Anne Barfuß
25.04.16 / 12:20
Ein Thema, drei Meinungen

Chairside-Brücken – eine Revolution

Thema Verblendungen

Wie häufig werden monolithische Zirkonoxidversorgungen durchschnittlich eingesetzt?
Möller:
Da kommt es auf die jeweilige Indikation an. Vollzirkonoxid ist vor allem für den Seitenzahnbereich eine Option: Eine aktuelle Befragung (Exevia 2015) zeigt, dass 45 Prozent aller Zahnärzte in Deutschland bereits Restaurationen aus Vollzirkon eingesetzt haben.

Lange wurde Zirkonoxid aufgrund der Farbgebung verblendet und Chipping in Kauf genommen. Sind Verblendungen mit den neuen Farbgebungsmöglichkeiten heute noch ein Thema?
Wiedhahn: Nein, in unserer Praxis nicht mehr, es sei denn im Frontzahnbereich.
Beuer: Und im Seitenzahnbereich sollte man für Kronen auch spätestens seit der S3-Leitlinie darauf verzichten. Denn nun haben wir schriftlich, dass Zirkonoxid verblendet im Seitenzahnbereich sicher nicht die beste Lösung ist. Davon rate ich also definitiv ab.

Wegen des Chippingproblems?
Beuer:
Absolut! Im Frontzahnbereich ist es dagegen vollkommen egal, da können wir Zirkonoxidgerüste verblenden und haben nicht mehr Komplikationen als bei anderen Lösungen.
Möller: Da Zirkonoxid in unterschied¬lichen Farben voreingefärbt verfügbar ist und durch Malfarben – wie übrigens andere Keramiken auch – auf einfache Weise individualisiert werden kann, dürfte sich ein Verblenden ohnehin erübrigen. Mit Vollzirkonoxidrestaurationen wird eine gute Ästhetik erreicht, die vor allem im Seitenzahnbereich überzeugt. Die hervorragenden Perspektiven für dieses Material ergeben sich vor allem aus den physikalischen Eigenschaften: Zirkonoxid ist metallfrei, biokompatibel und sehr hart. Die Härte des Werkstoffs ist 177 Prozent größer als die der härtesten Silikatkeramik. In der vollanatomischen Form neigt Zirkonoxid zudem nachweislich nicht zum Chipping. Die Einsatzgebiete werden zum einen durch medizinische Erfordernisse wie Langzeitstabilität, Sicherheit und optimale Funktionalität bestimmt. Zum anderen gilt es, die Patientenwünsche nach Metallfreiheit und Wirtschaftlichkeit zu berücksichtigen. Beide Kriterien erfüllt Vollzirkonoxid.

Werden angesichts dieser Vorteile vollanatomische Zirkonoxidkronen zum Beispiel Lithiumdisilikatversorgungen oder andere Materialien auf lange Sicht verdrängen, zumindest im Seitenzahnbereich?
Wiedhahn:
Das denke ich eher nicht. Die derzeit angebotenen Materialien betrachte ich als mehr oder weniger gleichwertig. Auch die preislichen Unterschiede halten sich in Grenzen. Bei einer 700 Euro teuren Krone kommt es letztlich auch nicht darauf an, ob ein Block 10 bis 12 Euro mehr oder weniger kostet. Das ist völlig irrelevant. Aber: Bei Brückenversorgungen in der One-Visit-Dentistry gibt es keine Alternative zu CEREC Zirconia.

Was sagt der Hersteller?
Möller:
Alle Materialien haben ihre Berechtigung. Entscheidend ist immer die zahnmedizinische Indikation, sprich: die Situation im Patientenmund. Vollzirkon schließt da – materialtechnisch gesehen – eine Lücke. Silikatkeramik, und speziell Lithiumdisilikat, bietet hervorragende Ästhetik und wird daher weiter ihre Einsatzgebiete haben. Vollanatomischem Zirkonoxid wird sowohl von Zahnärzten als auch von Zahntechnikern eine gute Perspektive attestiert.

Man hat in der Vergangenheit häufig von monolithischen Zirkonoxidkronen als Volkskronen gesprochen. Warum, wenn sich die Materialkosten kaum unterscheiden?
Wiedhahn: Die Herstellung ist relativ einfach. Und aufgrund geringer Wandstärken muss weniger präpariert werden, was die Gefahr der Pulpenschädigung deutlich reduziert.
Auch die Einsetztechnik gestaltet sich einfacher. Vollzirkonoxid lässt sich konventionell zementieren, z. B. mit Glasionomerzement. Auf aufwendige Adhäsivverfahren beziehungsweise Selbstadhäsive kann verzichtet werden.

Bei monolithischen Lithiumdisilikatversorgungen sind sie aber ein Muss?
Wiedhahn: Richtig, Lithiumdisilikat wird adhäsiv oder selbstadhäsiv befestigt. Die Grundregel lautet: Je schwächer das Material, desto fester muss der Verbund sein! Zahnmaterial und Keramik stabilisieren sich gegenseitig. Bei sehr festem Material spielt das keine Rolle. Das Ganze funktioniert schneller, einfacher und ist für viele Kollegen auch besser umzusetzen.

Rechnet sich das auch für den Patienten?
Wiedhahn: Das hängt letztlich von der Praxisstruktur und -organisation ab. Der Behandler kann sehr viele technische Arbeiten delegieren, das reduziert natürlich die Kosten. Was er dann für die Herstellung berechnet, kalkuliert und entscheidet er in Eigenregie. Für die Chairside-Erstellung einer dreigliedrigen Brücke in meiner Praxis habe ich die Zeiten ausgewertet (siehe Abb.). Das Praxisteam kann viele Schritte übernehmen, problemlos alles, was außerhalb des Patientenmundes stattfindet. Und wenn gesintert wird, lassen sich andere Aufgaben erledigen. Wie gesagt, uns reichen 2,5 Stunden für die komplette Erstellung und Eingliederung einer dreigliedrigen Brücke. Das erfordert hochkonzentriertes Arbeiten, rechnet sich aber auch für den Zahnarzt.

Und für den Patienten?
Wiedhahn: Kann es durchaus teurer sein, weil der eine Patient die gesamte Kapazität des Teams beansprucht. Normalerweise muss der Patient schließlich drei Termine für eine dreigliedrige Brücke vereinbaren. Den Chairside-Service darf der Behandler natürlich in Rechnung stellen. Positionen für die provisorische Versorgung können dann natürlich entfallen. Was letztlich berechnet werden muss, orientiert sich an der Praxisstruktur und der Patientenklientel.