Anne Barfuß
25.04.16 / 12:20
Ein Thema, drei Meinungen

Chairside-Brücken – eine Revolution

Monolithische Zirkonoxidrestaurationen sind im Kommen. Nicht nur in den USA, auch in Deutschland setzen sie sich immer mehr durch. Das Material gilt als extrem stabil, einfach zu handeln und minimalinvasiv. Selbst in Sachen Ästhetik sind die Abstriche bei Weitem nicht mehr so gravierend wie noch vor einigen Jahren. Und: Ab sofort ist auch die Chairside-Fertigung von dreigliedrigen Zirkonoxidbrücken möglich, im Seitenzahnbereich. Eine Revolution? Ja, meinen Fachleute aus der Praxis, der Hochschule und der Industrie.


Chairside-Brücke Abb. 1: Der fehlende Zahn 36 Abb. 2: Nach der Präparation Abb. 3: In der Phase Administration Abb.4. Abb. 5: In den Bildkatalogen Abb. 6: Der Abstand zur Gegenbezahnung Abb. 7: Unterschnitte werden blau dargestellt. Abb. 8: Der integrierte virtuelle Artikulator Abb. 9: Die Schleifvorschau Abb. 10: Die vergrößert gefräste Kaufläche erlaubt ein feines Relief. Abb. 11: Vor dem Sintern im Speedfire-Ofen Abb. 12: Nach dem Sintern, die Schrumpfung ist deutlich erkennbar. Abb 13: Die integrierte Lüfterfläche ermöglicht ein zügiges Abkühlen. Abb 14: Die Einprobe zeigt eine perfekte Passung Abb 15: Die Halter aus Zirkonoxid Abb 16: Brücke fertig für Glasurbrand Abb. 17: Abschlussbild nach dem Zementieren mit GIZ

Die Hersteller bieten heute monolithische Zirkonoxidmaterialien an, die wesentlich lichtdurchlässiger sind als noch vor kurzer Zeit. In Verbindung mit speziellen Färbetechniken – Voreinfärbung der Rohlinge, Tauchverfahren oder Pinseltechnik – sieht dieses Zirkonoxid natürlichen Zähnen weitaus ähnlicher als noch vor einigen Jahren. Hat sich damit das Image von Vollzirkonoxidrestaurationen verbessert?
Wiedhahn: Auf jeden Fall! Zirkonoxid als monolithisches Restaurationsmaterial wird inzwischen mehr eingesetzt denn je. Zurzeit zwar noch vor allem in den Laboren, das wird sich aber mit den neuen Chairside-Optionen sicherlich ändern. In den USA zeigen die Verkaufszahlen von Glidewell Laboratories jedenfalls heute schon einen klaren Trend zu monolithischen Kronen- und Brückenversorgungen.
Möller: Weder Zirkonoxid noch Vollzirkonoxid hatten je ein schlechtes Image. Zirkonoxid wird in der Zahnheilkunde seit etwa zwanzig Jahren sehr erfolgreich eingesetzt, seit etwa fünf Jahren auch monolithisch. Diese Keramik bietet sowohl dem Patienten als auch dem Behandler viele Vorteile: Sie ist biokompatibel, zahnfarben, sie lässt sich substanzschonend präparieren und außerdem zementieren. Die Zahnärzte vertrauen auf dieses Material, und klinische Studien geben ihnen recht.

Auch Langzeitstudien?
Beuer: Für monolithische Zirkonoxidrestaurationen gibt es keine Langzeitdaten. In der aktuellen S3-Leitlinie „Vollkeramische Kronen und Brücken“, die noch bis 2019 gültig ist, sind monolithische Zirkonoxidrestaurationen aus diesem Grund auch gar kein Thema.

Wie darf ich das verstehen?
Beuer: Erstmals wurde nach den Regularien der AWMF (Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften) eine S3-Leitlinie zur Langzeitbewährung vollkeramischer Kronen, also Vollkronen, und dreigliedrige Brücken entwickelt. Federführend durch die DGPro und die DGZMK wurde in Zusammenarbeit mit zwölf weiteren beteiligten Fachgesellschaften und Institutionen die vorhandene wissenschaftliche Evidenz aus klinischen Studien mit mindestens fünfjährigem Beobachtungszeitraum zusammengetragen und ausgewertet. Danach hängt die klinische Bewährung wesentlich vom Einsatzbereich, von den verwendeten Werkstoffen und von der Einhaltung materialspezifischer Anforderungen ab. Da es keine Fünfjahresdaten für monolithische Zirkonoxidversorgungen gibt, finden sich in der S3-Leitlinie auch keine Empfehlungen dazu. Das gilt übrigens auch für die monolithische Hybridkeramik.

Aber es gibt doch Studien …
Beuer: Aber für uns, auch ich habe an der Leitlinie mitgewirkt, bewegt sich da vieles noch im Experimentellen. Darüber müssen wir unsere Patienten nach dem Patientenrechtegesetz aufklären. Es besteht definitiv noch Forschungsbedarf.

Um leitliniengerechter zu werden?
Beuer:
Um mehr Behandlungssicherheit zu bekommen und unseren Patienten verlässliche Restaurationen anbieten zu können. Die Leitlinien verstehen sich nicht als Selbstzweck.