Anne Barfuß
25.04.16 / 12:20
Ein Thema, drei Meinungen

Chairside-Brücken – eine Revolution

Vollzirkonoxid - ein Material für viele Versorgungen

Laut AG Keramik und der Deutschen Gesellschaft für Computergestützte Zahnheilkunde (DGCZ) ist man sich aber dennoch einig, dass Zirkonoxid funktioniert. So jedenfalls formuliert es der DGCZ-Vorsitzende Dr. Bernd Reiss.
Möller:
Und er hat recht. Vollzirkonoxid wird als Material für viele Versorgungen, die aus Keramik gefertigt werden sollen, etwa Einzelzahnkronen sowie Brücken, eingesetzt. Limitationen für den Einsatz ergeben sich lediglich aus patientenindividuellen Gründen. Die Ästhetik von vollanatomischen Zirkonoxidrestaurationen reicht sicherlich nicht an die glaskeramischer Arbeiten heran. Dennoch werden bereits zehn Prozent der Vollzirkonarbeiten im Frontzahnbereich eingesetzt (Exevia, 2015).
Wiedhahn: Chairside gefertigt ist das aber eher die Ausnahme, zumindest in unserer Praxis. Als CEREC-Anwender sehe ich die Indikation „monolithische Zirkonoxidkrone und -brücke“ in erster Linie im Seitenzahnbereich.

Bislang waren Brücken für den Molarenbereich in einer Sitzung aber ein No-go …
Beuer: Korrekt, und das ist auch derzeit mit keinem anderen Material möglich. Monolithische Lithiumdisilikatbrücken sind nur für den Ersatz der ersten Prämolaren freigegeben, nicht für weitere posterior fehlende Zähne. So haben wir das auch in der S3-Leitlinie beschrieben.

Damit wären Brücken von 3 auf 5 möglich …
Wiedhahn: … Ja durchaus, im Molarenbereich aber nicht.
Beuer: Das echte Potenzial, die echte Innovation von CEREC Zirconia liegt aus meiner Sicht auch nicht im Kronen-, sondern im Brückenbereich. Kronen chairside fertigen – das können wir seit 30 Jahren. Aber Brücken im Seitenzahnbereich in einer Sitzung, das ist neu, das ist spannend …

Eine Revolution quasi?
Beuer: Ja, eine echte Revolution. Bislang braucht es für Brücken mehrere Termine, mindestens zwei, jedoch oft auch mehr.
Wiedhahn: Und mit CEREC Zirconia schaffen wir eine dreigliedrige Brücke in 2,5 Stunden, inklusive Präparieren, Scannen, Konstruieren, Fräsen im Trockenfräsverfahren, Sintern, Einprobe, Bemalen und Glasieren.

Wie lange dauert das Chairside-Sintern?
Wiedhahn: Für die Brücke 24,5 Minuten, das ist auch der „eigentlich Knaller“. Anschließend folgt die Einprobe, dann das Bemalen und Glasieren, ebenfalls in dem CEREC SpeedFire-Ofen. Das nimmt weitere neun Minuten in Anspruch. Dann setzen wir die Brücke ein.

Wie häufig haben Sie das bereits gemacht?
Wiedhahn: 40 Mal mit CEREC Zirconia, dazu kommen rund 120 mehrphasig hergestellte monolithische Zirkonoxidversorgungen, inCoris TZI C-Brücken. Dabei handelt es sich um das Labor-Pendant von CEREC Zirconia.

Wie unterscheidet sich das Material?
Wiedhahn:
Gar nicht, es wurde für den Chairside-Einsatz nur „umgetauft“.

Wie viele Kronen bzw. Brücken pro Sitzung können Sie anbieten?
Wiedhahn:
Bis zu drei Kronen oder eine dreigliedrige Brücke, die im ungesinterten Zustand eine maximale klinische Länge von bis zu 32 mm hat.

Mehrgliedrige Brücken müssen also nach wie vor mehrzeitig im Labor gefertigt werden?
Wiedhahn: Richtig. Alles, was diese 32 mm ungesintert überschreitet, gehört ins Labor bzw. Praxislabor mit einer Schleifeinheit wie der MCXL und einem größeren Sinterofen.



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