen Endodontologenkongresses. Erstmals präsentierten auf internationalem Parkett Referenten Studien, die nachweisen, dass das laseraktiverte Spülen der Ultraschallmethode überlegen ist …
Schlichting: Die Studien zeigen, dass das laseraktivierte Spülen mit PIPS vor allem hinsichtlich der interkanalären Bakterienreduktion, der Entfernung von Biofilm und Debris der ultraschallaktivierten Spülung überlegen ist. In interkanalären Geflechten, zum Beispiel zwischen einem MB- und einem ML-Kanal bei Unterkiefermolaren und in den Dentintubuli, scheint die laseraktivierte Spülung effektiver zu reinigen.

Welches Equipment braucht es?
Dahlinger: Den Er:YAG-Laser, den PIPS-Tip und die Spüllösung, das war’s.

Warum gerade den Er:YAG-Laser?
Schlichting: Wegen seiner Wellenlänge von 2.940 nm. Das Absorptionsmaximum von Natriumhypochlorit (NaOCl), Ethylen-Diamin-Tetra-Acetat (EDTA) und Wasser liegt exakt bei der Er:YAG-Laser-Wellenlänge. NaOCl mit seiner antimikrobiellen Wirksamkeit auf die Mehrzahl endodontisch signifikanter Keime und seiner gewebsauflösenden Wirkung sowie die Fähigkeit von EDTA zur Auflösung des bei jeder Aufbereitung entstehenden Smearlayers stellen nach wie vor den Goldstandard im Hinblick auf die verwendeten Spüllösungen dar. Durch Laseraktivierung kommt es zusätzlich über weitere physikalische Effekte zu der sehr effektiven Reinigungswirkung in Verbindung mit PIPS.

Bitte konkretisieren Sie das.
Schlichting: Je besser die Absorption der Laserstrahlung in einem Spülmedium ist, desto besser ist auch der Energietransfer der Laserstrahlung zu dem entsprechenden Medium. Je besser also dieser Energietransfer erfolgt, desto effektiver sind die Reinigungseffekte im Wurzelkanalsystem. Daneben spielt aber auch die Dauer eines Laserimpulses eine entscheidende Rolle.
Nur die geringe Pulsdauer von 50 Mikrosekunden in Verbindung mit geringen subablativen Energien von zirka 15 mJ führt zu solch hohen Energiespitzen, die für diesen Reinigungseffekt notwendig sind. Auch das patentierte PIPS-Tip-Design ist wichtig. Erst das Zusammenspiel all dieser Faktoren garantiert die exzellente Reinigungswirkung.

Arbeiten Sie auch mit dem Diodenlaser oder dem Neodym-dotierten YAG-Laser, kurz Nd:YAG-Laser?
Schlichting:
Weder noch! Ein Desinfizieren im trockenen Kanal lehne ich ab. Die Laserenergie kann zu sehr hohen Temperaturen im Kanal führen, die die Zahnhartsubstanz schädigen. Das gilt vor allem für gekrümmte Kanäle. Denn eine Laserstrahlung erfolgt grundsätzlich geradlinig.
Wir nutzen seit einem Jahr in unserer Praxis ausschließlich den Er:YAG-Laser und die PIPS-Methode zur Wurzelkanaldesinfektion und sind damit sehr zufrieden. Im Gegensatz zur konventionellen Laser-Endodontie sprechen wir von Laseranwendung im mit Spülflüssigkeit gefüllten Kanalsystem. Da die PIPS-Spitze nur oberhalb der Kanaleingänge verwendet wird, ist die Gefahr einer Extrusion von Spülflüssigkeit deutlich geringer.



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