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15.04.17 / 00:00
Expertenzirkel: Ein Thema, vier Meinungen

Die neuen Schmalen: zweiteilig und sicher

Es gibt dicke, stabile Implantate sowie im Durchmesser reduzierte Varianten. Und dann kommen noch die Miniimplantate. Wann sind welche Varianten indiziert? Was bringen die neuen zweiteiligen Schmalen? Und ab welchen Durchmessern drohen Frakturen? Eine Standortbestimmung.


Abb. 2: Normal breite Frontzahnlücke Abb. 3: Sichtbar dünner Alveolarfortsatz besonders nach apikal. Abb. 4: Implantatposition wird durch Ankörnung mittels Rosenbohrer festgelegt. Abb. 5: Pilotbohrung Abb. 6: Aufbereitung des Implantatbetts Abb. 7: Nachbearbeitung des Bohrschachts Abb. 8: Inseriertes 2,9-mm-Implantat Abb. 9: Spannungsfreier Wundverschluss Abb. 11: Reizlose Gingiva Abb. 12: Optimale Osseointegration des Implantats Abb. 13: Ovalärer Gingivaformer des 2,9-mm-Implantates

Was genau ist heute unter durchmesserreduzierten Implantaten zu verstehen?
Walter:
Alle Implantate mit einem Durchmesser von weniger als 3,5 mm. Diese werden abgegrenzt gegenüber den Standardbreiten, die sich zwischen 3,75 und 4,5 mm bewegen. Es bietet sich eine Einteilung in drei Gruppen an:

  • Gruppe 1: Zweiteilige Implantate mit 3,3 bis 3,5 mm Durchmesser
  • Gruppe 2: Zweiteilige Implantate mit 3,0 bis 3,25 mm Durchmesser
  • Gruppe 3: Einteilige und inzwischen auch zweiteilige Implantate mit weniger als 3 mm Durchmesser.Dabei handelt es sich meist um einteilige Implantate, sogenannte Miniimplantate. Es gibt aber auch zweiteilige Implantate mit einem Durchmesser < 3 mm.

Wegener: Mit der Einteilung von Professor Walter gehe ich konform, aber bei zu den wirklich durchmesserreduzierten Implantaten im Praxisalltag zählen meiner Ansicht nach nur die neuen zweiteiligen Implantate, die einen deutlich geringen Durchmesser haben als die seit Jahren etablierten.

Ein zweiteiliges Implantat mit weniger als 3 mm Durchmesser von einem Premiumhersteller ließ allerdings relativ lange auf sich warten …
Wegener: Und das zu Recht! Straumann hat beispielsweise wegen des Frakturrisikos besonders im Bereich der Implantatschulter lange gezögert, ein Implantat < 3,3 mm in den Markt einzuführen. Mit neuen Werkstoffen und Oberflächenbeschichtungen sowie korrekter Indikationsstellung sind die Frakturrisiken „vom Tisch“.

Ist das so, Herr Ukelo?
Ukelo:
Ja, dank der neuen, hochfesten Materialien sind auch zweiteilige Lösungen in diesen Dimensionen am Markt erhältlich. „Unser“ neues Implantat BLT (Bone Level Tapered) 2,9 mm SC zeichnet sich durch besonders gute mechanische und biokompatible Eigenschaften aus. Es verfügt über eine hohe Primärstabilität und erweiterte Behandlungsoptionen und somit eine große Versorgungsflexibilität.

Darf es auch ein noch geringerer Durchmesser bei Zweiteiligen sein, oder ist bei 2,9 mm die Grenze erreicht?
Wegener:
Aus technischer Sicht kann ich das nicht beurteilen. Aus klinischer Sicht halte ich aber eine weitere Durchmesserreduzierung ohnehin für unnötig. Schmale Zweiteilige sollen in engen Lücken schließlich dem vollwertigen Einzelzahnersatz dienen. Entsprechend definiert sich der Bedarf. Ein 3,3-mm-Implantat ist dafür in bestimmten Indikationen schlicht zu breit, das 2,9er passt dagegen perfekt. Kleinere Durchmesser braucht es meiner Meinung für vollwertige Einzelzahnversorgungen nicht.
Walter: Mit Blick auf die Klinik schließe ich mich an. Zur Technik möchte ich anmerken, dass bei durchmesserreduzierten zweiteiligen Implantatsystemen Ermüdungsbrüche bei Überschreiten der Belastbarkeit der Materialien durchaus ein Problem darstellen können. Die Implantatwände im Bereich der Ankopplung an die Sekundärelemente sind bei durchmesserreduzierten zweiteiligen Systemen sehr schlank und können nachgeben.
Faoro: Da stößt man einfach rasch an mechanische Grenzen, die bei der Entwicklung berücksichtigt werden müssen.

Was hilft?
Faoro:
Vor allem die richtige Legierung und Oberflächenbeschichtung kombiniert mit einer umfassenden Produktentwicklung mit Finite Element Simulation. Weiter werden die Produkte intensiv im Labor getestet bevor sie klinisch eingesetzt werden. So lässt sich das Risiko einer Überbeanspruchung minimieren.



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