Anne Barfuß
21.03.17 / 00:00
Expertenzirkel – Ein Thema, drei Meinungen

Gebündelte Wurzelstifte: simpel und sicher

Neue Materialien und Designs bringen Schwung in die kontrovers diskutierte Wurzelstiftversorgung. Der Clou: Die den Zahn schwächende Stiftbettaufbereitung entfällt. Die Bündel passen sich jeder Morphologie und Aufbereitung an und sind einfach zu inserieren. Sind damit Masterstifte out? Darum geht es im aktuellen Expertenzirkel des DENTAL MAGAZINs.


Gebündelte Wurzelstifte Ausgangssituation nach endodontischer Behandlung, Zahn 23 Okklusale Ansicht nach Entfernen der koronalen Wurzelfüllung Vorbereitung der einzelnen Wurzelstifte Okklusale Ansicht Polymerisation des modellierten Kompositaufbaus Fertige Präparation vor der Abformung Abschlusssituation Ovaler Wurzelkanalquerschnitt nach Entfernung der Wurzelfüllung Einprobe eines Rebilda Post GT Nr. 12 Vorbereitung des Stifts mit Rebilda DC gefüllte Wurzelkanal Stumpfaufbau Präparierte Zähne Rebilda Post GT gibt es in vier Größen. Einbringen des gebündelten Wurzelstifts

Ob ein endodontisch versorgter Zahn einen Wurzelstift braucht oder nicht, ist in der Praxis durchaus umstritten. Gibt es klare Vorgaben?
Gernhardt: Das Setzen von Wurzelstiften ist indiziert, wenn ein hoher Substanzverlust der klinischen Krone vorliegt und damit eine genügende Retention der finalen restaurativen Versorgung schwierig oder gar nicht zu realisieren ist. Lediglich das Ausmaß des Zahnhartsubstanzverlusts indiziert die Stiftversorgung. Die in der Vergangenheit häufig vermutete Stabilisierung des Restzahns durch einen Stift ist wissenschaftlich nicht zu begründen.
Meyer-Sandberg: Bei endodontisch behandelten Zähnen mit geringem bis mittlerem Zerstörungsgrad kann mit einem adhäsiven Aufbau auch ohne Stift eine zuverlässige Verankerung für die definitive Versorgung erzielt werden. Die Weiterentwicklung der Adhäsivtechnik reduziert die Notwendigkeit von Wurzelstiften.
Hemeyer: Sind noch zwei Kavitätenwände erhalten, braucht es heute definitiv keinen Stift mehr.

Wird das in der Praxis auch so gehandhabt? Ein Drittel der deutschen Zahnärzte plädiert immerhin für das Inserieren eines Stifts nach jeder endodontischen Behandlung. (J Prosthet Dent 2006; 96:332–8).
Gernhardt: Lange Zeit, bis Mitte bzw. Ende der 90er Jahre, galt in der Zahnmedizin das Dogma, endodontisch behandelte Zähne müssten grundsätzlich mit einem Wurzelkanalstift versorgt werden, um die geschwächte Wurzel zu stabilisieren. Viele Zahnärzte scheinen es in der Tat auch heute noch so zu sehen. Doch die Annahme ist falsch; tatsächlich schwächt die Stiftbettkanalpräparation durch den erneuten Zahnhartsubstanzverlust die Stabilität der Wurzel zusätzlich.
Hemeyer: Nur wenn praktisch keine klinische Krone mehr vorhanden ist, führt kein Weg an einer postendodontischen Versorgung mit Wurzelstiften vorbei. Das ist besonders häufig bei mehrwurzeligen Molaren der Fall, da diese eine umfangreiche Zugangsbohrung benötigen. Das Gros der zurzeit durchgeführten Stiftinsertionen zieht wie Prof. Gernhardt bereits ausführte eine Schwächung des Zahns nach sich.

Wie kommt es zu der Schwächung, wo doch die Hälfte der Zahnärzte meint, ein Stift diene der Stabilisierung des Zahns?
Meyer-Sandberg: Sie ist auf das in der Praxis dominierende Prinzip zurückzuführen, einen „Masterstift“ zu setzen. Die dafür notwendige Stiftkanalpräparation kostet neben der Wurzelkanalaufbereitung und der Präparation der Trepanationsöffnung zusätzliche Zahnhartsubstanz.

Gilt das nur für diese konfektionierten Masterstifte?
Gernhardt: Jedenfalls in der Hauptsache. Solche Stifte gibt es nur in genormten Größen, die in der Regel nur in einigen Fällen ohne weitere Präparationsmaßnahmen inseriert werden können.

So dass der Stift nie perfekt passt, mal zu klein, mal zu groß ist?
Gernhardt: Genau – und dann muss präpariert werden …
Meyer-Sandberg: … bis das Stiftbett zum Stift passt.

Wie aufwendig kann das werden?
Meyer-Sandberg: Der Aufwand hält sich eigentlich in Grenzen – es braucht dazu einen auf den Stift abgestimmten Bohrer für die Präparation, das war’s. Doch die Wurzel und damit der gesamte Zahn werden geschwächt. Je nach Stiftdesign kostet die Präparation mal mehr, mal weniger Zahnhartsubstanz.